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476 Schilderungen aus Spanien.
es ſei eigenthümlich, daß alle Engländer meiſtens rothe Haare und eine feine weiße Haut hätten.„Das habe ſie ſchon oft erlebt,“ ſetzte ſie hinzu.„Ja, eine feine weiße Haut,“ wiederholte eins der Mädchen,„aber ein ſchwarzes Herz.“ Ob ſie in dem Punkt gleichfalls etwas erlebt hatte, kann ich nicht angeben, vermuthe es aber, da ſich hier bei Santa Elena häufig Engländer aufhalten, um den Gehalt der umliegenden Minen zu unterſuchen.
Unſer Diner war ländlich und beſcheiden; nach demſelben zeichnete Horſchelt einen hübſchen Ochſenwagen und ich ging zurück an den Eingang des Dorfes, wo ſich das Poſthaus befand; der Ritt zu Eſel hatte uns näm⸗ lich ſo wenig befriedigt, daß wir beſchloſſen, die Madrider Diligence nach Granada, welche heute Abend gegen acht Uhr durchkommen ſollte, von hier bis Baylen zu benutzen, vorausgeſetzt, daß wir zwei Plätze fänden. Der Poſtbeamte empfing mich recht freundlich, und meinte gutmüthig, die Wagen ſeien in letzter Zeit nicht vollſtändig beſetzt, wir möchten nur etwas vor acht Uhr kommen, er wolle ſchon für uns ſorgen.
Wir verfehlten denn auch nicht, uns ſchon um ſieben Uhr einzuſtellen. Drunten in der Venta war es ziemlich langweilig und in dem Dorfe hofften wir irgend jemand zu finden, mit dem wir uns unterhalten könnten. Und ſo war es denn auch; der Poſtbeamte hatte ein paar ſeiner Freunde für uns geladen, von denen Einer etwas Franzöſiſch ſprach. Die Unterhaltung drehte ſich anfänglich um ganz gewöhnliche Dinge: das Wetter, die Straßen, die Eilwagen, kam aber bald auf das Lieblingsthema der Spanier, Minen und Erze. Jede Dorfſchaft, in deren Nähe ſich eine alte Galmeigrube findet, träumt von großartigen Bergwerksſchätzen, und die vielen Fremden, nament⸗ lich Engländer, welche im gegenwärtigen Augenblicke das Land bereiſen, um die Schachte der Berge und die Geldbeutel der Actionäre zu unterſuchen, haben das Volk ganz ſchwindlig gemacht. Auch uns hielten ſie für reiſende Geognoſten,, was ich aber feierlich von mir ablehnte, wogegen Horſchelt die Unvorſichtigkeit hatte, einen ſchlechten Witz zu machen und den guten Spa⸗ niern zu ſagen, ich ſei ein deutſcher Bergmeiſter. Da ich die Ehre habe, einer Künſtlergeſellſchaft„das Bergwerk“ unter dem Namen Bergmeiſter zu präſidiren, ſo ſprach er allerdings keine Unwahrheit; doch proteſtirte ich vergeblich gegen dieſen Titel im andern Sinne: man ſchleppte augenblick⸗ lich ein paar große Körbe voll Erz herbei, und da ſaß ich nun und ſollte mein Urtheil abgeben. Glücklicher Weiſe verſtand nur einer meiner Zuhörer Franzöſiſch und auch dieſer nicht genug, um meinem übergelehrten Vortrag


