Teil eines Werkes 
Band 2
Seite
303
Einzelbild herunterladen

wie noch in vielen Büchern geſchieht, iſt eine der äl

Feierſtunden. 1864. 303

erhalten, darin, daß ſämmtliche Baiern und Schwaben, die in ſeinem Dienſte ſtanden, in derſelben Nacht, da Beatrice ſtarb, Hof und Heer des ſchuldbelaſteten Mannes in tief⸗ ſter Entrüſtung verließen. 1

Vernichtet, entthront ſtand Otto am Lager der blaſſen jugendlichen Leiche. Friedrich II., der Hohenſtaufe, wurde Herr des Reiches. In fruchtloſem, hartnäckigem Kampfe, von Unglücksſchlägen aller Art verfolgt, rieb Otto ſeine Manneskraft auf und ſtarb, erſt in der Todesſtunde vom Banne entlaſtet und mit dem Troſte der Sakramente ver⸗ ſehen, nur 43 Jahre alt auf der Harzburg am 19. Mai 1218.

Beatrice ruht zu Merſeburg im Dome. eiufache Grabſchrift lautet: Die weiße Roſe. ſchöne Tochter.

Die alte, Der ſchönen Mutter

Damals Scholl Dein Sterben weit umher und tauſend Liebesthränen floßen Dir; die Sänger Knüpften Roſen, Lilien und Cypreſſen Mit der weichſten Töne Band zuſammen, Zu beklagen Dich und Deiner Sonne Niedergang zu ſingen!

Heirathen in den Vereinigten Staaten.

Ein Eiſenbahnzugführer im Staate Maine, ohne Zwei⸗ fel allzuſehr beſchäftigt, um einen Tag für ſeine Verehe⸗ lichung abzubekommen, ließ ſeine Braut und einen Geiſt⸗ lichen in einen der Wagen kommen, und hier wurde, während die Lokomotive davonbrauste, die Ceremonie vollzogen. Ein noch originellerer Fall kam 1855 in Virginien vor. Das Brautpaar mußte über einen Fluß ſetzen, um zu dem Geiſtlichen zu gelangen. Allein der Strom war durch Re⸗ gengüſſe ſo angeſchwollen, daß es unmöglich war, hinüber oder herüber zu gelangen. Man rief alſo den Leuten am jenſeitigen Ufer zu und ſetzte ſie von dem Begehren in Kenntniß; der Pfarrer erſchien am Ufer. Der Bräutigam faltete die Legitimationspapiere zuſammen, band ſie an einen Stein und ſchleuderte denſelben hinüber zu dem Pfarrer. Dieſer las dieſelben, wechſelte die gewöhnlichen Fragen und Antworten, und ſegnete dann das heirathsluſtige Paar nach den Gebräuchen der Kirche über den Fluß herüber ein. Dergleichen ſeltſame Heirathen haben jede bürgerliche Gel⸗ tung.

gemeint, werfen ein trauriges Licht auf die geringe Achtung, deren das Band der Ehe dort genießt. Unter andern Thor⸗ heiten haben ſich junge Amerikaner ſchon damit unterhalten, Mock⸗ oder Scherz⸗Heirathen einzugehen. Wenn zwei Per⸗ ſonen, ohne ernſtliche Nebenabſichten, nichts deſto weniger alle dazu gehörigen Formalitäten zum Zeitvertreib durch⸗ machen, ſo ſind ſie wirklich und der That nach durch ein legales Band vereinigt. Ein ſolcher Fall kam 1857 in Pennſylvanien vor. Miß J. und Mr. B. waren in einer Geſellſchaft; dieſer bat um ihre Hand; ſie ward zugeſagt; zur Fortſetzung des Scherzes begaben ſie ſich zu einem be nachbarten Geiſtlichen und knüpften den ehelichen Knoten feſt. Als das Mädchen wieder etwas zur Beſinnung ge⸗ kommen war, empfand ſie durchaus keine Luſt, die Schein⸗ ehe aufrecht zu erhalten. Aber der Bräutigam nahm die Sache jetzt ernſthafter; das Mädchen mußte auf Scheidung antragen, um den Folgen ihres Leichtſinns zu entgehen.

Andere excentriſche Verehelichungen, nicht im Ernſte

Der Fall ſteht nicht vereinzelt da, und jedesmal wurde auf Scheidung erkannt. B e.

Die Rathedrale von Reims.

Reims(ſprich: Rängß), nicht Rheims geſcrißen,

eſten und berühmteſten Städte Frankreichs, und die größte, wenn auch nicht die Hauptſtadt des Departements Marne, das eeine wellenförmige Ebene ohne alle Berge umfaßt und faſt zur Hälfte aus ganz ſterilem, dürrem, von nur wenig Erde bedecktem Kreideboden(la Champagne pouilleuse) beſteht,

auf welchem nichts als Wein gedeiht, deſſen Anbau den

Hauptkulturzweig der Bewohner bildet und das Departe⸗ ment zum Vaterlande der berühmteſten Champagner⸗ weine macht, von denen Verzenay, Mareuil, Dizy und Pierry den Rothen, Sillery, Ay, Pierry, Epernay und Dizy dagegen den Weißen in Handel bringen. Reims ſelbſt, das alte Durocortorum der Römer, liegt in einer, von ſanften Hügeln umgrenzten kleineren Ebene, am rech⸗ ten Ufer der Vesle, und zählt an 4000 Häuſer und mehr als 40,000 Einwohner, die große Wollenwaarenfabriken, beſonders in Kaſchmirs und Shawls, Baumwoll⸗, Seifen⸗ und Lederfabriken unterhalten, und mit dieſen Artikeln, ſo⸗ wie mit Wein und getrockneten Birnen und Pfefferkuchen,

die beide in hohem Rufe ſtehen, einen anſehnlichen Handel

betreiben. Die alterthümliche, früher befeſtigte Stadt hat eine reizende Umgebung, und außer den angenehmen Spa⸗ ziergängen, welche die früheren Wälle bieten, gewährt der Cours vor der Stadt eine der ſchönſten Promenaden. Für wiſſenſchaftliche und geiſtige Bildung iſt in Reims mehr geſorgt, als in andern Städten des Departements, und außer einem College, einer mediziniſchen Schule, einem bo⸗ taniſchen Garten, einem Muſeum und einer öffentlichen Bibliothek, beſteht eine Akademie der Wiſſenſchaften, ein unter dem Erzbiſchof ſtehendes theologiſches Seminar, und zahlreiche öffentliche und Privatlebranſtalten. Innerhalb wie außerhalb der Stadt finde⸗ noch viele römiſche Alterthümer, unter denen ſich drei Arkaden mit acht korinthiſchen Säulen beſtehe numpybogen beſon⸗ ders auszeichnet; von den öffentlichen Plätzen der Stadt iſt der Kön gsplatz, mit der Statue Ludwigs XV., den die großartigſten Häuſer umgeben, hauptſächlich zu bemerken, und von ſehenswerthen Gebäuden, außer dem alten Rath⸗ hauſe mit ſeinem herrlichen Portale, und dem hydrauliſchen Werke am Fluſſe, welches das Waſſer aus der Vesle auf einen Thurm hebt und von da in die Stadt vertheilt, eine