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Von F. W. Hackländer. 77
ja traurig; die Göttin der Liebe ſoll heiter und glücklich ſein.“—„Ganz recht, Papa,“ erwiderte Julie,„das wollte ich auch ſo eben anführen, denn man ſagt, ihre Macht ſei groß, nichts könne derſelben widerſtehen.“ Dies ſprach das junge Mädchen mit einem innigen Blick auf Eugen, der ſich mit der Hand über die Augen fuhr und wie aus einem tiefen Traum erwachte. So ſchnell als möglich fuhren die Wagen vor, doch da der des Generals nicht der erſte in der Reihe war, ſo mußte die Gruppe noch einen Augen⸗ blick an der Treppe ſtehen bleiben, und gerade als ſeine Equipage vorfahren wollte, zeigte ſich unerwartet ein neues Hinderniß, ein Reiter nämlich, der im Jagdgalopp über den Hof daher kam und die Rampe hinaufritt, vor dem Treppenhauſe anhielt, und vom Pferde ſtieg. Draußen, wo es ziem⸗ lich dunkel war, ſah man nur ſeine lange Geſtalt, die ſich eilig der Treppe näherte und nun, als ſie in den Lichterſchein trat, vom General erkannt zu werden ſchien, denn dieſer machte ſich plötzlich vom Arme des Haus⸗ herrn los und rief freudig aus:„Beſter Graf, welch angenehme Ueber⸗ raſchung!“
Der alſo Angeredete, der ziemlich ſteif und förmlich näher trat, hatte ein langes, dünnes Geſicht, das zu der mageren Geſtalt vollkommen paßte; auch die Stirne war hoch und ſchmal, ja, ſo hoch, daß wenn man das ſorgfältig behandelte Haar anſah, man auf die Vermuthung kommen konnte, daſſelbe habe einſtens weiter hinabgereicht. Der Graf ſchaute im Kreiſe um⸗ her, machte eine leichte Neigung mit dem Kopfe und reichte dem General die Hand, welcher dieſer herzlich ſchüttelte.
„In der That eine liebenswürdige Ueberraſchung,“ wiederholte der General,„Sie erfuhren wohl in der Stadt, daß wir hier außen ſeien.“— „Allerdings,“ erwiderte lächelnd der Fremde,„und ich ſäumte nicht, mich ſo ſchnell wie möglich hieher zu begeben, will aber Ihre Rückfahrt, welche Sie ſo eben anzutreten im Begriffe ſind, nicht um eine Sekunde verzögern.“ —„Meiner Tochter werden Sie ſich noch erinnern,“ ſagte der General mit einer Handbewegung gegen Julie, welche ſich erröthend verneigte und die Augen niederſchlug, da ſie bemerkte, wie die Blicke des Grafen feſt auf ihr hafteten. Dieſer hatte ſich dem jungen Mädchen mit einer tiefen Verbeu⸗ gung genähert und verſetzte:„Wenn ich mich auch noch lebendig jener Zeit erinnere, wo ich das Glück hatte, Fräulein Julie zu ſehen, ſo muß ich doch eingeſtehen, daß ich Sie unter andern Verhältniſſen nicht wieder erkannt hätte.“


