14 Gefährliche Blumenſträuße.
um ihn nach der Stadt zurückzubringen. Der Graf war zu Pferde gekom⸗ men, und da er ſcharf geritten und erhitzt war, ſo bot ich ihm meinen Pa⸗ letot an, den er auch annahm. Das iſt die ganze Geſchichte.“
„Ja, das Gerippe der Geſchichte. Aber ich habe ungeheuer viel mehr geſehen.“—„Wenigſtens viel mehr erzählt,“ ſagte lachend die Ba⸗ ronin.—„Nein, nein,“ erwiderte der Andere,„keine Uebertreibung, nur die Wahrheit. Schon vor einigen Tagen erfuhr ich vom.... ſchen Ge⸗ ſandten, Graf Rieden werde hieher kommen, und man ſpreche von einer Verbindung zwiſchen ihm und der Tochter des General von W. Ob die ſchöne Julie dabei dem Zuge ihres Herzens folgt, iſt eine andere Frage, die ich nicht entſcheiden kann. Daß ſie aber beim Anblick des Grafen, von deſſen bevorſtehender Ankunft ſie unterrichtet war, kein entzücktes Geſicht machte, das kann ich beſchwören. Ja ich verſichere nochmals, ich habe nie den heiteren Ausdruck eines ſo lieben, freundlichen Geſichts wie das der kleinen Baronin ſich ſo plötzlich in Schrecken verwandeln ſehen. Sie ſchauderte ordentlich zurück, und wandte ihre Augen flehend unſerem lieben Wirthe zu, als wolle ſie bei ihm Hülfe ſuchen.“
„Par exemple!“ rief lachend der Baron von C.„Vicomte! Vicomte! wiſſen Sie wohl, daß Sie damit ſehr viel geſagt haben?“—„Aber da ich es in Ihrer Gegenwart und in der der Baronin ſage, hat es weiter keine Bedeutung, das werden Sie zugeben. Und nun, habe ich vorhin zu viel geſprochen, als ich behauptete, der Bräutigam ſei angelangt, der Bräuti⸗ gam ſei nichts weniger als liebenswürdig und angenehm, und die ſchöne Julie ſei förmlich vor ihm zurückgeſchaudert? Weiß der liebe Gott,“ fuhr er luſtig fort,„weßhalb ich in den Ruf gekommen bin, als übertreibe ich gern. Und es hilft der armen kleinen Julie nichts, ſie wird den Grafen doch heirathen müſſen.“—„Ich wette nein,“ ſprach der Rittmeiſter mit großer Ruhe.
Worauf Alles lachte und Julius ſich veranlaßt ſah, den Kopf ſeinem Nachbar zuzuwenden und ihm zu ſagen:„Ich wollte doch wahrhaftig, es fände ſich Jemand, der dich und deine Wetten einmal beim Wort nähme.“ —„Ich ſtehe zu Befehl für Jeden, der Luſt hat; alles Ernſtes, eine gleiche Wette: der Graf wird die Baronin nicht heirathen.“—„Und weßhalb?“ fragte der Hausherr.—„Das weiß er ebenſo wenig als wir Andere; Gründe
hat er nie. Er will nur wie gewöhnlich eine Wette vorſchlagen.“—„Die ich annehme,“ rief Eugen vom Eckdivan herüber.„Aber gleich gegen gleich


