470 Schilderungen aus Spanien.
hat, daß man rückwärts vom Eſel fallen könne und ſich auf dem Sitz etwas heimiſch fühlt, ſo findet man die Bewegung der Thiere gar nicht unange⸗ nehm; man ſpürt kaum ihren ſanften Trab und kommt dabei mit einer faſt unbegreiflichen Schnelligkeit von der Stelle. Die Thiere machen kleine gleichförmige Schritte, aber unermüdlich, unaufhörlich. Betrachtet
man einen Gegenſtand an der Straße, ſo glaubt man natürlicherweiſe, man.
komme nicht vom Fleck, iſt aber doch, ehe man ſich's verſieht, auf der Höhe der Straße angelangt, wo es denn abwärts mit noch etwas vermehrter Ge⸗ ſchwindigkeit geht. Ich dachte bei dieſem Ritt an Aegypten, an Kairo, wo wir auch viele Touren auf gleiche Art machten, wo die kleinen Eſel gleich⸗ falls vortrefflich ſind, doch nicht beſſer als die ſpaniſchen.
So ging es denn die lang erſehnte Sierra Morena hinauf, dieſe Scheidelinie, welche die öde und flache Mancha von dem herrlichen Anda⸗ luſien trennt. Wie ich ſchon früher bemerkte, iſt der Gebirgszug auf dieſer nördlichen Seite nicht hoch; der höchſte Paß, der von Despeſa⸗Perros (Hundeabgrund), ſteigt durch ſteile und wilde Schluchten, nicht über 400 Fuß, wogegen ſich das Gebirge auf dem ſüdlichen Abhang nach Andaluſien um eben ſo viele tauſend Fuß, aber ſanft nach und nach abdacht. Die ganze Breite der Bergkette mag fünf bis ſechs Stunden betragen, und die Länge von Oſten nach Weſten vielleicht ſtebenundzwanzig Stunden. Bis zur glück⸗ lichen Regierung Karls III. war die Sierra Morena eine wilde Wüſte mit felſigen dürren Höhen und moraſtigen Thälern, wo ſich kaum das Maulthier „im Nebel ſeinen Pfad ſuchte;“ in den Schluchten und Abgründen hauste „der Drachen wilde Brut“ und im Paſſe von Despena⸗Perros war die Räuberei in ſchönſter Blüthe und brandſchatzte die Karavanen. Der damalige Intendant von Sevilla, Don Pablo Olavides, mochte wohl einſehen, daß es mit ſpaniſchen Händen ſchwer gehen würde, durch dieſe felſige Scheidewand, welche den glücklichen Süden vom Norden trennt, eine gute Straße zu brechen, weß⸗ halb er auf den klugen Einfall kam, am ſüdlichen Abhange des Gebirges Colonien zu errichten, deren Bevölkerung man große Vortheile einräumte und dafür die Verpflichtung auferlegte, ſich nach dem Innern des Kö⸗ nigreichs einen guten Weg zu bahnen. Namentlich waren es Tauſende von Deutſchen, und unter dieſen viele Schwaben, welche dem Rufe Don Pablo's folgten und ſich hier anſiedelten. Dabei hielt der Intendant von Sevilla, was er den Fremdlingen verſprochen und ſorgte auf's Umfaſſendſte für ſie. So waren namentlich die deutſchen Anſtedlungen wahrhaft ver⸗


