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Von F. W. Hackländer. 11
wenig,“ murmelte Eugen.„Hätte ich denn im anderen Falle jenen Schritt nicht ſchon längſt gethan? Und doch redete ich mir ſelbſt Hoffnungen ein. O es war für mich ſo ſüß zu hoffen, ich fühlte wohl, was ich leiden würde, ſobald ich die traurige Gewißheit meines Unglücks hätte. Und jetzt habe ich ſie, und jetzt leide ich— furchtbar.“ Abermals lehnte er ſich gegen das Fenſter und blickte in die Nacht hinaus. Und wieder faßte der Baron ſeinen Arm, ihn ſanft emporziehend.„Laſſ' uns nicht hier ſtehen bleiben, Eugen,“ bat er mit bewegter Stimme.„Komm, gehen wir zu meiner Frau, ſie er⸗ wartet uns.“—„Aber ſie iſt nicht allein,“ ſprach Eugen.„Sieh mein Ge⸗ ſicht an; wie kann ich mich ſo vor Menſchen ſehen laſſen. Auch wäre es wohlthuend für mich, allein ſein zu können.“—„Im Gegentheil, Eugen,“ erwiderte der Baron,„ich kenne das; zwinge dich, für eine Stunde an un⸗ ſerer Unterhaltung Theil zu nehmen. Glaube mir, es iſt beſſer für dich, du wirſt doch nachher lange genug allein ſein.“—„Ja, ſehr allein!“ entgegnete der Andere mit einem tiefen Seufzer.—„Auch werden dich ein paar gute Freunde, die du in meinem Zimmer findeſt, nicht geniren. Aber, nimm dich zuſammen; weißt du, lieber Freund ,“ ſetzte er flüſternd hinzu, „man ſoll dich ruhig ſehen, man ſoll nicht ſagen, du ſeieſt wie ein Unglücklicher davon gerannt; man ſoll nicht über dich ſpotten.“—„Und wer weiß denn ſchon bei dir um die für mich fürchterliche Geſchichte?“—„Komiſche Frage! der Vicomte, der droben iſt, war auf der Treppe, als der Graf unten vom Pferde ſtieg. So ein Diplomat iſt neugierig; er war es ja auch, der ſchon unlängſt eine Anſpielung fallen ließ über eine projectirte Heirath im Hauſe des Generals. Wir lachten darüber.“—„Und du ſagteſt mir nichts davon?“ —„Ich verſichere dich, wir lachten darüber.“—„Und doch hatte er recht,“ ſprach Eugen mit tiefem Schmerze.“—„So ſcheint es; aber der kleine Vi⸗ comte hatte nun gewiß nichts Eiligeres zu thun, als meiner Frau die An⸗ kunft des Bräutigams mit großem Geräuſch zu verkünden, und daran würde er ohne Zweifel von ſeinen pikanten Bemerkungen reihen, wenn du, von dem man weiß, daß er noch eine Stunde dableiben wollte, plötzlich ver⸗ ſchwunden wäreſt.“— Eugen biß die Zähne feſt auf einander.—„Alſo komm und ſei verſtändig.“—„Vielleicht auch luſtig?“ fragte der Andere bitter,„geſprächig mit der Hölle im Herzen? doch ſei es darum. Was ich heute nicht thue, müßte ich morgen doch thun. Und darin haſt du recht: einen lauernden Blick oder das leiſeſte Wort des Spottes— bei Gott! ich ertrüg es nicht.“ Damit raffte er ſich auf, und Beide ſchritten durch das


