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ereignete ſich kein ſolches Unglück. Täglich ſah ich Schiffe mit eingezogenen Segeln ungefährdet vorüber fahren und muthig ihren Weg durch die zornige See kämpfen; und allnächtlich antworteten meine Leuchtfeuer dem freundlichen Scheine von Nord und Süd, deren warnende Zeichen an der gefährlichen Küſte nicht nutzlos brannten. Inzwiſchen wurde ich meines Amtes herzlich müde. Ich hatte einige Skizzen vollendet und durch Fleiß und Uebung in der Far⸗ bengebung Fortſchritte gemacht, und zeigte deßhalb, da mir die Einſamkeit unerträglich geworden war, meiner vorgeſetz⸗ ten Behörde an, daß ich entſchloſſen ſei, meine Stelle nie⸗ derzulegen, und daß ich ſie verlaſſen würde, ſobald ein Nachfolger ernannt worden.
An einem düſteren, ſtürmiſchen Herbſttage, während die Wolken in wilder Flucht über den drohenden Horizont zogen und die Wellen dumpf rollten, ſtieß ich auf einem einſamen Spaziergange plötzlich auf zwei Männer. Sie ſtanden in einer kleinen Vertiefung zwiſchen zwei Sand⸗ hügeln und blickten auf die See hinaus. Inſtinktmäßig folgten meine Augen der Richtung der ihrigen, und ich ſah ein großes Schiff, mit eingerefften Marsſegeln und dem Bug nach Süden gekehrt, ſchwankend und unſicher die Küſte entlang fahren. Der Wind war ihm entgegen, und nur durch fortwährendes Laviren konnte es langſam vorwärts kommen. Die beiden Männer am Ufer, welche mich nicht bemerkten, da der weiche Sand unter meinen Fußtritten kein Geräuſch verurſachte, ſprachen ungenirt und laut mit einander.(Siehe Bild auf S. 557.)
„Da, es lavirt ſchon wieder mit dem Backbord,“ ſagte der Jüngere und Größere von Beiden;„ſo wird ſich's herum ſchlagen bis zur Nacht und nicht zehn Kabel weit vorwärts kommen.“
„Die Bucht von Ocracock kann es bei dieſem Winde, der wahrſcheinlich noch ſtärker wird, unmöglich erreichen,“ bemerkte der Aeltere mit ſanfter Stimme, an der ich Daddy Brown erkannte.„Der Schiffer muß die Küſte nicht ken⸗ nen, und ehe die Nacht anbricht, wird der Narr am Ufer feſtſitzen.
„Nicht übel wäre es, wenn es innerhalb unſerer Gren⸗ zen an das Ufer ſtoßen ſollte!“ rief der Jüngere, Japhet Brown.„Schwer beladen iſt es; der Fang wäre ſchon eine naſſe Jacke werth. Solche Beute iſt uns nicht in die Hände gekommen, ſeit—“
„Still!“ flüſterte warnend der Vater, welcher ſich gerade umgedreht und mich bemerkt hatte,— es ſind Ohren in der Nähe!“
Japhet wurde roth und machte eine ſehr finſtere Miene, als ich den Sandhügel hinab ſtieg und ihn und ſeinen Vater begrüßte. Deſto freundlicher war jedoch der Letztere.
„Freut mich, Euch wieder einmal zu treffen, Briti⸗ ſcher, ſagte er;„habe Euch ſeit zwei Monaten nicht geſehen!“ Schlechtes Wetter heut!“
Unſere Unterhaltung währte nicht lange, und wir trennten uns bald. Aber als ich bereits meiner Wohnung nahe war, vernahm ich mit nicht geringem Erſtaunen Je⸗ manden hinter mir keuchen, und ſah Japhet heran kommen.
„Mein Vater läßt Euch ſagen,“ ächzte er,„daß es ihm große Freude machen würde, wenn Ihr heute Abend nach Fruit Creek kommen wolltet. Die Mädchens haben Gäſte geladen, um Nüſſe und Kaſtanien zu ſchälen und aufzuziehen. Es werden viele Nachbarn kommen, Männer und Frauenzimmer, und wir wollen Spiele haben und ein
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Feierſtunden.
1864.
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Nachteſſen, das für einen Präſidenten nicht zu ſchlecht wäre. Wollet Ihr kommen?“
Wäre ich meiner Neigung gefolgt, ſo würde ich die Einladung abgelehnt haben; allein ich mochte nicht beleidigen und wußte, daß meine Weigerung einem gewiſſen Stolze zugeſchrieben werden würde, und nahm ſie deßhalb an.
„Das iſt recht, Freund!“ ſagte Japhet, tief Athem holend.„Ich haſſe jeden Burſchen, der ſtolz iſt. Ja, wir könnten gute Geſchäfte mit einander machen, und es würde Euch mehr einbringen, als Euer lumpiger Gehalt ausmacht, wenn Ihr nur wüßtet, welche Seite Eures Brodes mit Butter beſtrichen iſt.“
„Was meint Ihr?“ fragte ich.
Japhet wandte ſich lachend um und erwiederte nur:
„Laſſet's nur ſein, und vergeſſet nicht zu kommen. Die Gäſte verſammeln ſich um ſechs Uhr, alſo nicht ſpäter!“
Im nächſten Augenblicke war er fort. Ich ging auch nach Hauſe, und als ich an der Thür noch einmal zurück⸗ blickte, gewahrte ich das Schiff ungefähr eine Meile vom Ufer entfernt. Obgleich es bereits ziemlich dunkel war, konnte ich doch ſehen, daß es nur langſam vorwärts kam, während der Sturm mit jedem Augenblicke loszubrechen drohte. Ich ſtieg die Leiter hinauf, ſtellte meine Lampen zurecht, zündete ſie mit der gewöhnlichen Sorgfalt an, und ſetzte mich dann nieder, um einige Zeit zu leſen. Um halb ſechs Uhr kleidete ich mich an, nahm meinen Mantel, warf noch einen Blick auf das Leuchtfeuer und ging. Es war das erſte Mal, daß ich den Thurm verließ, während das Feuer brannte.
Ich hatte einen langen und beſchwerlichen Weg nach Fruit Creek, denn der Wind heulte und der Mantel flat⸗ terte um meine Schultern und zerrte an mir, als wollte er mich zurückhalten, während mein Fuß in den Sand⸗ hügeln oft ſtrauchelte. Dabei herrſchte tiefe Dunkelheit, und der Regen, mit Schnee vermiſcht, ſchlug mir in das Geſicht. Nach dieſer mühevollen Wanderung am Meeres⸗ ufer gewährte mir Brown's Haus mit den hell erleuchteten Fenſtern und der bunten Verſammlung von Männern, Frauen, Mädchen und Kindern einen freundlichen Anblick. Scherz, Lachen und Heiterkeit herrſchten in dem munteren Kreiſe. Ein endloſer Contretanz wurde von mindeſtens zwanzig Perſonen ausgeführt, mit ſehr geräuſchvoller Be⸗ gleitung von klatſchenden Händen und ſtampfenden Füßen, und dann folgten Geſang und geſellſchaftliche Spiele. Zu jeder anderen Zeit würde es mir Vergnügen gemacht haben, dem fröhlichen Treiben zuzuſehen, allein an dieſem Abende befand ich mich in einer ſehr gedrückten Stimmung, und mein Herz war ſchwer. Eine trübe Ahnung beſchlich mich, der ich nicht widerſtehen konnte, ſo ſehr ich mich auch be⸗ mühte, meine Mißſtimmung zu verbergen. Der alte Brown war ſehr erfreut über mein Kommen, und nicht minder Japhet, aber es entging mir nicht, daß die Frau des Hau⸗ fes mich mit etwas ſcheuen Blicken betrachtete. Auch fiel mir auf, daß, obgleich die drei Töchter mit einem Eifer tanzten, als hinge ihr Leben davon ab, die beiden jüngeren Söhne abweſend waren.
„Sie ſind nach dem Feſtlande hinüber gefahren, um Enten zu ſchießen,“ erwiederte der alte Brown auf meine Frage nach ihnen;„ehe es zu Tiſche geht, werden ſie zu⸗ rück ſein, Britiſcher.“
Ich lehnte es ab, am Tanze Theil zu nehmen, und begnügte mich eine Zeit lang damit, Zuſchauer zu ſein. Allein das Geigen, Lachen und Schreien that auf die Dauer
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