Teil eines Werkes 
Band 2
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Feierſtunden. 1864.

daß die entehrte Tochter kein anderes Brautbett erwarte,

als die Mutter Erde. Heilige Jungfrau Maria, wie traurig du redeſt!

Wenn dir irgend ein Makel anklebt, ſo muß er erlöſchen,

ſobald Julian dich heirathet..

Das iſt unmöglich, Joachim! Man muß die Spinne tödten, wenn ſie nicht mehr weben ſoll.

Agueda, bedenke doch, daß er in Verzweiflung iſt!

So haben wir beide ein gleiches Loos! verſetzte das arme Mädchen.

Sei verſichert, daß er dich nie vergißt, denn dafür will ich gut ſein! fügte Joachim hinzu, ſich mit furcht⸗ barer Gewalt auf die Bruſt ſchlagend.

Ich glaube es wohl, erwiederte Agueda,die Ver⸗ geſſenheit kömmt nicht plötzlich wie ein böſes Fieber; aber man ſagt auch, daß die Erinnerung ſich auf dem Wege zum Grabe verliere und oft mit dem Gegenſtande, auf den ſie ſich bezog, zugleich in das Grab gelegt werde.

Was heißt das? Willſt du etwa ſterben? fragte der Schenkwirth erſtaunt.

Siehſt du nicht, in welchem Zuſtande ich mich befinde? fragte die Kranke.

Betroffen ſtarrte ſie Joachim an und ſagte end⸗ lich mit der rauhen Offen⸗ heit eines Landmannes:

Freilich, ſehr wohl ſiehſt du nicht aus; aber glaube mir, obgleich das Sprüchwort ſagt, daß der Bruder ſeine Schweſter und der Mann eine geſunde Frau liebe, ſo iſt Julian doch ein braver Junge und wird nie eine andere Braut haben wollen, als dich. Wenn du ſo grauſam ſein kannſt, zu ſterben, ſo wird es zwiſchen Julian und ſeinem Vater eine Scene geben, die nicht ſehr zärtlich ſein kann. Du wirſt es hören, du wirſt es hören, du wirſt es ſehen!

Ich werde nichts ſehen, erwiederte Agueda,wenn es auch wirklich geſchehen ſollte. Aber ſage Julian, daß es zu nichts nützen könne, denn nur Gott vermöge die Todten wieder zu erwecken.

Ich gehe, ſagte Joachim, ſich der Thüre nähernd, ich gehe, um dich nicht mehr vom Sterben ſprechen zu hören. Du ſiehſt heute aus wie ein De profundis. Höre, Agueda, ich bin kein Advokat, wenn auch Julian mich vielleicht dafür hält, und habe weder zu jeder Zeit einen Scheffel mit Gründen bereit, wie dieſe Herren, noch eine Zunge, die ſo ſchnell und geläufig iſt wie die Schlagräder eines Dampfbootes; aber ich will dir einen Rath geben. Lege alle deine Bedenklichkeiten bei Seite und komme heute Abend an das Fenſter. Du wirſt dich mit ihm verſtändi⸗ gen und ſehen, daß du dich beſſer danach befindeſt, und Julg wird mich endlich in Ruhe laſſen. Alſo, Adieu!

ach dieſen Worten kehrte er ihr den Rücken und eilte

nicht viel kleiner.

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mit zwei Schritten über den Hof. Aber plötzlich blieb er ſtehen, kam auf dieſelbe Weiſe zurück und ſagte zu Agueda:

Ich vergaß, dir von Julian zu ſagen, daß du ihm die Nelke geben möchteſt.

Antworte ihm, entgegnete das junge Mädchen,die Nelke, welche es an der Bruſt trug, verbergend, daß der Januar keine Nelken erzeuge.

Sie hat Recht, murmelte Joachim.Aber einen ſchönen Auftrag hat er mir gegeben! Ich glaube, er hat ſich einen Spaß mit mir machen wollen, wie er es früher ſo oft gethan.

Kaum war er fort, als Agueda ſich ſchluchzend auf das Bett warf. Ihre gewaltſamen, ſortwährenden An⸗ ſtrengungen, die Liebe ihres Herzens zu bekämpfen, die lange Haft ihres Vaters, die Erblindung der Großmutter, das Elend, in welchem ſie mit ihr, nur auf Almoſen an

gewieſen, ſo lange gelebt, hatten dieſe zarte Pflanze derge⸗ ſtalt entkräftet, daß ſie endlich gebrochen zu Boden ſank. Allein bei dem ehemaligen Alcalde war das Unglück

Abgeſehen von den furchtbaren körper⸗ lichen Leiden, welche ſeine Kräfte verzehrten, hatte er durch ſeine Handlungsweiſe die Liebe des einzigen Sohnes ver⸗ loren; und wenn gleich dieſer ihm nicht die ſchuldige Ehr⸗ erbietung verſagte, ſo erzeugte ſeine Kälte doch eine ſolche Entfernung zwiſchen ihnen, daß er nur noch dem Namen nach ſein Sohn war.

VIII.

Simon hatte den Schmerz, ſeine arme Eſelin, welche zum zweiten Mal verkauft worden war, in Folge der Miß⸗ handlungen ihres neuen Herrn verenden zu ſehen. Wie viel