Jahrgang 
1 (1855)
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Von F. W. Hackländer.

einen Kriegsrath über unſere Weiterreiſe. Nach ſeiner Ausſage waren die guten Pferde, von denen uns Herr St. geſprochen, in Santa Cruz gar nicht vorhanden. In Gottes Namen, wenn wir auch weniger gute bekommen. Auch dieſe fehlten, wie uns der Ventero verſicherte.Aber ein vortreffliches Maulthier? fragten wir. Abermaliges Kopfſchutteln.Nun denn ein Maulthier wie es gerade iſt. Auch ein ſolches war nicht zu be⸗ kommen, und nach langem Hin⸗ und Herreden ſahen wir denn zu unſerer unangenehmen Ueberraſchung ein, daß es nur zwei Arten des Fortkommens für uns gäbe: per pedes apostolorum oder zu Eſel, zu ſehr kleinem Eſel, zu Eſel, wie ſie bei uns die Säcke aus der Mühle tragen. Wir ſahen uns einen Augenblick an, hatten aber, Gott ſei Dank, Humor genug, laut hinauszulachen. Wir wollten nach Santa Elena, auf die Höhe des Ge⸗ birges, und glücklicher Weiſe fand ſich eine Familie von dort, die mit vier leeren Eſeln zurückging. Um einen recht mäßigen Preis mietheten wir dieſelben, zwei wurden für unſer Gepäck beſtimmt, die andern zur Ehre, uns zu tragen.

Wir zahlten unſere Zeche und nahmen Abſchied von Don Alonſo, der uns noch die gute Lehre: man muß in der Welt immer zufrieden ſein, mit auf den Weg gab und durch ein vortreffliches Beiſpiel vor Augen führte. Als wir nämlich aufſitzen wollten, kam ein Reiter auf gutem Maulthier bei der Venta vorüber.Wenn wir nur ſolche Thiere bekommen könnten! ſagte ich ſeufzend, hatte aber kaum ausgeſprochen, als das Maulthier über einen Stein ſtolperte, auf die Knie ſiel und ſeinen Reiter unſanft von ſtch abwarf.

Unſere Eſel hatten weder Zaum noch Halfterſtrick, weder Steigbügel noch Sattel. Die Stelle des letzteren vertrat ein breites hölzernes Geſtell mit aufgeſchnalltem Strohkiſſen, das aber zu breit war, um ſich rittlings darauf ſetzen zu können, wir mußten es deßhalb ſo beſteigen, daß wir beide Füße nach einer Seite herunterhängen ließen und nun ſtreben, das Gleich⸗ gewicht ſo gut wie möglich zu behalten. Als alles aufgepackt war und wir ebenfalls, ſtachelte unſer Führer die Eſel nach der Reihe mit einem ſpitzigen Stocke an einen unnennbaren Theil ihrer Körper, und fort liefen die kleinen Thiere, ſo flink und behende, dabei aber mit ſo komiſchem Kopfnicken, daß ich, der noch obendrein den Maler mit ſeinen langen Beinen, die faſt den Boden berührten, vor mir hatte, in ein lautes Gelächter ausbrechen mußte. Wenn man bei dieſer Art zu reiten einmal die Befürchtung überwunden