Von F. W. Hackländer. 13
tag fern gehalten haben, um Abends ſo angenehm beſtraft zu werden.“— „O was das anbelangt,“ lachte die ſchöne Frau,„ſo kann man bei mir auf verſchiedene Art Buße thun. Sie hätte ich vielleicht doch an den Ka⸗ min verwieſen, Sie lieben es in die Flammen zu ſchauen, aber die koſtbaren Augen unſeres Freundes hier muß ich ſchonen. Deßhalb,“ wandte ſie ſich an Eugen,„bekommen Sie auch die Hälfte meines Lichtſchirmes— ſo— jetzt wird Ihnen die Gluth des Feuers nicht wehe thun.“ Damit hatte ſie den kleinen Schirm, der vor ihr ſtand, ſo gedreht, daß der Schatten, den derſelbe warf, zum größten Theile auf das Geſicht des Malers fiel. „Ja, dieſe Künſtler werden doch auf jede Art bevorzugt,“ meinte der Vi⸗ comte. Und das Gleiche mochte auch Eugen fühlen, denn er heftete auf die Baronin einen Blick mit dem Ausdruck der innigſten Dankbarkeit.„Aber jetzt will ich von dir hören, George, was ſich drunten zugetragen. Hat uns doch der Vicomte Sachen erzählt, die ganz außerordentlich ſind.“— „Ich wette, er hat falſch geſehen,“ meinte einer der anderen beiden Herren, ein Rittmeiſter von B., der wenig ſprach und von dem man faſt ſicher ſein konnte, daß unter dem Wenigen, was er ſagte, faſt jedesmal die Propoſition zu einer Wette war.—„Zehn gegen fünf,“ fuhr er fort,„der Vicomte hat componirt.“ Dieſer ſtreckte ſich bei dieſer Behauptung ſo lang wie möglich, erhob feierlich ſeine Hand und ſagte mit der Ruhe eines guten Gewiſſens: „Eine ſolche Wette wäre wenig beſſer als Diebſtahl. Hören wir den Haus⸗ herrn, und dann urtheilt.“
„Nun ſo Außerordentliches hat ſich nicht zugetragen,“ verſetzte lachend der Baron, indem er ſich in einen Fauteuil niederließ.„Als wir den Ge⸗ neral die Treppen hinab begleiteten— Eugen war bei mir“—„Und führte die ſchöne Julie, wette ich,“ warf der Rittmeiſter dazwiſchen.— „Eben als ſie drunten in den Wagen ſteigen wollten,“ fuhr der Haus⸗ herr fort,„erſchien ein Reiter.“—„Ein langer Reiter, Graf Rieden, der Mann mit dem Blumenſtrauß,“ ſagte der Vicomte.—„Den der General aufs Freundlichſte empfing, wobei er von großer Freude und Ueber⸗ raſchung ſprach. Auch ich erneuerte eine alte Bekanntſchaft. Erinnerſt du dich noch, Julius, an den Waſſerfall von Terni?“ wandte er ſich an den dritten der Herren, der ſchweigend in die Flamme des Kamins ſchaute und jetzt mit dem Kopfe nickte.„Da ſah ich dieſen Graf Rieden und erinnerte mich ſeiner ſogleich. Nachdem drunten die erſten Begrüßungen vorbei waren, nöthigte der General den eben Angekommenen in ſeinen Wagen,


