Jahrgang 
1 (1855)
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Von F. W. Hackländer. 471

ſchwenderiſch ausgeſtattet. Nicht nur fand jeder Coloniſt bei ſeiner Ankunft ſein Haus fertig, ſeinen Boden und ſeinen Keller auf ein Jahr lang gefüllt, eine Kuh und ein paar Maulthiere in ſeinem Stalle, ſondern die Colonien erhielten zugleich außer andern Vorrechten die Zuſicherung der Befreiung vom Kriegsdienſt, von Zehnten und Steuern auf ewige Zeiten. Leider dauerten dieſeewigen Zeiten nicht gar zu lange, und nur bis zum Sturz des vortrefflichen Intendanten, nach welchem ihnen die Zehnten aufgenöthigt wurden. Die Inquiſition unterbrach die großen Bemühungen Olavides', den ſein König ſchon früher anderer Verdienſte wegen zum Grafen von Pilo erhoben hatte; er ward, als der Toleranz eifrigſter Beförderer, der Ketzerei beſchuldigt und 1778 zu achtjähriger Gefangenſchaft und Bußübung in ein Kloſter eingeſperrt, woraus er jedoch nach Venedig zu entfliehen Gele⸗ genheit fand, ſpäter aber nach Spanien zurückkehrte, wo er 1803 in einem Alter von 63 Jahren ſtarb. Unter andern weiſen Beſtimmungen, die Ola⸗ vides für die neuen Colonien einführte, befand ſich auch die, daß kein Gut zerſtückelt oder vom Nachbar erworben werden durfte, ſondern im Fall einer Veräußerung oder Verpfändung an einen neuen Pflanzer übertragen wer⸗ den mußte.

Obgleich ſpäter bei der Revolution auch noch mehrere der übrigen Privilegien dieſer Anſtedlungen verloren gingen, ſo bilden ſite doch heute noch die lachendſten und fruchtbarſten Gefilde Spaniens und mildern auf das angenehmſte den grellen Contraſt zwiſchen den ſegenvollen Fluren An⸗ daluſtens und der ſteinigen Mancha. Wohin das Auge ſich wendet, gewahrt es hier bald einzelne Höfe, bald niedliche und reine Dörfchen zwiſchen wal⸗ lenden Saaten und herrlichen Obſtpflanzungen jeder Art. Zur ferneren Ausſchmückung trägt auch die üppige Natur das ihrige bei, indem ein jeder Garten mit großen Aloén und Cactuszäunen umgeben iſt, die, wenn auch die meiſten Bäume und Sträucher kahl und nackt erſcheinen, doch ihr friſches Grün nicht verlieren. Die Hauptſtadt dieſer Anſiedlungen iſt la Carolina, meiſtens von Deutſchen bewohnt, welche ſich denn auch bald an die Arbeit machten, und nach ſchwerem, ausdauerndem Schaffen den berühmten Paß durch die Felſen und Schluchten von Despena⸗Perros zu Stande brachten, eine Chauſſee, die ſich in ihrer prächtigen Anlage, in ihrer breiten und ſanften Steigung mit jeder Kunſtſtraße von Deutſchland und der Schweiz meſſen kann.

Wenn wir auch auf unſerem heutigen Ritte verſucht waren, den ſpani⸗