Von Ottilie Wildermuth. 5
nebſt der Hutſchachtel, einer Reiſetaſche und meinem Neceſſaire iſt außer dem kleinen Handgepäck, das noch nachkommt, alles glücklich untergebracht. Die Guitarre hat Er mir noch geſtimmt.— Es iſt etwas viel, aber ich wußte von meiner bisherigen Garderobe nichts zu entbehren, ſelbſt nicht das Mouſſelinkleid, das ich aber im Koffer verborgen laſſen will, damit man nicht denkt, ich mache Anſpruch auf Vergnügungen;— zu ländlichen Tanzfeſten beim Ton der Schallmeien hoffe ich doch, es gebrauchen zu kön⸗ nen. Und dann mußte ich mich doch auch mit ſoliden, einfachen Kleidern verſehen, da ich bei der Tante die Haushaltungskunſt lernen werde: zwölf Küchenſchürzen, ein Dutzend Vorärmel, allerliebſte Holzpantöffelchen, ſogar ein Kleid von waſſerdichtem Stoff hat die beſorgte Mutter gekauft, die ſelbſt mit den Bedürfniſſen des Landlebens wenig bekannt iſt; wozu? weiß ich nicht recht, vielleicht für den Fall einer Ueberſchwemmung, wo ich in einem Kahn Menſchenleben durch die wogende Fluth retten könnte.
Dann meine Bibliothek,— die Kinderſchriften, mit denen ich viel⸗ leicht die Kinder des Dorfs um mich verſammeln könnte; dann meine Kleinodien, meine lieben Dichter, die ich noch ergänzt,— wie ſüß wird ſich's damit träumen im Schatten ſäuſelnder Linden! und die engliſchen, franzöſiſchen und italieniſchen Bücher, und die Noten,— er ſelbſt hat mir noch neue Muſtkalien bezeichnet, die mußt ich natürlich anſchaffen.
Mein Gartenhut iſt wundernett, ungeheuer groß, er wogt wie Meeres⸗ wellen, mit langflatternden, himmelblauen Bändern.
Fürchte nicht, Liebe, daß mir die ländlichen Arbeiten ſchwer fallen werden, wie freue ich mich, Morgens eine Schaar munter gackernder Hühner mit einem Regen goldener Körner an mich zu locken! Auch das Melken und Buttern muß allerliebſt ſein; es iſt ſonderbar, daß mir Mutter nicht erlaubte, aus dem neuen Holzwaarenlager einen zierlich geſchnitzten Melk⸗ kübel und ein niedliches Butterfaß mitzunehmen, es hätte auf die Groß⸗ tante gewiß guten Eindruck gemacht, wenn ſie mich ſo wohl vorbereitet auf's Landleben geſehen hätte.
Und nun noch Eins, meine Theure, zum erſten, vielleicht zum letzten Mal, das ſüße, ſchmerzliche, unausgeſprochene Geheimniß meiner Seele, das du längſt errathen. Ich ſcheide von dem Gewühl des Städtelebens, aber ich ſcheide ja auch von Ihm!!
Sein hoher Gang, Seine edle Geſtalt,


