Heft 
(1859) 11 11
Seite
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Feuilleton.

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III.

Sage vom ſogenannten Heldenberge bei FSeifen.*)

Ein armer, armer Holzhacker ging in den Wald, um Holz zu fällen. Als er in die Mitte desſelben kam, hörte er plötzlich im Gebüſche rauſchen. Da er auf das Geräuſch zugeht, ſieht er unten in der Erde durch das Moos hindurchſchimmern reines, gediegenes Gold. Der Holzhacker geht nun nach Hauſe, um ſich die nö⸗ thigen Werkzeuge zur Ausgrabung des Goldes zu ho⸗ len: Haue, Schaufel und ſ. f. Als er aber zurückkommt, findet er weder das Gebüſch, noch ſchimmert ihm vom Boden Gold entgegen. Es geht aber die Sage, daß einmal eine ganz ſchwarze Kuh über dieſe reichen Gold⸗ lager gehen und ſie aufwühlen wird; und aus dem jetzt unanſehnlichen Orte Seifen ſoll eine reiche Bergſtadt werden, die den Namen Heldenberg haben wird.

Die Luftbahn. Von Karl Czermak.

EineLuftbahn? wird man fragen. Allerdings, aber nicht von einer Bahn in's Blaue wollen wir reden, wir haben es mit einem auf wiſſenſchaftlicher Baſis beruhenden Projekte zu thun.

Ein wie es ſcheint überaus begabter Architekt zu Winter⸗ thur in der Schweiz, Friedrich Albrecht, hat die unſtrei⸗ tig höchſt originelle und beachtenswerthe Frage entwickelt, wie man den bisher für praktiſche Zwecke ſo unbrauchbaren Luft⸗ ballon als bewegende Kraft bei Beförderung von Laſten und ſelbſt auch Paſſagieren verwenden könnte. Es gilt dieß vorder⸗ hand nur von dem Transport auf Höhen, wie wir gleich hören werden..

Den betreffenden Berg hinan müßte ein Schienenweg ge⸗ legt werden, in welchem die zu bewegende Laſt von dem nun⸗ mehr lenkbar gewordenen Ballon gezogen wird. Zur beſſeren Verſtändigung fügen wir einen Holzſchnitt(Fig. 1.) bei, wo

Fig. 1.

wir das Geſammtbild einer derartigen Bahn zu entwerfen be⸗ müht waren. K iſt die zu befahrende Höhe, woran die Stützen b der zwei parallellaufenden Seile(Schienen) a befeſtigt ſind. Zwiſchen dieſen Seilen läuft nun eine bewegliche Rolle e, an deren oberem Ende der Ballon c, am unteren hingegen die Laſt d Platz finden. Da nun Erſterer ſtets nach oben ſtrebt, ſo muß er nothwendig die ihm angehängte Bürde mit ſich zie⸗ hen; dadurch kommt die leicht bewegliche Rolle(Fig. 2.) b in Bewegung und verfolgt die ihr durch den angelegten Schie⸗ nenweg a vorgeſchriebene Richtung. Hier wäre das unheilvollſte Hinderniß ein entgegengeſetzter Wind, welcher das gerade Auf⸗ ſteigen des Ballons verhindern würde. Allein iſt dieſer von gehöriger Größe, alſo um ſo kräftiger, der Wind hingegen nicht ſehr bedeutend, ſo könnte die Fahrt, wenn auch vielleicht etwas

*) Ein Ort im Erzgebirge mit vielleicht 70 Häuſern.

langſamer, dennoch ſtattfinden. Bei allzuheftigem Sturm würde man ſie ja ohnehin einſtellen. Natürlich müßte die Schwere der angehängten Gondel der Tragkraft des Ballons entſprechen, ſo wie man überhaupt darauf bedacht ſein müßte, dieſen möglichſt groß zu fabriziren. Als geeignetſten Stoff hiezu bezeichnet Al⸗ brecht Kautſchuck, welcher zugleich dem allmäligen Ausſtrömen des eingefüllten Gaſes am hartnäckigſten widerſtehen würde. Auch hat unſer Erfinder ein Mittel entdeckt, das eben dieſen nachtheiligen Gasverluſt wo nicht ganz aufhebt, ſo doch auf das geringſte Maß reduzirt. Auf dieſe Art könnte ein Ballon von circa 20 Ellen Durchmeſſer bequem 20 Perſonen ſammt Reiſe⸗ gepäck in die Höhe heben und mit fortziehen. Ueber das Hin⸗ aufkommen wäre man alſo ſo ziemlich im Reinen, aber wie kommt man herab? Ein bloßes Hinuntergleitenlaſſen der Gon⸗ del würde mit zu viel Gefahr verbunden ſein und der Ballon, wird er nicht ſelbſt bei der Fahrt ein Hinderniß ſein, wenn er eine konträre Richtung annimmt? Doch auch dafür iſt vorgeſorgt.

Die Laſt nach unten muß mit Ballaſt um ein Bedeuten⸗ des vermehrt werden, ſo daß das ganze Fahrzeug mit ange⸗ meſſener, weniger gefahrvoller Schnelligkeit herabgleiten kann.

Albrecht möchte vor Allem ſeine Erfindung am Rigi, wel⸗ cher ſehr wenig Terrainſchwierigkeiten die jedoch bei der Luftbahn nicht ſo ſehr in Anbetracht zu ziehen ſind bieten ſoll, angewendet wiſſen, da ſie bei dem regen Fremdenverkehr auch einen nicht unbedeutenden pekuniären Gewinn abwerfen würde. Daß die Theilnahme von Seite der Reiſenden, deren Zahl ſich dort jährlich auf circa 30,000 beläuft, jedenfalls eine ſehr bedeutende ſein wird, daran glauben wir kaum zweifeln zu dürfen, da die gegenwärtige Beſteigung des genannten Ber⸗ ges eine langwierige, mühſame und koſtſpielige iſt. Jetzt braucht man bis auf Rigikulm(4200 Fuß) drei volle Stunden dann würde man kaum 30 Minuten benöthigen; jetzt muß man ſich die allerdings herrliche Ausſicht auf dem Gipfel dieſes weltberühmten Rieſen mit dem Schweiße ſeines Angeſichts ſauer verdienen dann könnte man in einer bequemen Gondel pu⸗ hig hinaufgleiten; jetzt zahlt man für ein Pferd 10 Fres. dann würden 5 Frcs. für die Auf⸗ und Abfahrt genügen. Täg⸗ lich könnten 5 Fahrten(Züge) zu 10 Ballons abgefertigt wer⸗ den; wenn nun in jeden derſelben 20 Perſonen einſteigen, ſo⸗ mit in den ganzen Zug 200, ſo ergibt ſich eine tägliche Frequenz von 1000 Paſſagieren. Rechnet man nun obigen Fahrpreis 5 Frcs. pr. Perſon und nimmt man an, daß in der Sai⸗

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ſon doch wenigſtens 20,000 Reiſende befördert werden, ſo ha⸗ ben wir eine Einnahme von 100,000 Fres. jährlich, die 5 per⸗ zentigen Zinſen eines Kapitals von 2,000,000 Fres.

So könnte man nun gewiß noch ſeitenlang ſich ergehen in kühnen Problemen und idealen Plänen, doch das ſoll nicht unſer Zweck ſein. Wir wollen vielmehr darthun, daß es der Sache nicht unwerth ſein dürfte, nähere Unterſuchungen und Verſuche anzuregen, denn, ſind wir auch jetzt noch gezwungen, den an ſich ohne Zweifel höchſt intereſſanten Gedanken als ein Problem hinzuſtellen, ſo ſehen wir doch nicht ohne Zuverſicht einer be⸗ ſriedigenden Löſung⸗ desſelben entgegen.

Hierbei erlauben wir uns noch die drei Hauptgrundſätze Albrecht's wörtlich anzuführen, die inſofern hohe Wichtigkeit haben, als Letzterer in ihrer Erfüllung allein die Ausführbar⸗ keit ſeiner Idee erblickt:

1. Die Luftbahn ſoll geeignet ſein, eine große Anzahl

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