Jahrgang 
1 (1855)
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Von F. W. Hackländer. 475

in der Schlucht das Klingeln und Raſſeln vernahmen, mit dem ſich eine ſpaniſche Diligence ſchon von weitem anzeigt; vielleicht eine prächtige Gelegenheit für uns, den noch übrigen Theil der Sierra Morena ſchneller zu überſchreiten und Baylen zu erreichen, wo Baumeiſter Leins uns erwar⸗ tete. Unſer Führer kletterte auf die Straßenbrüſtung und berichtete, es ſei der Correo, der hinter uns drein komme. Der ſpaniſche Correo oder Courier iſt gleichbedeutend mit der franzöſtſchen Malle, befördert wie dieſe Briefe und kleine Pakete, und hat nur Platz für zwei Paſſagiere. Ihn unbeſetzt zu finden, konnten wir nicht hoffen, weßhalb wir ihn auch ziemlich gleichgültig näher und näher herankommen hörten. Endlich erreichte er uns und zum Ueberfluß fragte Horſchelt den Conducteur, ob er ſeine beiden Plätze nach Baylen frei habe.Nur einen, war die Antwort, worauf wir die Achſeln zuckten, der Mayoral freundlich grüßte und der Wagen von ſechs flinken Maulthieren auf der nun ſtark abwärts fallenden Straße bald unſern Blicken entſchwand.

Genügſamkeit iſt eine ſchöne Tugend, und an ihrer Hand beſtiegen wir unſere kleinen Eſel wieder, nachdem wir uns eine außerordentlich gute Cigarre angezündet und ſie mit Hochgenuß rauchten.Qui va piano, va sano, ſagt der Italiener. Und das Sprüchwort bewährte ſich freilich an uns, aber auch eben ſo sano an dem vorauseilenden Correo, der durchaus nicht piano fuhr, denn nachdem wir erſt die Schlucht vor uns hinabgeſtiegen waren, ſahen wir ihn ſchon hoch über uns nach Santa Elena hineinrollen. Wir hatten da hinauf noch ein tüchtiges Stück Weges, das wir abwechſelnd reitend und zu Fuß gehend zurücklegten. Gegen vier Uhr kamen wir droben an, und unſer Führer brachte uns in eine von der Straße abgelegene, ziem⸗ lich große Venta, wo wir die einzigen Gäſte waren, anfänglich ſogar die einzigen menſchlichen Bewohner überhaupt, denn nur ein großer Hofhund empfing uns bellend, dann erſchienen einige Kinder, die ein paar Mägde herbeiriefen, und erſt nach einer Viertelſtunde kam der Ventero und die Padrona, welche auf dem Felde beſchäftigt geweſen waren.

Die ſcharfe Gebirgsluft, verbunden mit der großen Sonnenhitze hatte mein Geſicht dergeſtalt verbrannt, daß ſich überall Blaſen zeigten, welche mich tüchtig ſchmerzten. Das beſte Linderungsmittel dafür ſind geſchabte rohe Kartoffel, weßhalb ich in die Küche ging, um mir ein ſolches Mittel

anzufertigen. Die Töchter des Hauſes, ſowie ſämmtliche Mägde ſahen mei⸗ nem Beginnen mit großem Erſtaunen zu, bis ihnen die Wirthin erklärte,