466 Schilderungen aus Spanien.
Stück Teppich liegt,— vielleicht für einen Gaſt, den man beſonders ehren will. Oben zwiſchen dem Sparrenwerk des Daches kleben einige Kammern, die von hier aus wie Schwalbenneſter ausſehen.
Um den Feuerplatz befand ſich ſchon eine zahlreiche Geſellſchaft, von der einige rauchten, andere plauderten, dort welche ihr Abendeſſen verzehr⸗ ten, hier wieder andere begierig in die Pfanne hineinſchauten. Die meiſten ſaßen auf dem erwähnten Divan, andere aber auf kleinen niederen Schemeln, welche mich ſehr an den Orient erinnerten. Hinter dem Feuer befand ſich die Padrona, eine ſchon ältliche ſtarke Dame, aber noch ſehr rüſtig und mit außerordentlich lebhaftem Mundwerk begabt. Zu ihrer Seite befanden ſich ein paar Mägde, welche Waſſer zutrugen oder Pfeffer, Salz und dergleichen darreichten. Vor der Frau, in den glühenden Kohlen, ſtanden Pfannen und Töpfe, in welchen das Nachteſſen für verſchiedene Gäſte ſchmorte. Alle dieſe jedoch wagten ſich nicht in die Nähe der eifrigen, aber ziemlich barſchen Köchin, und wenn Einer ſich etwas Feuer für ſeine Cigarre verſchaffen. wollte, ſo wandte er ſich mit einer höflichen Bitte an die Padrona, welche ihm alsdann mit der eiſernen Zange, die neben ihr lag, eine glühende Kohle darreichte.
Unſer Erſcheinen machte ſo gut wie gar kein Aufſehen; die Padrona ſchaute kaum von ihren Töpfen in die Höhe und nickte uns ſchweigend zu; doch rückten die Maulthiertreiber auf dem Divan ſogleich zuſammen, um für uns Platz zu machen, ja ein ältlicher Mann, der aufſtand, bot mir freundlich ſeinen Schemel an. Es iſt etwas Wohlthuendes um die Freund⸗ lichkeit und Höflichkeit der Spanier; man hat bei ihnen immer das Gefühl, ſich in guter Geſellſchaft zu befſinden. Ohne von Fragen beläſtigt zu wer⸗ den, ſieht man ſich aufmerkſam behandelt, wird aufgefordert, näher zum Feuer zu rücken, wenn es kalt iſt, oder weiter zurück, wenn die Flammen gar zu heftig aufpraſſeln. Kaum zieht man ſeine Cigarre heraus, ſo bietet man Einem augenblicklich Feuer an, und wenn man einigen der Gäſte, die es ſich gerade ſchmecken laſſen, einen guten Appetit wünſcht, ſo kann man ſicher ſein, nach alter arabiſcher Sitte, eine ernſtlich gemeinte Einladung zur Theilnahme zu erhalten. Letzteres habe ich faſt immer hier in Spanien be⸗ merkt, und wenn man zwiſchen dieſen Leuten ſitzt, ſo wird jeden Augenblick eine Schüſſel oder ein Glas angeboten mit der freundlichen Bitte, ſich zu bedienen.
Don Alonſo hatte unterdeſſen ſeinen Karren und ſeine Maulthiere beſorgt und als er darauf mit einem„ave Maria purissima! geſegne euch


