Heft 
(1859) 6 04
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ſtolen, die über jenem Bette hängen, und ſtelle ſeinen Mann, entgegnete der Poſtmeiſter.

So muß Ihnen auch die Ehre eines ehren⸗ haften Hauſes lieb und werth ſein, betonte ziem⸗ lich ſcharf der Ortsvorſtand.

Daraus folgt jedoch nicht, daß man ſich ſo mir und dir nichts von jedem Dummrian einſper⸗ ren zu laſſen braucht, replizirte der Poſtmeiſter.

Aber Peter! erinnerte Tante Juſtine verweiſend.

Neffe! ſprach Onkel Poſtklaus.

Herr Peter! die Frau Verwalterin und die übrigen Damen.

Ich war Korporal, ich habe in Ehren meine Kapitulation durchgemacht, in Ehren dieß Haus ſammt Garten und Feld ererbt, und Sie haben alle dieſe Ehren angetaſtet, ſprach der Ortsvor⸗ ſteher, ohne ſich durch die verwegene Einſprache des Poſtmeiſters ſtören zu laſſen.Sie ſind dem Rufe und der Ehre meiner Töchter durch frevlen Vor⸗ witz nahegetreten und ich verlange jetzt als Vater und als Bürgermeiſter zugleich, daß Sie eine Ge⸗ nugthuung leiſten, welche die Scharte in unſerer Ehre wieder auswebzt.

Sie müſſen einander heiraten! ſchrie plötz lich die lebensluſtige Frau Verwalterin;zwei ſchöne Pärchen das, und paſſen zuſammen, wie eine Lerche zur andern.

Gut ſo, begutachtete der alte Poſtklaus,ſo denke ich auch,'s iſt der beſte Weg, die ganze Sache zu ſchlichten.

Ha, ha, ha! lachte der Poſtmeiſter,das auch noch ich ſoll Kuall und Fall um Mitter nacht eine Heirat eingehen? Aber man höre doch wenigſtens, ehe man verurtheilt, daß nichts, als der bloße Schein gegen unſere Ehrenhaftigkeit ſpricht.

Indeſſen drängten ſich einige Frauen an den abwehrenden Sprecher heran, und indem ſie ihn eng' umſchloſſen und ihm hunderterlei in beide Ohren flüſterten, verlor er dermaßen ſeine Faſſung, daß er ſich ruhig wie ein Lamm zum Opfertiſche, zu Babettchen führen und dann ſeine Rechte in der des Mädchens ruhen ließ, ohne nein oder ja zu ſagen; dagegen ſchwamm Emilius in ſeliger Wonne, da er im Drange der Umſtände aus der

Frau Bürgermeiſterin eigenem Munde die frohe Kunde vernommen, Annchen ſei ihm nicht abge⸗ neigt, und ſie ſelbſt mit ihm als Schwiegerſohn ganz zufrieden.

Der Poſtmeiſter ſtand unterdeſſen immer noch da, wie eine Bildſäule, das liebe Babettchen bei ihm in aller Reize Fülle, mit ſauft geneigtem köpfchen, deſſen Wangen die Scham überglühte, ſtill wie ein Blümchen, das ſich unter des Pflückers Hand beugt. Sein Auge wendete ſich ihr zu und ruhte lange und mit Wehmuth auf den lieblich blühenden Zügen, dann ſchlug er ſich derb mit der

Des Sekretarius Melchior Strimpel ſcherz⸗ und ſchmerzhafter Lebeuslauf.

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ein Narr, daß ich mich vor dem Geſchwätze der Stadt ſcheue. Können Sie mir mein anfängliches Zögern vergeben, theuere Babette, und wollen Sie meine Hand ſammt Zubehör entgegennehmen? Und Babettchen hauchte einJa, und flog in die offenen Arme ihrer ſie erwartenden Mutter. Ich habe ſchon ja geſagt, nicht wahr Herr Emilius? fragte ganz naiv Annchen den ent⸗ zückten Emilius, und er drückte das holde Mäd⸗ chen an ſein pochendes Herz. Ein gräßlicher Tuſch, der von den ſämmtli⸗ chen Muſikinſtrumenten hervorgebracht, durch's ganze Haus erdröhnte, brachte die Anweſenden in paar⸗ weiſe Gruppen, und bald fand das Tanzvergnügen die fröhlichſte Fortſetzung. Sechs Wochen darnach hatte trotz allen böſen Reden und Pasquills, die in der Stadt, namentlich unter der heiratsfähigen Damenwelt cirkulirten, eine glänzende Doppelhoch⸗ zeit ſtatt. Es genügt nur noch zu ſagen, daß weder der Poſtmeiſter noch Emilius bis heute Urſache hatten, die Folgen der Entenjagd zu be⸗ klagen.

Des Sekretarins Melchior Strimpel ſcherz⸗ und ſchmerzhafter Lebenslauf. Eine Autobiografie.

(Fortſetzung.)

6(s heißt gewöhnlich, die Zeit der Kindheit

.Lyyſei die glücklichſte Periode des Lebens. Mei⸗ r nes Erachtens aber iſt dem nicht ſo, denn

ich fühlte damals die Streiche der Ruthe o nicht minder ſchmierzlich, als ſpäter die

8 Streiche des Schickſals. Und ich wurde nicht wenig gezüchtigt, denn ſchon in der Kindheit verſtand mich mein Jahrhundert nicht. Ich war ein ſeltſamer Junge in den Augen aller derer, die ſich für verſtändig hielten, und in dieſer Selbſttäu⸗ ſchung lebt leider ein Jeder. Mein philoſophiſcher Geiſt regte ſich frühzeitig. So konnte ich z. B. die längſte Zeit vor einem Wegweiſer ſtehen, der mit ſeinem Arme nach links wies, während doch die Schrift darauf die Richtung von links nach rechts einſchlug. Dieſer Widerſpruch machte mir ſo viel Kopfzerbrechen, wie ſpäter kaum die Handlungs⸗ weiſe lebendiger Wegweiſer, deren Worte und Tha⸗ ten ebenſo diametral auseinander gingen. Verſäumte ich nun bei ſolchem Nachdenken irgend einen Auf⸗ trag, ſo lernte ich bei meiner Heimkehr regelmäßig die Wahrheit des Ariſtoteliſchen Satzes erkennen, daß die Wurzeln der Weisheit bitter ſeien, Hatten mich doch, ſelbſt ehe ich noch leſen konnte, die Bü⸗ cher mit mir ſelbſt in argen Zwieſpalt gebracht

geballten Fauſt vor die Stirn, und rief:Ich bin

und mir nicht geringe Gewiſſensſtrupel verurſacht.