Jahrgang 
1 (1855)
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10 Gefährliche Blumenſträuße.

ſich von dem liebenswürdigen Wirthe, nicht ohne die herzlichen Worte, mit welchen ſie dies that, durch einen innigen Blick anderswohin zu dirigiren. Die Pferde zogen an, der Wagen rollte dahin.

Der Baron von C. trat zu ſeinem Freunde hin, der noch immer wie in tiefem Traume daſtand, faßte ſeinen Arm und ſagte mit weicher Stimme: Komm, Eugen, gehen wir hinauf. Sei ruhig, mein Freund; glaube mir, ich verſtehe deinen Schmerz. Ah! das iſt eine ſchreckliche Lage. Dar⸗ auf ſtiegen Beide ſchweigend die Treppen hinauf, und als ſie oben auf das Veſtibul kamen, ſchritt der Maler einem großen Fenſter zu, welches eine weite Ausſicht gewährte. Da lag vor ihnen in der Dunkelheit die Stadt mit einem weißen Nebelſchleier bedeckt, durch welchen die Lichter von den Straßen und aus den Häuſern hervorblitzten und ſich ausnahmen wie glän⸗ zende Stickereien. Hie und da leuchtete und blitzte es noch auf den Höhen, man ſah bald nah, bald fern ſprühende Schwärmer und hoch aufſteigende Raketen. Ringsum herrſchte noch Luſt und Freude, nur ein Herz, welches vorhin alles das noch ſo warm und glücklich mitempfunden, fühlte ſich jetzt kalt und elend. Eugen lehnte die brennende Stirn an die kühlen Scheiben, der Baron ſtand neben ihm und legte die Hand ſanft auf ſeine Schulter. Sei ruhig, Eugen, ſagte er.Wohl begreife ich, wie ſchwer dein em⸗ pfängliches Gemüth von dem Schlag getroffen wurde. Aber wenn er auch unerwartet kam, ſo mußteſt du doch darauf vorbereitet ſein. Wie oft ſpra⸗ chen wir darüber, wie oft ſagteſt du ſelbſt dies Ende deinem ſtillen Glücke voraus.O ja, das that ich, entgegnete der Andere mit zitternder Stimme,aber jetzt, wo ſich ſo plötzlich die fürchterliche Kluft vor meinen Füßen öffnet, jetzt iſt mir, als könne ich das Unglück nicht ertragen. O meine Julie! fuhr er ſchmerzlich fort, indem er ſein Geſicht mit beiden Händen bedeckte,ſo habe ich dich alſo verloren! O mein ſüßes Mädchen, ſo hat man dich alſo von mir weggeriſſen ohne Gnade und Barmherzigkeit! Nicht wahr? wandte er ſich haſtig an ſeinen Freund,das iſt auch deine Anſicht? Alles iſt für mich verloren.

Ich glaube, ja, mein armer Eugen, erwiderte ſanft der Baron von C.Nimm es auf wie ein Mann; geſtehe mir zu, daß du ſelbſt an einem guten Erfolg gezweifelt. Erinnere dich, wie oft wir dir ſagten, Eliſe und ich, in Gottes Namen einen verſuchenden Schritt zu thun, obgleich, ſetzte er beruhigend bei, als er ſah, daß der Andere ſich heftig gegen ihn umwandte, wir gewiß an ein Gelingen nimmermehr glaubten.Und ich ebenſo⸗