Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
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548 Feierſtunden. 1864.

ter einander ſelbſt find die Eingeborenen verſchiedener Stämme, wenn gerade keine Urſachen zu Feindſeligkeiten unter ihnen obwalten, beim Zuſammentreffen ungemein auf⸗ merkſam und höflich. Die artigſten Begrüßungen werden dabei gegenſeitig ausgetauſcht. Jeden Augenblick hört man die Bezeichnungen:Vater, Mutter, Sohn, Bruder, Schwe⸗ ſter, und es kommt auch bald zu Umarmungen und Küſſen. Auch ihre Kinder haben ſie ſehr lieb, ſpielen oft mit ihnen und hätſcheln ſie. Nur eine Schattenſeite zeigt ſich in ihrem Charakter: daß die Männer nur ſelten eine beſondere Zu⸗ neigung gegen die Frauen zu erkennen geben; ſie nur als Laſtthiere betrachten und behandeln; ſie oft wochen⸗ und monatelang gleichgültig, ohne Abſchied zu nehmen, verlaſ⸗ ſen, und mit gleicher Kälte zu ihnen zurückkehren, ſich ruhig und ohne zu ſprechen hinſetzen, und dabei ausſehen, als ob

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bringen friſche Waffen herbei, und feuern durch ihr Geſchrei die Männer zum Kampfe an; nie aber hat man gehört, daß bei ſolchen Fehden die ſiegende Partei Weiber und Kin⸗ der des Feindes gemordet hätte. Blutiger als offene Kämpfe im freien Felde ſind die Ueberfälle, bei welchen feindliche Parteien einzelne Lager des Nachts im Schlafe überfallen, und dann alle Männer unbarmherzig tödten, Weiber und Kinder aber mit ſich fortſchleppen.

Kommen zwei oder mehr Stämme um einer Feſtlich⸗ keit willen zuſammen, ſo erſcheinen die Männer zwar auch in kriegeriſcher Haltung, mit Wurfſpießen und Schildern, nähern ſich aber einander friedlich und ſetzen ſich ſogleich auf den Boden nieder. Sind einzelne Fremde darunter, ſo werden ſie von den älteren Männern förmlich vorgeſtellt und nach Abſtammung und Wohnplatz beſchrieben. Hierauf

ſie keinen Augenblick von den Ihrigen getrennt geweſen unterhält man ſich über Alles, was gegenſeitig intereſſiren wären. kann, namentlich über Gegenden, wo die meiſten Lebens⸗

Sämmtliche Eingeborene Auſtraliens führen ein herum⸗ mittel zu finden ſind, und es erfolgen von beiden Seiten ſchweifendes Zigeunerleben. Selten verweilen ſie mehr als Einladungen an Verwandte und Freunde, dahin zu kommen. einige Wochen, oft auch nur wenige Tage an einem und Auch die Verhältniſſe verſchiedener Stämme zu einander demſelben Orte. Die Anzahl der einzelnen Perſonen einer werden beſprochen, und man berathſchlagt ſich über das Wanderhorde hängt größtentheils von der Jahreszeit und Verhalten gegen feindlich geſinnte Stämme; die Frauen den Nahrungsmitteln ab, welche ſich eben auffinden laſſen. ihrerſeits unterhalten ſich über Familienangelegenheiten, Hei⸗ Iſt eine beſondere Art häufiger als eine andere, oder kann rathen, Geburten, Todesfälle ꝛc., und am Abend bauen die man ſich dieſelbe nur an gewiſſen Stellen verſchaffen, ſo verſchiedenen Stämme ihre Hütten ſo nahe als möglich neben

begibt ſich in der Regel der ganze Stamm dahin; iſt dies einander, jeder Stamm aber ſtets nach der Seite hin, von aber nicht der Fall, ſo zerſtreuen ſie ſich ſtets in einzelne welcher er gekommen iſt. Die Größe und Beſchaffenheit Gruppen, oder verbreiten ſich familienweiſe über ihren gan- der Hütten hängt dabei von der Jahreszeit und der Gegend zen Bezirk. ab. Iſt das Wetter ſchön, ſo enthält jede Hütte zwei bis

Zu gewiſſen Jahreszeiten, gewöhnlich im Frühling oder fünf, bei ſchlechter Witterung auch mehr Familien, doch b Sommer, wenn reichliche Nahrung vorhanden iſt, verſam⸗ hat jede Familie ihren eigenen Feuerplatz; und ehe man ſich meln ſich mehrere Stämme auf gegenſeitigen Gebieten, ent⸗ zur Ruhe begibt, unterhält man ſich noch mit verſchiedenen V weder um Feſtlichkeiten zu begehen, oder Krieg zu führen, Beluſtigungen, beſonders mit Geſang und Tanz.

oder um Nahrungsmittel, Kleider, Waffen und Geräthſchaf⸗ Eigentliche Kriegstänze, wie die nordamerikaniſchen In⸗ ten auszutauſchen, oder auch um gewiſſen feierlichen Ge⸗ dianer, haben die Eingeborenen von Auſtralien nicht, ob⸗ V bräuchen beizuwohnen, welchen ſich junge Leute in beſtimm⸗ ſchon ſie bei manchen Tänzen in kriegeriſcher Haltung er⸗ ten Abſchnitten ihres Lebens unterwerfen müſſen. Bei⸗ ſol⸗- ſcheinen und mit Waffen verſehen ſind. Bei vielen Tän⸗

chen Verſammlungen kommen auch die allgemeinen Ange⸗ zen iſt die Hauptſache die Nachahmung von Thieren, und . zee. 23.1 7 4 legenheiten jedes Stammes zur Sprache. Hat man ſich namentlich wiſſen die Umwohner des Victoria⸗See's, im

lange nicht geſehen, und ſind während der Zeit merkwür⸗ Süden Auſtraliens, die Bewegungen, Sprünge und Gewohn⸗ dige Todesfälle eingetreten, deren natürliche Urſachen man heiten der Kängurus, in ihren Tänzen ſehr geſchickt und nicht zu erklären vermag, und daher den Zauberern benach⸗ natürlich darzuſtellen. Die ſogenannte Muſik zu den barter Stämme zuſchreibt, beſchließt man gemeinſchaftlich Tänzen iſt die primitivſte, die man ſich vorſtellen kann, Rache dafür zu nehmen, und berathſchlagt über die Art und beſteht oft nur in dem Zuſammenſchlagen zweier Stöcke, V

und Weiſe der Ausführung. Soll eine Verſammlung oder in dem Schlagen auf ein zuſammengerolltes trockenes zum Behuf eines Krieges ſtattfinden, ſo wird von einer der Thierfell, was einen dumpfen Ton wie von einer Trommel beiden Parteien eine paſſende Stelle dazu auserſehen, und hervorbringt. In der Regel wird nur des Abends und in die andere Partei davon benachrichtigt. Beide Theile finden der Nacht getanzt; doch gibt es auch Tänze bei Tage, und ſich hierauf ein, und ſtellen ſich in zwei Reihen einander dieſe ſcheinen mit gewiſſen Feierlichkeiten und abergläubiſchen gegenüber. Gewöhnlich geſchieht dies entweder bei Tages⸗ Gebräuchen in Verbindung zu ſtehen. Gewöhnlich tanzt

anbruch oder gegen Sonnenuntergang, weil das mildere gleichzeitig nur der eine von den verſammelten Stämmen, Licht um dieſe Zeit die Augen nicht blendet, und man den wärend der andere, ſowie die Frauen, in einem Halbkreis 6 Wurfſpießen leichter ausweichen kann. Beide Parteien ſind als Zuſchauer herum ſitzen und von Zeit zu Zeit ihren Bei⸗ mit Spießen, Schilden und andern Waffen verſehen, und fall laut zu erkennen geben. Es gibt übrigens auch gewiſſe das Gefecht dauert oft drei bis vier Stunden, während Tänze, welche nur von den Frauen ausgeführt werden. welcher Zeit kaum ein Wort geſprochen wird, und nur dann Eben ſo einfach und roh wie die Tänze und die Mufik und wann ein Schrei zu hören iſt, wenn einer verwundet der Eingeborenen ſind auch deren Geſänge, welche ſelten wird. Meiſt gibt es auf beiden Seiten eine Menge zum aus mehr als einer oder zwei Strophen beſtehen, die unauf⸗ Theil faſt ſchwer Verwundeter, ſelten aber, ſelbſt wenn hörlich wiederholt werden. Es ſind Erzeugniſſe des Augen⸗ mehrere Hunderte im Kampfe begriffen ſind, mehr als zwei blicks, und beziehen ſich meiſtens auf etwas, das vor Kur⸗ oder drei Todte. Bei allen ſolchen Fehden ſind die Män⸗ zem allgemeine Aufmerkſamkeit erregt hat, auf die Anſied- ner verpflichtet, nicht nur ihren Blutsverwandten, ſondern ler und Einwanderer, ihre Lebensweiſe ꝛc. Zeitmaß und allen Gliedern ihres Stammes beizuſtehen. Auch Weiber Ton richten ſie nach dem Gegenſtande: zum Tanze wird V und Kinder finden ſich zuweilen bei ſolchen Kämpfen ein, laut, luſtig und ſchnell geſungen; Trauergeſänge ſind wild