Von F. W. Hackländer. 473
nen dunkle Grün der Stacheleichen und Pinien abſticht, welche auf einzelnen Jeit Terraſſen, namentlich aber in den Schluchten des Gebirges wachſen. Wo mier ſich dieſe, beſonders auf der weſtlichen Seite des Paſſes hin und wider er⸗ nder weitern, unterbrechen einzelne große grüne Raſenplätze, jetzt von Pflanzun⸗ Lau⸗ gen zierlicher Eriken umſäumt, im Frühjahr aber beſchattet von blühenden del⸗ Mandelbäumen, den düſtern Charakter der Gegend. Hier weiden Viehheerden, und der mächtige Torro der Sierra Morena, der gewaltige Kämpfer auf die dem Stierplatze, wetzt ſein Horn an den Stämmen der Eichen, ſcharrt die 3 urze Erde und ſchaut brüllend nach dem vorüberziehenden Reiſenden empor. ſere Hin und wider gewährten uns die Wendungen der Straße noch einen 3 ſich Rückblick auf die rothe, kahle Ebene der Mancha bis nach dem fernen chen Caſtell des alten Conſuegra und den Hügeln von Valdepeſas. Ich erinnere de mich nicht, je Abbildungen dieſes Paſſes geſehen zu haben, und doch wäre lich das eine der dankbarſten Aufgaben, die ſich ein Maler ſtellen könnte; nament⸗ deg lich eine Strecke weiter oben ſahen wir einen Punkt, wo die Chauſſee unter tter überhängenden Felſen dahinzieht, hoch auf der ſteilen Wand des Abgrundes. lich In der Höhe ſcheint die Straße plötzlich aufzuhören, und dort erhebt ſich lber zur linken Seite derſelben, aus der nebenliegenden Schlucht aufſteigend, ein den gewaltiger Felszacken, der mit einem kleinen Wachthaus der Guardias Civi⸗ abei les gekrönt iſt und den Mittelpunkt der wilden Landſchaft einnimmt. Den elte Hintergrund bilden ſteile Felswände mit den Zickzacklinien der Straße, die
hoch auf die Höhe führen, bis wo die erſten Häuſer des Dörfchens
1. Santa Elena freundlich herabſchauen. Hier iſt die Gränze zwiſchen der wir Mancha und Andaluſien; ſie iſt durch einen uralten Stein bezeichnet, wor⸗
auf auf der caſtiliſchen Seite die Worte virgen del' sagrärio de Toledo, und * auf der andaluſiſchen die Santa fäz de Jaen eingehauen ſind. Dieſe bezeichnet ide das Schweißtuch der h. Veronica, was man in IJaen zeigt, jene das in der
* Kathedrale von Toledo ſo hoch verehrte Muttergottesbild.
„ Obgleich es heute Morgen empfindlich kalt geweſen war, ſo hatten dſ wir doch jetzt um die Mittagszeit ſo heißen Sonnenſchein, daß wir uns „ gegen die brennenden Strahlen ſchützen mußten und zu dieſem Zwecke unſere „ Taſchentücher nach Art der Beduinen unter dem Hut um den Kopf legten. 4 Da es in dem erwähnten Paß auch läng ere Zeit aufwärts ging, ſo rutſchten
wir von unſern Eſeln hinab und ſchritten zu Fuße, uns an dem wahrhaft prachtvollen Anblick der wilden Schlucht erfreuend. Außer uns und unſern Treibern war weit und breit keine menſchliche Seele, und tiefe Stille lag


