Heft 
(1859) 9 09
Seite
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Unter der Linde. 279

Gaſſe, als hätte er daſelbſt wie vordem ſeine No⸗ tizenjagd zu halten. Wie ſchal und zwecklos kam ihm aber jetzt hier alles Leben und Treiben vor, da ſein Griffel außer aller Beziehung mit demſel⸗ ben geſetzt war. Was frommte es ihm jetzt, daß hier ein unvorſichtiger Knabe überfahren wurde, dort ein Hund ohne Maulkorb einem harmloſen Wanderer in die Waden fuhr, hier ein Geier auf einem Kirchendache eine Taube verzehrte und dort gar ein Kind aus einem Fenſter des dritten Stock⸗ werkes, ohne Schaden zu nehmen, auf das Pflaſter fiel das alles waren Dinge, die ohne Zeilen⸗ honorar in das Meer der Vergeſſenheit ſinken ſoll ten! Ziellos ſchritt Schnabel vorwärts; es be⸗ mächtigte ſich ſeiner immer mehr jene düſtere Stim⸗ mung, in welcher die Welt uns unerträglich er⸗ ſcheint und jedes Mittel willkommen iſt, das uns mit einem Schlage den alten Verhältniſſen zu ent⸗ heben und in einen ganz neuen, fremden Lebenskreis einzuführen verſpricht. Ein Klopfen auf die Schul⸗ tern reißt endlich unſern Euſtach aus ſeinem Hinbrüten. Ein junger Mann ſteht an ſeiner Seite und frägt in einem nichts weniger als freundlichen Tone, ob er die Ehre habe, mit Herrn Schna⸗ bel, dem Notizenſammler, zu ſprechen. Schna⸗ bel ſieht ſich bemüßigt, die Frage zu bejahen und hierauf dem Fremden zu folgen, der ihn am Arme faßt und nicht mehr von ſich läßt.

Ich bin, erklärt dieſer,der Neffe der Goldſchmiedswitwe aus der Windgaſſe und von der Dame beauftragt, Sie zur Verantwortung zu ziehen, weil Sie dieſelbe durch einen ſehr unzarten Vergleich mit der Miß Paſtrana dem öffentlichen Geſpötte preisgegeben haben. Sie folgen mir jetzt, um meiner geſchätzten Tante jene Satisfaktion zu geben, die ſie verlangen wird.

Schnabel läßt ſich wie willenlos in ein Haus der Windgaſſe führen. Dort tritt er mit ſei⸗ nem Begleiter in eine bequem bürgerlich eingerich⸗ tete Wohnung des zweiten Stockes und erblickt da⸗ ſelbſt eine in Thränen aufgelöſte Frau, deren Züge in der That zu einem Vergleiche mit dem Urbilde der Häßlichkeit auffordern. Nun entladet ſich nach den erſten einleitenden Worten eine Fluth von Vorwürfen über das Haupt des unglücklichen Ex⸗ notizlers, der beim Schreiben der verhängnißvollen Zeilen nicht ahnte, daß er damit nicht nur das Herz der Witwe, ſondern auch ein neues, kaum geknüpftes Verhältniß derſelben zerreißen würde. Nichts iſt der Liebe ſo feindlich, als der Fluch der Lächerlichkeitt. Dem guten Euſtach gingen die Augen über, als er bei dem erſten Blicke die un⸗ geheuchelten Schmerzensthränen und bei dem zwei⸗ ten die ebenſo echten großen Perlen an Hals und Armen der Dame erblickte. Er ſtammelte tauſend Entſchuldigungen und erbot ſich zu jeder öffentli⸗ chen Erklärung.

Eine ſolche erfolgte auch wirklich ſchon nach wenigen Tagen und zwar in dem Inſeratentheile

derPoſaune, wo zum Erſtaunen aller Bekannten Schnabel's, wie folgt, zu leſen war:

Euſtachius Schnabel, Literat, und Ma⸗ rianne Sieber, Goldſchmiedswitwe, empfehlen ſich ihren Freunden und Bekannten hiemit als Verlobte.

Es erübrigt nur noch zu bemerken, daß dieſe Notiz die letzte ſchriftſtelleriſche Arbeit des Herrn Taſtach ius Schnabel war, der jetzt beim An⸗

blicke ſeines Weibchens anderweitig Gelegenheit hat, der lubeilkonmenen Wirklichkeit durch etwas Phan⸗ taſie zu Hilfe zu kommen. J. R. H.

Unter der Linde.

(Zu der Bilder⸗Beilage dieſes Heftes.)

I och oben im luftigen Laubbereich

Da ſitzen die Muſikanten,

* Und pfeifen und ſchmettern den Vögeln gleich, Den Zunft⸗ und Sinnesverwandten.

Es haben die Vöglein, die Muſici Wohl Beide durſtige Kehlen;

Drum darf den einen die Tränke nie, Getränke den andern nicht fehlen.

Und unter der ſchattigen Linde mengt Sich Jung und Alt in den Reigen;

's iſt Kirmeß heut und der Himmel hängt In Wirklichkeit voll Geigen.

Lied des Mißmuths. Mhe Welt iſt ſo ſchal geworden,

= So ſchal auch alles auf ihr,

³ Die Liebe und die Freundſchaft Und allzumeiſt das Bier.

Und falſch iſt alles auf Erden; Trotz gleißender Etiquette Liegt jetzt die Wahrheit ſelber In einem gefälſchten Bett.

In ſeinem Durſt nach Echtem Verzehret ſich mein Herz;

O könnt' ich doch mit Weinen Auslöſchen den heißen Schmerz.

O könnte ich doch ruhen Tief unten im Erdenſchoß, Und dort im kühlen Keller Zieh'n meinen Jammer groß.