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54 8 Gefährliche Blumenſträuße.
„Erlauben Sie, beſter Graf, daß ich Sie dem Herrn dieſer gaſtfreien Villa, dem Baron von C. vorſtelle.“—„Mir ſcheint,“ entgegnete der Fremde lächelnd,„ich erneuere da auch eine Bekanntſchaft aus früherer Zeit.“— „So iſt es, Herr Graf,“ entgegnete der Baron,„wenn ich nicht irre, trafen wir in Italien zuſammen.“—„Ja, ganz recht, in Neapel.“—„Und an den Waſſerfällen von Terni?“—„Ahl das iſt wahr, Sie haben ein vor⸗ treffliches Gedächtniß.“—„Ich behalte manches,“ erwiderte lächelnd der
3 Hausherr. Und während ſich der General ſeinen Paletot umgeben ließ, 1 näherte ſich der Graf der jungen Dame, wobei der Hausherr nach ſeinem 4 Freunde ſchaute, der während des kurzen Geſprächs von vorhin unſichtbar 5 geworden war. Doch hatte Eugen die Treppe nicht verlaſſen, ſich nur hinter die bronzenen Lichtha lter zurückgezogen, und indem er den rechten Arm auf 5 einen der Träger ſtützte, hatte er die Stirn auf die Hand gelegt und blickte
nachdenkend zu Boden.
„Eugen!“ ſprach leiſe der Baron, und als Jener aufblickte, zeigte er ein bleiches, verſtörtes Geſicht.—„War denn nicht vorhin unſer Maler da?“ rief laut der General,„da hätte ich bald was vergeſſen, wo iſt Herr Eugen?“ Der Maler trat vor, der alte Herr hinkte ihm haſtig entgegen, faßte ſeinen Rockknopf und zog ihn ein paar Schritte abſeits.„Lieber Freund, Sie müſſen mir einen großen Gefallen thun.“—„Mit Vergnü⸗ gen, Herr General.“—„Sagen Sie das nicht, denn mein Verlangen iſt Künſtlern Ihres Nanges gerade nicht angenehm. Aber verzeihen Sie, ich kann mich nur an Sie wenden. Es betrifft das Bild, welches Sie von meiner Tochter gemalt haben; ich brauche davon eine Copie, eine kleine, zierliche Copie.“—„Eine zierliche Copie, Ereellenz; ich verſtehe.“— *„Nicht wahr, Sie verſtehen mich, Sie ſind ein verſtändiger junger Mann;
ich verſichere Sie, ich ſetze ein unbegrenztes Zutrauen in Sie. Es muß eine
Copie ſein in einem kleinen hübſchen Format, die man— Jemand zum Ge⸗ ſchenk machen kann.“„Einem Bräutigam zum Beiſpiel, Herr General,“ 5 ſagte der Maler mit leiſer, tonloſer Stimme.„Parbleu! Sie haben Recht,“ erwiderte lachend der General, ſetzte aber hinzu, indem er den Zeigefinger aufhob:„Das bleibt aber vor der Hand ganz unter uns.“ Der Maler verbeugte ſich, dann verſetzte er nach einer kleinen Pauſe:„Und wann wünſchen Sie, Herr General, daß ich die Copie anſange?“—„An⸗ fangen? Wenn Sie mich lieb haben, längſtens morgen, und beendigen ſo ſchnell wie möglich.“—„Ahl es iſt eilig,“ ſprach der Maler, indem


