Teil eines Werkes 
Band 2
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Feierſtunden. 1865.

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zu verhindern. Weiber und Kinder erhalten einen beſtimm⸗ ten Platz im Schiffsraume, woſelbſt ſie ſo lange bleiben, bis das Schiff auf hoher See angekommen iſt. Jetzt wendet man alles Mögliche an, ſie dem Trübſinne und der Gefühlloſigkeit zu entreißen, in welchen die meiſten die⸗ ſer Unglücklichen verfallen, die ſich oft die entſetzlichſten Vorſtellungen von ihrem künftigen Schickſale machen, und faſt immer dem Tod und der Aufopferung entgegen geführt zu werden fürchten. Erlaubt es die Witterung, ſo bleibt abwechſelnd immer eine Abtheilung der Neger auf dem Ver⸗ decke; Trommeln und Cymbalen werden herbei gebracht und verfehlen nur ſelten ihre Wirkung: Einzelne erheben ſich zum Tanze, Andere folgen, die Uebrigen widerſtehen nicht län⸗ ger, und bald tönen die Geſänge ihres Vaterlandes über die weite Fläche des Meeres hin, und alle Furcht, aller Kummer über die Gefangenſchaft iſt verflogen. Man er⸗ hält die Neger auf dieſe Art in beſtändiger Beſchäftigung, gibt ihnen ſo viel möglich die Nahrung, an die ſie gewöhnt ſind, räuchert und lüftet den Schiffsraum täglich aus, trägt für die höchſte Reinlichkeit Sorge, und ſchützt ſie beſonders gegen den ſchnellen Wechſel des Wetters. Strenge wird nur gegen die abſichtlich Widerſpenſtigen geübt, und beſon⸗ ders bei Nacht die Wachſamkeit verdoppelt, um ſie in ſteter Furcht zu erhalten. Tritt ſtürmiſche Witterung ein, und hält ſie einige Zeit an, ſo wird die Lage der armen Neger, die nun in einem engen, dicht verſchloſſenen Raume zuſam⸗ mengedrängt ſind, höchſt beſchwerlich, die verdorbene Luft erzeugt Krankheiten, und rafft Viele hinweg; iſt aber die Reiſe kurz und günſtig, ſteigt die Sterblichkeit nur ſelten über vier Prozent; dennoch langen die armen Neger, be⸗ ſonders die Kinder, mager wie Skelette am Ziele der Reiſe an. Sklavenhändler und reiche Pflanzer begeben ſich hier⸗ auf an die Schiffe, beſehen und unterſuchen die Ankömm⸗ linge, feilſchen um ſie, und bringen die Uebrigen nach dem Sklavenmarkte(Vallongo).

Die Sklavenhändler haben in der Rue Vallongo und Aljuba ſchöne große Gebäude, die zur ebenen Erde eigens zur Aufnahme der Sklaven eingerichtet ſind; die friſche See⸗ luft hat allenthalben Zutritt, und der Boden der Höfe und der Säle wird jeden Tag mehrere Male gewaſchen. Die Neger ſelbſt werden, ehe man ſie zum Verkaufe ausſtellt, einer beſonderen Behandlung unterworfen, deren Zweckmäßig⸗ keit eine vieljährige Erfahrung beſtätigt hat. Faſt in ſammt ſind ſämmtliche neuankommenden Neger von eine ihnen eigenthümlichen Ausſchlage befallen, an welchem An⸗ ſteckung, der Genuß von Salzfleiſch, oder auch die See⸗ luft ſchuld ſein mögen. Derſelbe liegt wie Schuppen auf ihrem Körper, bedeckt ihn ganz und gibt der Haut ein widerlich graues Anſehen, ſoll aber ihrer Geſundheit eher nützlich als ſchädlich ſein, und benachtheiligt auch keines⸗ wegs ihren Verkauf. Im Magazine angekommen, werden ſie nun durch Neger ihrer Nation gewaſchen, gebadet, Kopf⸗ haare und Bart geſchoren, ihnen allmählig beſſere Nahrung und eine gewiſſe Dreſſur gegeben, um ſich dem Kaufluſtigen beſſer vorſtellen zu können; auch mancherlei Toilettenkünſte werden angewendet, beiderlei Geſchlechter zu verjüngen, zu verſchönern, und körperliche Fehler dem ungeübten Auge geſchickt zu verbergen. Dann werden ſie nach ihren ver⸗ ſchiedener Stämmen und Geſchlechtern in die geräumigen Säle des Hauſes geführt und dieſe dem Publikum geöffnet. Der Anblick, der ſich bei einem Beſuche des Vallongo 6 fttt, beſonders nach der Ankunft eines großen Neger⸗ xportes, iſt in ſeiner Art merkwürdig und unterſcheidet ſim Grunde durchaus nur dadurch von einem Pferde⸗

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markte, daß er in Sälen betrieben wird, und man hier Geſchöpfe mit menſchlichem Aeußern und dort Thiere ver⸗ kauft, welche ſchon längere Zeit, unter der Hand eines ge⸗ ſchickten Meiſters befindlich, weit mehr Fähigkeiten zeigen, als die armen Afrikaner. Einheimiſche Sklaven, die durch Vergantungen zum Verkauf kommen, werden gleich den an⸗ dern zu verauktionirenden Gegenſtänden in beſonderen, meiſt geſchloſſenen Lokalen unter den Hammer gebracht, dort aber genau wie hier behandelt. Den Thüren gegenüber reihen ſich längs den Wänden des Saales niedere Bänke; dort ſitzen die männlichen, vor ihnen auf dem Boden und nach Landesſitte mit dem Leibe auf den Ferſen ruhend die weib⸗ lichen Neger, vor dieſen die Kinder beider Geſchlechter; der Kaufluſtige kann durch dieſe Eintheilung alle Anweſenden überſehen, und ſeine Wahl leichter treffen. Die Sklaven⸗ händler, welche aus Erfahrung wiſſen, welche Nationen in dieſen Gegenden Braſiliens beſonders geſucht ſind, bemühen ſich, in Afrika wo möglich nur von dieſen einzuhandeln. Sobald daher der Kaufluſtige die Nation nennt, von wel⸗ cher er Neger wünſcht, wird ihm eine Anzahl derſelben vor⸗ geführt, und nun beginnt die Prüfung ihrer körperlichen Eigenſchaften. Bei dieſer Prüfung wird ſo verfahren, als feilſchte man um ein Hausthier; die Käufer kennen eben ſo wenig, was Zartgefühl, als die Neger, was Scham⸗ haftigkeit iſt; man läßt ſie hin und her gehen, Arme und Beine mit Anſtrengung bewegen, um ſich von dem freien Gebrauche ihrer Glieder und ihrer Muskelkraft zu über⸗ gen, und erſt nach der ſorgfältigſten Unterſuchung beginnt der Handel, welcher nach Dobras(Dublonen, 15⸗Dollars⸗ ſtücken) geführt wird. Ein geſunder junger Neger wird nicht unter 15, eine junge Negerin um 12, Knaben und Mädchen um 9 Dobras verkauft, einheimiſche Neger da⸗ gegen oft um's Drei⸗ und Vierfache ausgeboten und noch höher geſteigert. Während dieſes Vorgangs bezeugen die Neger die größte Gleichgültigkeit, und folgen nach geſchloſ⸗ ſenem Handel mit demſelben Stumpffſinne ihrem neuen Herrn. Ihr Schickſal hängt gleich dem mancher Thiere von ihren körperlichen Vorzügen ab; ſind ſie ſchön und wohlgebaut, ſo werden ſie von wohlhabenden Stadtbewoh⸗ nern gekauft und mit ihnen die Zahl ihrer Dienerſchaft vermehrt oder ergänzt; ſind ſie häßlich oder unanſehnlich von Geſtalt, ſo werden ſie von armen Leuten oder Berg⸗

werksbeſitzern und Pflanzern gekauft, um ihr ganzes Leben

hindurch ſchwer zu akbeiten. Bei reichlicher Nahrung und ſchonender Behandlung erholen ſich die Neger unge⸗ mein ſchnell, und der Fremde erſtaunt mit Recht, Men⸗ ſchen, welche als wahre Skelette den Vallongo verließen, nach wenigen Wochen ſchon, von Körperfülle ſtrotzend, mit einer glänzend ſchwarzen, ſammtartigen Haut und lebhaf⸗ ten feurigen Augen wieder zu erkennen. Im Umgange mit ihren ſchwarzen Brüdern, die ſchon längere Zeit Sklaven ſind, überzeugen ſie ſich bald, daß ihr Loos keineswegs ſo unerträglich iſt, als ſie es ſich vorgeſtellt, als ſie gefürch⸗ tet; der ihnen beſonders eigene Frohſinn gewinnt die Ober⸗ hand; die Aehnlichkeit des Klima's, der Früchte und Lebens⸗ weiſe Braſiliens mit ihrem Vaterlande macht endlich, daß ſie ſich hier bald eingewöhnen und der Heimath nur noch in ihren Liedern gedenken.

Die Negerſklaven werden auf ſehr verſchiedene Weiſe zum Erwerbe angehalten, und von ihrer größeren oder ge⸗ ringeren Thätigkeit hängt, mit nur wenigen Ausnahmen, die Verbeſſerung oder Verſchlimmerung ihrer Lage und ihres Schickſales ab. Dadurch, daß man ſich der Neger ausſchließlich bedient, Laſten aller Art fortzuſchaffen und