12 Gefährliche Blumenſträuße.
Veſtibul nach dem Zimmer der Hausfrau, einem kleinen heimlichen Salon, welcher durch dicke Teppiche, die den Boden bedeckten, durch zugezogene Vorhänge von ſchwerem Seidenzeuge und durch ein flackerndes Feuer in dem zierlichen Kamin von polirtem Eiſen einen ſo angenehmen Gegenſatz zu der kalten Nacht bildete, daß Jeden, der von draußen hineintrat, ſchon auf der Schwelle ein behagliches Gefühl überſchlich.
Die Baronin von C., eine junge, ſchöne und heitere Frau, ſaß auf einem Divan, der ſich in der Ecke des Zimmers befand. Vor ſich hatte ſie einen Lichtſchirm und war ſo gedeckt vor den grellen Flammen des Kamin⸗ feuers, an welchem drei Herren ſaßen, von denen der Eine, eine kleine beweg⸗ liche Figur, etwas Komiſches erzählt haben mußte, denn die Baronin lachte ſo herzlich, daß man beide Reihen ihrer ſchönen weißen Zähne ſah. „Hören Sie auf, Vicomte!“ rief ſie luſtig,„man kennt Ihre Uebertrei⸗ bungen. Dort kommt George, der wird uns die nackte Wahrheit ſagen.“ —„Wenn er das thut, gnädige Frau,“ rief der Vicomte,„ſo werden Sie erfahren, daß ich mit keiner Sylbe übertrieben.“—„Von Allem, was ſich drunten zugetragen, ſollt ihr einen genauen Bericht haben,“ ſagte der Hausherr,„ich bin das ja meiner Frau ſchuldig.“ Damit ging er zu ihr hin, küßte ſte auf die Stirn und ſagte ihr leiſe:„Laß Eugen neben dir Platz nehmen.“ Sie ſah einen Augenblick fragend in das Geſicht ihres Mannes, dann aber preßte ſie die Lippen auf einander und ein leichter Schatten überflog ihre vorher ſo heiteren Züge. Sie hob haſtig ihre Rechte und reichte ſie dem Maler, der ſich darauf niederbeugte und die kleine Hand küßte.
Der Hausherr hatte ſich in dieſem Augenblicke zu den anderen Herrn an das Kamin geſtellt. Der Handkuß des Malers mußte übrigens von etwas Außerordentlichem begleitet geweſen ſein, denn die Baronin blickte faſt erſchrocken auf die ſeltſam glänzenden Augen des jungen Mannes, dann ſagte ſie heiter und luſtig, wobei aber ihre Stimme kaum merklich bebte:„Alſo endlich laſſen Sie ſich auch in meiner Nähe ſehen? den gan⸗ zen Nachmittag ſind Sie nur ſo herum geſchwärmt, bald hier, bald dort, und haben mich total vernachläſſigt. Zur Strafe dafür nehme ich Sie jetzt für mich in Beſchlag.“ Sie zog ihn ſanft auf einen kleinen Fauteuil nieder, der neben dem Divan ſtand.
„Das iſt eine ſchöne Strafe,“ meinte lachend der Vicomte,„und hätte ich das früher gewußt, ſo würde auch ich mich den ganzen Nachmit⸗


