Teil eines Werkes 
Band 1
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die Abſicht hatte, den Seinigen Nachricht von der bevor⸗

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feſt und führte ihn zum Alcalde. Der arme Mann war beſtürzt.

Jetzt wird es gut gehen, dachte er;man wird den Rebellen finden, und ich bin verloren! Meine arme Tochter! meine Mutter! Guter Gott, was werde ich bei ihren Thränen ausſtehen.

Simon, ſagte der Alcalde, als unſer guter Mann vor ihm ſtand,ich habe den Auftrag erhalten, Nachfor⸗ ſchungen zur Entdeckung eines Aufrührers anzuſtellen, wel⸗ cher ſich in der hieſigen Gegend umhertreiben ſoll. In der vorigen Nacht haſt du einen Mann in deinem Hauſe verborgen; wer war es?

Ich habe Niemand in meinem Hauſe verborgen, entgegnete Simon und ſprach die Wahrheit. 3 4

Gib wohl Acht, fuhr der Alcalde fort,ich werde Hausſuchung bei dir anſtellen, und wenn du bei deinem Läugnen beharrſt und man findet Jemand, ſo wirſt du als Hehler und Mitſchuldiger beſtraft werden.

Angſtvoll ſchaute ſich Simon nach allen Seiten um und wußte nicht, was er antworten ſollte, als er Julians Blicken begegnete, welcher ihm beruhigend zulächelte und ſich gleich darauf entfernte. Er kannte die edeln Geſin⸗ nungen des jungen Mannes und errieth deshalb, daß er

ſtehenden Hausſuchung zu geben und den verborgenen Re⸗ bellen heimlich entfliehen zu laſſen. Unter dieſen Umſtän⸗ den war es wichtig, Zeit zu gewinnen. Eine ruhige Miene deshalb annehmend, ſagte Simon zu dem Alcalde:

Ich bin in der That ganz betäubt, denn es iſt, wie Ihr wiſſet, das erſte Mal, daß ich mich in den Händen der Gerechtigkeit befinde. Seid Ihr auch jemals in Haft geweſen, Sennor Alcalde?

Was ſoll dieſe Frage bedeunten, Simon? erwiederte letzterer zornig.Glaubſt du, daß ein Mann wie ich ſich eines Vergehens ſchuldig machen könnte, welches eine Ver⸗ haftung verdiente?

Aergert Euch nicht! Es gibt heutzutage Manchen, der ſtolz einhergeht und doch ſchon im Zuchthauſe geweſen iſt. Man könnte Euch ja aus Verſehen eingeſteckt haben, wie jetzt zum Beiſpiel mich, Euren gehorſamen Diener.

Simon, rief der Alcalde noch zorniger,höre mit deinen Spöttereien auf, denn ſie paſſen hierher, wie ein Fandango bei einem Begräbniſſe. Laß uns zur Sache kommen! In der vorigen Nacht iſt ein Mann in dein Haus getreten, du kannſt es nicht läugnen.

Kein anderer Mann iſt in mein Haus getreten, als ich ſelbſt, Sennor Alcalde.

Läugne nicht, drohte Letzterer erbittert,ich habe ihn geſehen.

Ah, Ihr ſeid alſo Richter und Zeuge zugleich? be⸗ merkte Simon mit verächtlichem Lächeln.Nun, dann will ich nicht länger in Abrede ſtellen, daß Jemand in

Feierſtunden. 1864.

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ruhiger wurde, je mehr Zeit er gewann,iſt der Umſtand, daß meine Mutter nichts von der uns zugedachten Ehre weiß. Sie würde das Haus geſäubert und zu Eurem Empfange paſſender hergerichtet haben.

Wüthend erhob ſich der Alcalde und trat, vom Amts⸗ ſchreiber und einem Gerichtsdiener begleitet, den Weg an. Alles, was der gutmüthige Simon Verde nur in der Ab⸗ ſicht geſagt hatte, Zeit zu gewinnen, wurde von dem Al⸗ calde anders ausgelegt, welcher nur abſichtlichen Hohn und Trotz darin erkannte, was ſeine Rachſucht noch höher ſtei⸗ gerte. Mitwirkend war auch die am vorhergehenden Abend gemachte Bemerkung, daß ſein Sohn der Tochter Simon Verde's Aufmerkſamkeit bewies; und endlich war es ihm gleichfalls zu Ohren gekommen, daß das ganze Dorf über den von ihm, dem reichen Ackerbeſitzer, mit dem armen Simon geſchloſſenen und für Letzteren ſo nachtheiligen Kauf empört war.

Es bedarf kaum der Erwähnung, daß Julian die Mutter Simons benachrichtigt hatte, und daß der Fremde, als die alte Frau ihn entfernen wollte, bereits verſchwun⸗ den war, als wenn er eine Ahnung von der drohenden Gefahr gehabt hätte. Alle Nachforſchungen im Hauſe und deſſen Zubehörungen waren natürlich vergeblich; keine Spur des Verfolgten ließ ſich entdecken. Die Erbitterung des Alcalde über dieſes Fehlſchlagen war um ſo größer, als die Hausſuchung in den Augen Aller für einen Akt deſpo⸗ tiſcher Willkür galt.

ſagte er,der jetzt nicht zu finden iſt. Es geht daraus daher beſſer aufgeklärt iſt, wirſt du mein Gefangener blei⸗ ben, Simon Verde.

Mein Gott, Sennor, rief der arme Mann erſchreckt, wer wird morgen für mich und die Meinigen das Brod verdienen? Wer wird die Früchte auf den Markt tragen, welche bereits dieſen Morgen gepflückt worden ſind?

Die alte Mutter fing an zu weinen, und alle Anwe⸗

ſenden baten für Simon.

Wenn er auf freiem Fuße bleiben ſoll, ſo muß er wenigſtens eine Caution in baarem Gelde bei mir nieder⸗ legen.

4Wenn es weiter nichts iſt, ſo ſollet Ihr nicht lange warten, erwiederte Simon.Mutter, holet die dreitau⸗ ſend Realen aus Eurem Schranke und gebet ſie dem Sen⸗ nor Alcalde.

Die alte Frau ſtand ſchnell auf, öffnete den Schrank und ſtieß einen Schrei aus, denn das Geld war ver⸗ ſchwunden.

Mutter, fragte Simon,was gibt es? warum er⸗ ſchreckt Ihr ſo?

Mein Sohn, rief die arge Alte,man hat uns beſtohlen!

meinen Garten getreten iſt. Dieſer Jemand, Sennor Al⸗ calde, war Euer Sohn, dem ich geſagt habe, daß er beſſer thäte, zu Bett zu gehen.

Die Anweſenden waren unfähig, ein leiſes Lachen zu unterdrücken, was dazu beitrug, die Erbitterung des Al⸗ calde noch zu ſteigern. Stolze verletzt, beſchloß er, ſich zu rächen, und ſagte mit hochmüthigem Tone:

Ich werde dafür ſorgen, daß mein leichtſinniger

einen Beſuch abſtatten wollen.

Was ich nur bedaure, bemerkte Simon, der immer Haus aufgenommen haſt? fragte der Alcalde erfreut.

Dieſes Unglück war zu groß und unerwartet, und Simon, ſowie die Mutter, zu wenig der Verſtellung fähig,

als 2* Urſprung deſſelben länger hätten verhehlen können . unn's kein Anderer gethan haben, als jener

Durch Simons Worte in ſeinem Mann! rief die alte Frau, von Schmerz überwältigt.

Ich Thor! fügte Simon hinzu, ſich mit der Fauſt

vor den Kopf ſchlagend,ich mußte ihm auch noch aus⸗ . drücklich ſagen, daß ich das Geld beſitze! O, wie thöricht Sohn nicht wieder dein Haus betrete, wo wir jetzt ſogleich iſt das Schaf, das zum Wolf geht, um zu beichten

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Es iſt alſo erwieſen, daß du einen Fremden in dein

Ich habe geſtern einen Mann hier eintreten ſehen,

nur hervor, daß er ſich wieder entfernt hat. Bis die Sacht