Jahrgang 
1 (1855)
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Von F. W. Hackländer. 467

ehren Gott das Nachteſſen, Cavalieros! an's Feuer trat, bemerkten wir wohl, mern, daß wir alsbald der Gegenſtand der Unterhaltung wurden; hätten wir

aber auch das Spaniſche beſſer verſtanden, ſo wäre es uns doch nicht t, von möglich geweſen, dieſe Unterredung zu verſtehen, denn ſie wurde nur durch einzelne Worte, Blicke und Pantomimen geführt. Nur etwas davon begriffen wir zu unſerem Leidweſen, daß nämlich nichts zu unſerem Abend⸗

emeln, eſſen vorhanden war, denn auf dieſe Frage zuckte die Padrona bedeutſam nd ſich die Achſeln; doch meinte ſie gleich darauf, ſie wolle in's Dorf ſchicken, um nd mit vielleicht ein Huhn und etwas Reis für uns zu kaufen. Da wir aber in

Valdepenas ſehr gut und ziemlich ſpät dinirt, auch ſehr ermüdet waren, ſo baten wir um etwas Chokolade und um Anweiſung eines Zimmers zum Schlafen. Letzteres ſchien einige Schwierigkeit zu machen, doch nahm ſich Don Alonſo kräftigſt unſerer an, worauf denn eine der Mägde fortgeſchickt wurde, um unſere Lagerſtätten in Ordnung zu bringen. Auch die Choko⸗ lade erſchien bald darauf, recht gut, aber leider wieder ſehr dünn.

be Was unſer Fortkommen für den nächſten Tag anbelangte, ſo hatten wir durchaus keine Luſt, uns darum zu bekümmern, denn morgen in der Früh mußten ja die Freunde kommen, mit ihnen Herr St., der das Land genau kannte und die beſten Arrangemints treffen würde. Wir nahmen deßhalb

88 von Don Alonſo Abſchied und ließen uns nach der Schlafkammer geleiten, um eins der Schwalbenneſter, von denen ich vorhin geſprochen. Die Einrichtung mir hier war über alle Beſchreibung ländlich: auf einem hölzernen, ſehr kurze. eund⸗ Schragen lag eine fingerdicke Wollenmatratze, ein Kopfkiſſen von Seegras efühl, und zum Zudecken mußten wir uns der eigenen Manta bedienen. Doch er⸗ 9* müdet, wie wir waren, hatten wir uns kaum ausgeſtreckt, als auch ſchon ein , zum ſüßer, erquickender Schlaf über uns kam. Selbſt im Traume beſchäftigte

ich mich übrigens mit der Ankunft der Freunde, und da ich das Glück habe, faſt immer zu einer Zeit, die ich mir beſtimme, erwachen zu können, ſo war ich auch hi er gegen vier Uhr Morgens ſchon vollkommen munter und lauſchte auf die An kunft des Eilwagens. Horſchelt ſchlief noch, wurde aber auch bald darauf erweckt durch das Klingeln, Raſſeln, Klirren und Klap⸗ pern, mit welchem nach Verlauf einer Viertelſtunde die Madrider Poſt⸗ kutſche ankam. Auch ſprang mein Freund ſogleich von dem Lager auf, eilte an's Fenſter und rief luſtig, ſie wären da, er habe den Baumeiſter beim Schein der Wagenlaternen ſo eben in's Haus eilen ſehen. Gleich nachher polterte es auch die Treppen herauf, die Thüre wurde haſtig geöffnet und.

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