Teil eines Werkes 
Band 1
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10 Feierſtunden. 1864.

bringen. Wir aber gingen heim, froh und zufrieden, und Nur zwei Leutchens ziehend durch die Wolken! Was ſpäter Viktorie und mir

bald lag die Puszta in Schlummer.

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tönendes Horn ſtieß, und der Mond, ſtill und freundlich

wandelten noch umher, der Nachtwächter, der in ſein dumpf geſchah der Leſer mag's errathen.

Hohenſtaufenfrauen.

Ein Kranz von hiſtoriſchen Charakterbildern.

Obwohl in gegenwärtiger Zeit in Familienkreiſen viel mehr geleſen wird, als vor noch fünfzig Jahren, obwohl von höheren Töchterſchulen aller Art darnach geſtrebt wird, auch der heranwachſenden weiblichen Jugend einen höheren Grad von Bildung zu verleihen, wird doch nicht zu läug⸗ nen ſein, daß dasjenige Feld, welches unter den erſten dazu geeignet iſt, wahre Bildung zu gewähren, das Feld der Geſchichte, der ungetrübten, ungefärbt und unparteiiſch er⸗

zählten Geſchichte, noch viel zu wenig angebaut wird für

unſere Familienkreiſe, als daß es ihnen die Frucht geben könnte, welche jede mehr als oberflächliche Beſchäftigung mit der Geſchichte im Ganzen oder Einzelnen in reichem Maße bietet.

Wohl wird viel geleſen, aber ſind es nicht meiſt No⸗ vellen und Romane, welche das Intereſſe der Frauenwelt in Anſpruch nehmen und feſſeln? Wohl wird in höheren Töcherſchulen auch Geſchichte gelehrt, aber es iſt meiſt nur ein kleiner Theil derſelben, welcher in den verhältnißmäßig ſpärlich zugemeſſenen Stunden vorgetragen wird. Zudem geſchieht dies in einem Alter, dem die Reife zum tieferen Verſtändniß noch abgeht. Das Wenige, was haftet, bleibt oft nur als unnützer Ballaſt von Zahlen und Namen, im Gedächtniß zurück.

So mag es denn als eine nicht undankbare Aufgabe erſcheinen, den Leſerinnen und im weiteren Sinne dem Familienkreiſe einige hiſtoriſche Bilder treu, einfach und ſchmucklos zu zeichnen. Liegt doch in der Geſchichte eine Poeſie verborgen, tief genug, um auch ohne Zuthat der Erfindung zu feſſeln, ſobald nur der aufmerkſame Blick aus dem Gewirre von Zahlen und Namen und Tabellen die einzelnen Geſtalten lebensvoll und beſtimmt in ihrem Zuſammenhang mit dem Ganzen und in ihrer individuellen Eigenthümlichkeit hervortreten ſieht.

Unerſchöpflich reich iſt beſonders unſere deutſche Ge⸗ ſchichte an feſſelnden Lebensbildern. Es iſt ein in ſich zu⸗ ſammenhängender Kreis von Frauengeſtalten, welchen wir für dieſesmal dem Leſer vor Augen führen, von Frauen⸗ geſtalten, die, duftenden Blumen gleich, zwiſchen den Blät⸗ tern unſerer hoch⸗tragiſchen Hohenſtaufengeſchichte hervor⸗ blicken. Möchte die Wahl zu den Herzen der Leſer und Leſerinnen ſprechen, denn

Iſt von allen Bergeshöhen in dem weiten deutſchen Reich

Eine dieſem Kaiſerfelſen, dieſem Todtenmale gleich?

1. Agnes, die Salierin, die erſte Hohenſtaufin. Agnes, dein Bild, was iſt's? ein ſüßes Ach! Nichts weiter weiß von dir die Enkelwelt, Dein ſchönes Aug' unabgebildet brach; Doch haſt du tapf're Söhne dargeſtellt, In deren Antlitz du zu ſchauen biſt, Obgleich dein Haupt in Nacht geſunken iſt.

(A. Knapp.)

Agnes, die Stammmutter der Hohenſtaufen, geboren

etwa um 1072, war die Tochter des unglücklichſten Vaters

Von Luiſe Pichler.

auf dem Throne nachgefolgt war, und der edeln Bertha von Suſa, ſeiner erſten Gemahlin. Der deutſche Kaiſer⸗ thron war damals der höchſte Thron der Erde; der Kaiſer hieß ein Herr der Welt. Kaiſer Heinrichs Herrſchaft aber war erſchüttert, ebenſo durch ſeine Schuld wie durch den Verrath ſeiner Fürſten und Völker. Von Kindheit auf hatten Selbſtſucht und Verrath ihn von allen Seiten um⸗ lauert, darum verachtete er die Menſchen und mißtraute ihnen. Seine Gemahlin nur hatte treu bei ihm ausge⸗ halten in Freude und Leid bis zum Tode, obgleich er ſie früher am bitterſten gekränkt hatte.

An dieſem Throne wuchs Agnes auf, eine zarte Blume auf der Höhe eines Vulkans. Ihre Kindheit konnte keine frohe ſein. Der Kaiſer trug das Schickſal einer Welt auf ſeinen Schultern und er hatte dabei die halbe Welt zur Gegnerin, an ihrer Spitze den unüberwindlichen römiſchen Stuhl. Die Kaiſerin ſah die Gewitterwolken ſich ſchwerer und ſchwerer um Heinrichs Throne ſammeln, ihr Herz war von ſchmerzlicher Sorge erfüllt und ſelbſt der Anblick ihrer Kinder, zweier Söhne und der zarten Tochter, konnte ihr Auge nur vorübergehend aufhalten.

Heinrich ſelbſt trug Sorge dafür, ſein zartes Kind zu flüchten vor den Stürmen, die ſein Haus bedroht hatten. Er feierte Oſtern des Jahres 1079 zu Regensburg. Nach alter Sitte pflegten ſich die Fürſten und Grafen des Rei⸗ ches mit zahlreichem ritterlichem Gefolge zu ſolchen Zeiten am Kaiſerhofe zu ſammeln, um die hohen Feſte mit dem Haupte des Reiches zu begehen. Dießmal hatten ſie ſich zahlreicher eingefunden als je; auch mancher Gegner hatte

Heinrich durch ſeine Anweſenheit gehuldigt, denn der Kai⸗ ſer wollte das Herzogthum Schwaben nach Rudolphs, des

früheren Herzogs Empörung, mit einem neuen Herzog be⸗ gaben. Alle fürſtlichen und mächtigen Herren, die für ver⸗ gangene oder für künftig zu leiſtende Dienſte einen Dank vom Kaiſer zu erwerben hofften, ſtellten ſich zu Regens⸗ burg ein. Heinrich aber übergab das ſchöne Land keinem der ſtolzen und trotzigen Bewerber. Er rief einen unbe⸗ kannten jungen ſchwäbiſchen Ritter zum Throne, Friedrich

von Büren, einzig, weil er ihn kannte als einen Jüng⸗

ling ausgezeichnet durch große Eigenſchaften und von uner⸗ ſchütterlicher Treue. Ihn belehnte er Angeſichts der gan⸗ zen Verſammlung mit dem Herzogthum Schwaben. aber die feierliche Belehnung unter freiem Himmel vollzo⸗ gen war, da führte der Kaiſer den jungen Herzog in den Palaſt und in die Gemächer der Kaiſerin; hier legte er ſeiner kleinen Tochter Hand in Friedrichs Rechte mit den Worten:Ich beſtimme dir meine Tochter Agnes hier zum ehelichen Gemahl.(Siehe Bild S. 12.). War es die eigene Vaterſorge, war es das zärtliche Mutterauge geweſen, das in Friedrich den Mann aufge⸗ funden hatte, deſſen ſtarker und treuer Hand ſie am ſicher⸗ ſten das Glück ihres Kindes anvertrauen könnten? Solche frühe Verlobungen waren nach der Sitte der Zeit.

und der edelſten Mutter, Heinrichs IV. aus dem Kaiſer⸗ Auch Kaiſer Heinrich war als Kind mit Bertha verlobt

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geſchlechte der Salier, das dem der ſächſiſchen Ottonen

worden und hatte, obwohl er, zum Jüngling erwachſen,

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