Von F. W. Hackländer. 9
er ſich die Lippen faſt blutig biß.—„Recht eilig, alſo ich verlaſſe mich auf Sie.“
Unterdeſſen hatte der vorhin Angekommene mit Julie und dem Haus⸗ herrn ebenfalls einige Worte gewechſelt, glücklicher Weiſe aber ſprachen ſie über die reizende Beſitzung, auf welcher man ſich gerade befand, und ſo war es der jungen Dame erlaubt, bei Erwähnung des Treppenhauſes auch mit großem Intereſſe die Bronzefiguren zu betrachten, neben welchen Eugen und der General ſtanden. Wie hatten ſich die Züge des jungen Mannes, die während des Feuerwerks noch ſo glücklich und heiter ſtrahlten, jetzt ver⸗ ändert! Wie zuckten ſeine Lippen, wie ſuchten ſeine Augen ihre Blicke, nachdem der General dem Maler die Hand geſchüttelt und ſich von ihm entfernte. Wie haſtig griff Eugen nach dem bronzenen Arm des Knaben, es ſchien, er müſſe etwas ſuchen, um ſich daran zu halten.
„Allons, Kinder!“ rief der General.„Wir haben unſeren liebens⸗ würdigen Wirth jetzt lange genug zwiſchen Thür und Treppe in der kühlen Nachtluft hingeſtellt, machen wir, daß wir nach Hauſe kommen. Und Sie, Graf, Sie fahren doch mit uns?“—„Wie könnte ich ohne gegründete Urſache eine ſolche Einladung ausſchlagen!“ entgegnete dieſer.„Doch ver⸗ zeihen mir Excellenz, ich muß es doch thun, denn ich habe mich warm ge⸗ ritten und geſtehe, daß ich mich in Ihrem offenen Wagen vor der kalten Nacht fürchte.“—„Und nicht mit Unrecht,“ ſagte der General.„Daran dachte ich wahrhaftig nicht.“—„In der Eile noch zeitig hieher zu kom⸗ men,“ fuhr der Andere lächelnd fort,„vergaß ich durch den Reitknecht meinen Ueberzieher mitnehmen zu laſſen, bedaure das aber jetzt aufs Schmerzlichſte.“—„Aber ich bitte Sie, beſter Graf!“ rief eifrig der Haus⸗ herr,„dem iſt ja augenblicklich abzuhelfen; darf ich Ihnen einen Paletot von mir anbieten? Ich hoffe, Sie werden mir das nicht abſchlagen, haben wir uns doch auch ſchon früher kleine Dienſte geleiſtet.“ In dieſem Augen⸗ blicke eilte auch ſchon einer der Bedienten, welche hinter den Herrſchaften auf der Treppe warteten, die Stufen hinan.„Du wirſt meinen weiten dicken Paletot vor meinem Zimmer finden!“ rief ihm der Hausherr nach; „ich habe ihn dort auf den Tiſch gelegt.“ Dann ſetzte er lächelnd gegen den Anderen gewendet hinzu:„Ich muß ſchon das weiteſte Kleidungsſtück geben, das ich habe, um die fehlende Länge zu erſetzen.“
Der Paletot, der augenblicklich gebracht wurde, erwies ſich übrigens als zur Genüge paſſend, der Graf wickelte ſich hinein, Julie verabſchiedete


