Jahrgang 
1 (1855)
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472 Schilderungen aus Spanien.

ſchen Straßen alle Unbill, alle böſen Benennungen abzubitten, die wir ihnen insgeſammt beigelegt, ſo muß es den Reiſenden doch zu gleicher Zeit traurig berühren, wenn er bedenkt, was dieſes ganze herrliche Land unter einer andern Regierung durch Herbeiziehung und Unterſtützung fremder Arbeitskräfte ſein könnte, und welche glückſelige Zukunft ſich dadurch Tau⸗ ſenden unſerer armen Landsleute eröffnen würde, die jetzt über das Welt⸗ meer ziehen, um bei den kalten und herzloſen Yankees zu verkümmern.

Unſere kleinen Eſel trabten ſo Stunde um Stunde luſtig über die breite Straße dahin, die ſanft aufſtieg, zuweilen aber auch wieder kurze Strecken abwärts führte. In einem kleinen Dörfchen hielten wir unſere Mittagsraſt, ritten dann eine Zeitlang in der Hochebene fort, worauf ſich der Weg zu einem Thale hinabſenkte, hinter welchem ſich die ſchwärzlichen Maſſen des Gebirges ziemlich ſteil erhoben, das dort bei Concepcion de Almuradiel ſeinen höchſten Punkt erreicht. Unſer Führer oder eigentlich Treiber verließ hier die breite Straße und trieb ſeine Thiere, um den Weg abzukürzen, einen ziemlich ſteilen Felſenpfad hinab, was für uns Reiter nichts weniger als angenehm war. Von einem Wege war hier eigentlich nicht die Rede: bald ging es durch das Bett eines kleinen Baches, über Rollkieſel, bald über breite Felſenplatten, die ſo glatt waren, daß ich jeden Augenblick erwartete, mit meinem armen Eſel in die Tiefe zu rollen. Dabei wollte uns der ſpaniſche Tyrann nicht einmal abſteigen laſſen, ſtachelte vielmehr die Thiere immerfort, ſchnalzte dazu mit der Zunge und ſprang in großen Sätzen nebenher. Daß wir ohne Unfall hinabkamen, betrachtete ich als ein Wunder; denn rückwärts blickend ſah ich die Wand, welche wir herabgekommen waren, in erſchreckender Steilheit aufſteigen.

Unten bogen wir wieder in die breite Chauſſee ein und betraten zu gleicher Zeit den Anfang des Paſſes von Despena⸗Perros, eine wilde Schlucht von ſteilen, viele hundert Fuß hohen Felſen gebildet, an deren einer Seite die Straße in maleriſchen Wendungen hinführt. Sie iſt hier vortreff⸗ lich unterhalten, für die Durchlaſſung der Waſſer, die von Felſen herab⸗ rieſeln, iſt auf's beſte geſorgt, und an manchen Orten iſt ſie auf kühnen Bogen über die tiefen Schluchten weg geführt, welche die großen Gebirgs⸗ waſſer zur Zeit des Winters in die Felſen geriſſen haben. Auf der linken Seite trennt uns vom Abgrunde eine hohe ſteinerne Bruſtwehr. Zur rechten Seite der Straße erheben ſich die zerklüfteten Steinwände eines Glimmer⸗ ſchiefers in ſenkrechten Schichten, deſſen rothe Farbe auffallend gegen das