Teil eines Werkes 
Band 1
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ſich ehrfurchtsvollſt verbeugend;dann werden Sie erſehen, wer ich bin und was man von Ihnen will.

Der junge Mann, in welchem der Leſer längſt den Sohn Hortenſes, den jungen Louis Napoleon Bonaparte erkannt haben wird, nahm das Paket und war im Begriffe, die Schnur deſſelben zu löſen, als abermals ein mißtraui⸗

ſcher Gedanke in ihm aufſtieg.Hat Sie Jemand geſehen,

fragte er,als Sie den Park betraten?

Niemand, erwiederte der Mönch;Marcheſe Pepoli vertraute mir den Schlüſſel zu der kleinen Pforte, und durch dieſe bin ich bis hierher gekommen, ohne daß eine Seele meiner gewahr worden wäre. Allein ſelbſt wenn mich Jemand beobachtet hätte, ſo könnte es nichts auf ſich

haben, da ein armer Mönch doch ſicherlich keinen Verdacht

erregen wird.

Nunmehr fragte Louis Napoleon nicht weiter, ſondern betrat den dunkeln Alleengang, welcher zu der Laube führte, und war bald in das Studium der ihm übergebenen Briefe verſunken. Der Inhalt derſelben mußte ihn übrigens nicht wenig afficiren, denn das eine Mal blieb er inmitten des Leſens wie angewurzelt ſtehen, das andere Mal ging er

wieder ſchnell vorwärts, um ſofort wieder in einen ganz

langſamen Gang zu verfallen. Während deſſen aber ver⸗ ließ der Mönch nicht einen Augenblick lang ſeinen Poſten am Eingang der Laube, ſondern beobachtete den Prinzen vielmehr mit unausgeſetzter Aufmerkſamkeit. Endlich ſchien Louis Napoleon über Alles ins Klare gekommen zu ſein, denn er kehrte ſofort um und ſtellte ſich dicht vor den Pater hin.

Sie kennen den Inhalt dieſer Briefe, Pater Iſidor? fragte er.

Ich kenne ihn, erwiederte dieſer.

Und Sie glauben mit den übrigen Brüdern, fuhr

der Prinz fort,daß die Zeit zum Handeln gekom⸗

men iſt?

Ich glaube es, verſetzte Pater Iſidor mit ſtrengem Ernſte.

Gut, erklärte nun Louis Napoleon, ſo ſoll man mich nicht umſonſt aufgefordert haben, meinen Poſten ein⸗ zunehmen. Ich kenne meine Pflicht und werde ihr nachzu⸗ kommen wiſſen.

Wann wird Eure kaiſerliche Hoheit die Reiſe nach

Italien antreten? fragte ſofort der Mönch.Die Brüder

verlangen eine genaue Antwort.

Sobald ich mit meiner Mutter geſprochen habe, erwiederte der Prinz nachdenklich.Kommen Sie mit mir auf's Schloß, mein Pater, fuhr er nach einer Pauſe fort, damit ich Sie der Königin, meiner Mutter, vorſtelle.

Sie wandten ſich beide dem Schloſſe zu; allein kaum hatten ſie einige wenige Schritte zurückgelegt, ſo kam ihnen in einer der breiten Alleen eine Dame entgegen, welche ihnen den weiteren Weg erſparte. Die Dame mochte acht⸗ undvierzig bis fünfzig Jahre zählen und hatte gewiß den ſorgenvollen Zügen nach des Grames ſchon ungewöhnlich viel erlebt; deßwegen war ſie aber doch immer noch ſchön zu nennen und zugleich ſprach ſich in Gang und Manie⸗ ren eine Würde aus, die unwillkührlich mit Ehrfurcht erfüllte.

Meine Mutter, ſagte Prinz Napoleon, als ſie der Dame nahe genug gekommen waren,du ſiehſt in dieſem frommen Mönch hier den Pater Iſidor aus Rom, der eine Botſchaft von Italien an mich gebracht hat.

So ſprechend gab er ihr den Arm und führte ſie die Allee weiter zurück, um ihr die nöthigen Mittheilungen zu⸗

Feierſtunden. 1864. 15

machen. Die Unterredung dauerte lange und ſchien der Dame viel Kummer zu bereiten. Ja man ſah Thränen in ihren Augen und oftmals war ihre leis herübertönende Stimme wie vom Schluchzen erſtickt. Doch der Sohn drang immer von Neuem in ſie und wußte es auch in der That am Ende ſo weit zu bringen, daß ſie in ſeine Ab⸗ reiſe willigte, jedoch nur unter Einer Bedingung, nämlich der, ihn begleiten zu dürfen.

Hochwürdiger Herr, rief ſie dem Pater Iſidor zu, der in einiger Entfernung des Ausgangs der Unterredung harrte,kommen Sie und entſcheiden Sie zwiſchen mir und meinem Sohne. Er will mich fern halten, während er ſich für Freiheit und Vaterland in den Kampf ſtürzt; ich⸗ aber will mit ihm nach Rom, um die Gefahren mit ihm zu theilen oder ihn wenigſtens in Noth und Unglück zu tröſten; wahrhaftig ich würde ſterben, wenn ich hier in der Ungewißheit des Ausgangs der Dinge harren müßte.

Aber du vergißſt, Mutter, warf der Sohn ein, wie ſchwer es uns fallen dürfte, zuſammen den Kirchen⸗ ſtaat zu erreichen; mir allein wird es in irgend einer Ver⸗ kleidung wohl gelingen, doch mit einer Dame.....

Erlauben Sie, mein Prinz, unterbrach ihn Pater Iſidor ehrerbietig.Wir haben gar wohl vorausgeſehen, daß die Königin, Ihre Muteer, ſich ſchwer entſchließen könnte, Sie allein reiſen zu laſſen, und deßwegen iſt hie durch einen Paß für die Sicherheit Ihrer beiderſeiti ſonen geſorgt. 8

Mit dieſen Worten langte er abermals in ei Taſche ſeiner Kutte und zog daraus ein mit ſchweren S geln verſehenes Pergament⸗Papier hervor; dieſes Papier aber war nichts Anderes, als ein regelmäßig ausgeſtellter ſardiniſcher Paß auf die Frau Gräfin von Souſa aus Piemont, welcher vom ſardiniſchen Miniſterium der aus⸗ wärtigen Angelegenheiten die Erlaubniß ertheilt wurde, mit ihrem Sohne, dem Marcheſa von Souſa, uͤber Mailand nach Rom zu reiſen. Damit ſah Louis Napoleon alle ſeine ferneren Einwände beſeitigt, und er gab ſofort nicht nur ſeine Einwilligung, die Reiſe in Begleitung ſeiner Mutter anzutreten, ſondern ſetzte dieſelbe auch ſogleich auf den drit⸗ ten Tag von der gehabten Unterredung an feſt. Gleich darauf verabſchiedete ſich der Pater Iſidor, um auf dieſelbe geheimnißvolle Weiſe wieder nach dem Orte zurückzureiſen, von dem er hergekommen war, oder vielmehr um ganz offen und ungenirt die italieniſche Grenze zu paſſiren, da man in dem Träger einer Kutte nie und nimmer einen Anhänger der verrufenen Partei geſucht hätte, welche von den Regierungen Italiens wie auch insbeſondere vom Pabſte als die infernaliſchſte aller infernaliſchen Umſturzparteien bezeichnet wurde*).

Drei Tage ſpäter begegnen wir auf dem Wege, wel⸗ cher von dem berühmten Badeorte Ragatz nach Chur und dem Splügen zu führt, einem Reiſewagen, welcher von vier Extrapoſtpferden gezogen wird und deſſen Beſtimmung offen⸗ bar Italien iſt. Daß dieſer Wagen übrigens nichtdie

Gräfin von Souſa nebſt ihrem Sohne, dem Marcheſe,

beherbergt, erkennen wir auf den erſten Blick, denn derſelbe

iiſt offenbar engliſchen Urſprungs, und auch die drei den Kutſcher⸗ und Bedientenſitz einnehmenden Diener, worun⸗

roſ enartig ausſ ehende

ter beſonders eine wettergebräunte, m.

i, welche ſichdie Ge⸗ v aus dem Verlaufe

*) Nähere Aufſchlüſſe über dieſe ſellſchaft der Carbonaris nannte, n der Erzählung ſelbſt erhalten.