Jahrgang 
1 (1855)
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16 Gefährliche Blumenſträuße.

men ,er muß im Augenblicke kommen. Sie zog an einer Klingelſchnur, die neben ihrem Platze hing, und wenige Minuten nachher ſtellte der Kammer⸗ diener das Theeſervice vor der Dame des Hauſes auf. Die Baronin beſaß eine eigene Fertigkeit, das duftende Getränk zu bereiten, und es war nebenbei ein wahres Vergnügen, ſie ſo zierlich und elegant ihre ſchwere ſilberne Bat⸗ terie bedienen zu ſehen. Jeder empfing die volle Taſſe aus ihren Händen, der Eine oder der Andere ließ ſich auch eine zweite geben, dann wurden die leeren auf einen nebenſtehenden Marmortiſch geſchoben und hierauf alles von der Dienerſchaft wieder geräuſchlos abgeräumt.So, ſagte die ſchöne Frau,jetzt bin ich bereit zum Zuhören.Und ich zum Erzählen, aber unter einer Bedingung, entgegnete Julius.Nehmen Sie den Vicomte von meiner Seite, ihm zucken ſchon die Mundwinkel, und ich bin feſt über⸗ zeugt, er wird mich jeden Augenblick mit irgend einer Bemerkung unterbre⸗ chen, oder wenn das nicht iſt, wenigſtens ſo merkwürdige Geſichter ſchneiden, daß ich meinen Faden nicht ruhig abwickeln kann.Pfui Vicomte! ſeien Sie artig! rief die Baronin. Doch erwiderte dieſer:Nein, nein, ich will unartig ſein und in Folge davon Buße thun. Eugen dort neben Ihnen hat ſich auffallend gebeſſert, er ſoll ſeinen Platz einem ärgeren Sün⸗ der überlaſſen.Gott ſoll mich bewahren, antwortete die Baronin, daß ich es verſuchen ſollte, Sie zu bekehren. Alles, was ich leiſten kann, iſt der Verſuch, Sie unter Aufſicht zu nehmen, und zu dem Ende will ich mich ebenfalls ans Kamin ſetzen. Kommen Sie, Eugen. Damit waren Alle einverſtanden, man rückte zuſammen, die Baronin ſetzte ſich in eine Kaminecke, der Maler ſtellte ſich in die andere und zwar ſo, daß der vor⸗ ſpringende ſchwere Spiegelrahmen einen leichten Schatten auf ſein Geſicht warf; doch hatte er ſich gefaßt, und wenn er auch etwas bleich ausſah, ſo las man doch in ſeinen Zügen nichts von dem tiefen Weh, das in ſeinem Herzen wühlte.

(Schluß folgt im nächſten Heft.)