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denn
mit Kennergeſchmack würdigen ſollten; allein dieſe kamen nicht. Ihr Mann, der alte Poſtklaus, rauchte verdrießlich ſein Pfeifchen— die Wartezeit wurde ihm ſchon zu lang, und dabei rückte die ſauber ge⸗ putzte Wanduhr ein um's anderemal aus.
Eben hatte der Hammer zur zweiten Stunde ausgeholt, als ſich Klaus erhob, bedächtig ſein Pfeifchen weglegte und die anweſenden Gäſte ſeiner Verwandtſchaft zu Tiſche nöthigte.
„Bring' die Suppe, Tinel Deine Stadtleute werden ſo nicht mehr kommen. Na, na, laßt euch's gut ſchmecken, wir ſind ungeſtört,“ ſetzte er mit Nachdruck bei.
Tante Juſtine ſeufzte ein paarmal und trug ſtumm die ſo herrliche, vielaugige Suppe auf.
Während des Eſſens kamen mehrere Boten hintereinander, um zu fragen, ob denn die Herren aus der Stadt ſchon da wären; ſelbſt die Frau Ortsvorſteherin ermangelte nicht, einen Dienſtboten mit derſelben Frage abzuſenden, und hatte ſogar für den bejahenden Fall ein Briefchen beigegeben.
Doch alle dieſe Erkundigungen und Briefchen waren fruchtlos. Die Herren waren durch eine
doppelte Strömung, eine innere und äußere, in der
Stadt feſtgebannt. Der Tag verrann und Luna hing die Lampe aus. In der alterthümlichen Wohnung des Bürger⸗
V
meiſters im Dorfwirthshauſe, das mit ſeinem hohen
bemoosten Schindeldache, mit ſeinen kleinen, wenig Tageslicht durchlaſſenden Fenſterchen jeden Menſchen finſter anglotzte, herrſchte reges Leben. Alles ſchwirrte, ſprang und hüpfte durcheinander, und hoch ſchmet⸗ terten die Trompeten und furchtbar dröhnte der Kontrabaß ſeinen Part dazu. Der Ortsvorſteher hatte ſich mit den Honoratioren des Ortes in ein Seitenſtübchen geflüchtet, denn:
Er war ſo klug und weiſe Und tanzte nicht mehr mit.
Dafür tanzten ſeine Töchterchen mit, und wenn wir nicht irren, ſo ſehen wir auch die Frau Verwalterin, Tante Juſtine, die Schulmeiſterin, die Müllerin, Alle im dichtgedrängten Reigen— heiße Perlen ſchwitzen. Sie Alle haben den nicht
erſchienenen Herren aus der Stadt Rache geſchwo⸗
ren, und ihnen zum Trotz ſich unter der bunten Volksmenge hoch erluſtigt. Hier galt's aber gute Miene zum böſen Spiel zu machen; da waren Fußtritte und Rippenſtöße mit in der Tanzordnung verzeichnet.
Mittlerweile waren unſere beiden Freunde aus der Stadt unbemerkt angekommen, aber in einem
Zuſtande der Balltoilette, welcher einigermaßen an
das Schlammbad lächerlichen Andenkens erinnerte. Der Poſtmeiſter, welcher dem Weine eine aufge⸗ regte Stimmung verdankte, hatte es ſich nicht wehren laſſen, ſelbſt die Zügel der Pferde zu er⸗ greifen und ſo war er denn, als wollte er alle
Weiſe unterbrochen.
F. W.: Folgen einer Entenjagd. 179
raſender Eile nach dem Dorfe zu gefahren, b umſchlagende Wagen in ziemlich erſchütternder Weiſe ihn an das Sprichwort erinnerte:„Eilen thue
ten gut.“ Zum Glück trugen die beiden Ki weihgäſte keine anderen Spuren von dieſem Unfall davon, als einige geognoſtiſche Rückerinnerungen an die oberſte Erdſchichte, mit der ſie in unangenehme Berührung gerathen waren. Die Verwüſtung des eleganten Ballanzuges war übrigens nicht allzube⸗ trächtlich, da der Platzregen, welcher durch mehrere Stunden über der Stadt hinſtrich, ſchon vor der Stelle des Umſturzes ſeine Grenze gefunden hatte; deſſenungeachtet konnten die beiden Herren, die den Glanz der Stadt auf dem Dorfballe reprä⸗ ſentiren wollten, ſich nicht unmittelbar nach ihrer Ankunft im Dorfe auf dem Tanzboden zeigen. Da ſie Juſtinen's Haus verſchloſſen fanden, ſo fuhren ſie in den Hof des Dorfwirthshauſes und ſchlichen,
nachdem ſie den Hausknecht in ihr Intereſſe gezo⸗ gen, von ſeiner Laterne geleitet, ſo ſtill und heimlich als möglich in ein von der Tanzſtube entfernt ge⸗ legenes Kämmerchen, um hier unbemerkt die frü⸗ here Eleganz wieder zu gewinnen. Als ſich der Hausknecht mit ihren Kleidern und Schuhen für einige Zeit entfernte, gewannen ſie Muße, ſich in dem Kämmerchen bei dem Scheine der zurückgelaſ⸗ ſenen Laterne ein wenig umzuſehen. Es enthielt ein breites Himmelbett, zwei buntbemalte Schränke
und einige Laden. Es wehte ein ſüßer Duft durch den ganzen Raum, denn ein großer Theil des Fuß⸗ bodens war mit großen Kirmeßkuchen teppichartig belegt. Der Poſtmeiſter, lüſtern wie Eva, konnte der Lockung nicht widerſtehen, er ergriff einen Ku⸗ chen, brach ihn und gab dem Emilius davon, der es ſich auch ſchmecken ließ. Aber in dieſem Genuſſe wurden ſie plötzlich auf ſehr unerwartete Tritte näherten ſich auf dem Gange vor dem Kämmerchen und zwei bekannte Mädchenſtimmen wurden laut. Emilius blies ſchnell das Licht in der Laterne aus, ſchob den Poſt meiſter hinter das Himmelbett und zog ſich an ſei ner Seite auf eine möglichſt kleine Dimenſion zu⸗ ſammen. Kaum waren ſie ſo in Sicherheit gekom⸗ men, ſo traten auch ſchon die beiden Mädchen mit einer Kerze in die Kammer, die ſie ſorgfältig ver ſchloſſen. Babetten waren beim Tanze einige Falten ihres Kleides ausgeriſſen worden und Ann chen beeilte ſich, mit Nadel und Faden den Schaden ſchnell wieder gut zu machen. So leicht unſere Freunde im Verſteck auch bekleidet waren, ſo wurde ihnen doch nicht wenig heiß zu Muthe, als ſie mit angehaltenem Athem Zeugen eines Geſpräches wur⸗ den, das ſie ſelbſt zum Gegenſtande hatte. Die beiden Mädchen gaben und zwar nicht mit den freundlichſten Worten ihre Unzufriedenheit kund, welche ihnen das Ausbleiben der erſehnten Stadt⸗ gäſte verurſachte, aber aus jedem herben und der⸗
ben Worte war doch herauszuhören, daß eben dieſer
Flügel der Liebe an Schnelligkeit überbieten, in Unwille einem ſehr freundlichen Gefühle entſprun⸗
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