468 Schilderungen aus Spanien.
die Erwarteten erſchienen. Daß wir uns freudig begrüßten, kann man ſich leicht denken, hatten wir doch des Umherirrens ohne Kenntniß der Sprache und des Landes genng bekommen und freuten uns, die präch⸗ tige Tour über die Sierra Morena in Geſellſchaft von Freunden machen zu können, die mit Allem genau bekannt und die beſten Erklärungen zu geben im Stande wären. Doch wie ward uns, als nun Baumeiſter Leins haſtig erklärte, ſie könnten leider die beſprochene Tour nicht mit uns machen; die beiden andern Herren, deren Reiſeziel Sevilla war, hatten gehofft, über⸗ morgen ihren Weg von Baylen mit dem Wagen weiter fortſetzen zu können, aber in Madrid erfahren, daß auf allen Diligencen für die nächſten vierzehn Tage ſämmtliche Plätze bereits genommen ſeien, ſte alſo in Baylen liegen
bleiben müßten, wenn ſie nicht mit dem heutigen Wagen ihre Reiſe fort⸗
ſetzten. Auch der treuloſe Leins hatte darauf hin ſeinen Platz bis Baylen gekauft, was wir ihm im Grunde nicht übel nehmen konnten, denn wie wir jetzt erfuhren, hatten weder er noch die andern geglaubt, uns in Valde⸗ penas ſo bald und heil und geſund anzutreffen.
Das alles verſtimmte mich ſo, daß ich mich ziemlich erbost in meinem Bette herumwarf und den Drei eine glückliche Reiſe, aber auch ſonſt noch allerlei wünſchte, was ich hier nicht wiederholen mag. Was ſie uns unter bewandten Umſtänden Gutes thun konnten, das geſchah in höchſter Eile; Horſchelt ließ unſere ſehr zuſammengeſchwundene Reiſekaſſe auffriſchen und nahm von Herrn St. ein Paket guter Cigarren, welche dieſer für uns zu⸗ rückließ. Drunten fluchte unterdeſſen der Mayoral im Verein mit Zagal und Delantero; die Maulthiere ſchüttelten ſich und ſtampften mit den Füßen, und das Schickſal, roh und kalt, ließ uns allein in Santa Cruz zurück, frierend auf ärmlichem Lager, während unſere Bekannten wenige Augen⸗ blicke nachher im vollen Galopp von zwölf Maulthieren dem Gebirge ent⸗ gegen fuhren. Horſchelt, der noch an's Fenſter ſprang, ſah ihnen kopfſchüt⸗ telnd nach, dann kroch er auch wieder unter ſeine Manta, worauf wir uns bis zum heranbrechenden Morgen allerlei tröſtlichen Geſprächen hingaben.
Glücklicher Weiſe hatten wir Beide vortrefflich geſchlafen, auch war die Sonne ſo freundlich, ſich ſehen zu laſſen und uns einen Strahl ihres lieben Lichtes zu ſpenden. Waren wir doch glücklich bis hieher gekommen und hofften auch, die Sierra Morena ebenſo zu überſchreiten. Wir kleideten uns an, gingen in die allgemeine Halle hinab, wo uns das praſſelnde Feuer recht wohl that, nahmen unſere Chokolade und hielten mit Don Alonſo


