Feuilletan.
Muſik.
In weiterer Verfolgung der gedrängten Beſprechung der gegenwärtigen Konzertſaiſon in Prag kommen wir abermals auf einen Glanzpunkt, der in unſeren Kunſt⸗ annalen beſonders zu notiren iſt, nämlich auf: Klara Schumann. Dieſe edle, poetiſche Kunſterſcheinung hat, abgeſehen davon, daß ſie noch in voller Kraft als geiſt⸗ oolle Pianiſtin florirt und als ſolche eine der erſten No⸗ tabilitäten ihrer Sphäre vorſtellt, für Prag ein höheres Intereſſe ſchon dadurch, daß wir ihr,— wie ſich ältere Konzertbeſucher gut zu erinnern wiſſen werden, von der Zeit her, als ſie, ein zartes Mädchen noch, zum erſten Male mit einem gediegenen, Namen wie Seb. Bach, Beethoven u. A. enthaltenden Progromm auftrat und durch die wahrhaft reine, keuſche Kunſtleiſtung den größten Enthuſiasmus erregte,— die Veredlung der Geſchmacksrichtung in der Klaviermuſik zu verdanken haben. Denn ſeit dieſer Zeit begriff unſere bis dahin nur das Geklingel eines Herz, Czerny u. A. kultivirende Jugend, daß es auch Werke von unvergänglicher Ge⸗ diegenheit und nachhaltigerem Effekte gibt, die freilich zu einer ſolchen Geltendmachung eines größeren Kunſt⸗ fondes und tieferen Studiums bedürfen. Frau Schu⸗ mann gab dießmal leider nur zwei Konzerte; ihr Pro⸗ gramm enthielt nebſt Kompoſitionen ihres berühmten Gatten abermals auch Werke von Beethoven und Seb. Bach, und ſie machte mit dem genialen Vortrage aller, beſonders aber der Gavotte aus der engliſchen D-moll- Suite wahres Furore.— Eine weitere Zierde unſerer Konzertſaiſon, Alexander Dreyſchock, feierte in dem erſten Konzerte des Konſervatoriums den gewohn⸗ Erinnerungen. 1859.
ten Triumph. Er ſpielte, nachdem er kurz vorher in mehreren deutſchen Hauptſtädten die größte Senſation erregt, Beethoven's Es-dur-Konzert mit unvergleichlicher Vollendung; von ſeinen eigenen Klavierwerken lernten wir den ſehr ſchwierigen Triumphmarſch kennen.
Der Cäcilienverein brachte in ſeinem vierten Kon⸗ zerte, getreu ſeiner löblichen Tendenz, durchaus Novi⸗ täten, unter welchen Rob. Schumann's Inſtrumental⸗
Kompoſition op. 52 als eine wahre Perle erſchien. Desſelben Tonpoeten B-dur-Symphonie op. 38 ge⸗ langte in dem Armenkonzerte am 25. v. M. von Seite des Theaterorcheſters unter Leitung des Kapellmeiſters Herrn Neswadba zu einer trefflichen Ausführung. Auch die Sofien⸗Akademie gab in dem erſten Vokalkonzerte ihr auf Emporhebung des klaſſiſchen Ge⸗ ſanges gerichtetes Streben durch ein gut gewähltes Programm und entſprechende Aufführung kund.— Das bevorſtehende zweite Konzert des Konſervatoriums ver⸗ ſpricht uns in der Mitwirkung des berühmten Celliſten Servais einen ſeltenen Genuß. Der zahlreichen Wohlthätigkeitskonzerte und Klavierproduktionen in den Inſtituten Prags ſei, als weniger in der Saiſon maß⸗ gebenden Erſcheinungen, nur ſummariſch erwähnt. Da⸗ gegen wäre noch auf die gediegenen kirchlichen Muſik⸗ produktionen unter Leitung des Herrn Direktors der Organiſtenſchule, J. Krejéi, die allſonntäglich in der Kreuzherrenkirche ſtattfinden, hinzuweiſen. M.


