178 Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Folgen einer Entenjagd. Humoreske von g. W.
(Schluß.)
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Der Liebhaber und der Hageſtolz.
Durch den Regen in die— Traube.
G ißmuthig und mit tiefherabhängendem Haupte —Lſchritt der Herr Poſtmeiſter Peter in ſei⸗ nem mit allem erdenklichen Luxus ausge⸗
— ſtatteten Zimmer auf und nieder, während Emilius in einem niedrigen Fauteuil ſitzend,
7 trübſelig zu dem mit dichten Wolken ver⸗ hüllten Himmel hinaufblickte, der ſich die Feſttags⸗ paſſion machte, durch ganze Ströme von Regen jedes Ausflugsprojekt zu Waſſer werden zu laſſen.
„Wenn ſich das Wetter nicht bald ändert, ſo ſtopfe ich meinen neuen Frack mit Heu aus und ſtelle ihn in's erſte beſte Krautfeld,“ ſprach der Poſt⸗ meiſter, das lange Stillſchweigen brechend.
„Wenn Sie nur nicht ſo obſtinat wären,“ re⸗ plizirte Emilius,„Sie ſind doch im Beſitze eines gutgedeckten Wagens und fürchten ſich vor dem Bis⸗ chen Regenwetter? Was werden die guten Mädchen dazu ſagen, wenn wir nicht zur Zeit erſcheinen?“
„Bah!“ rief der Poſtmeiſter,„der Mädel hal⸗ ber laſſe ich mir nicht ein neues Geſchirr verder⸗ ben, und mit einem alten können wir, die Hono⸗ ratioren der Stadt, unmöglich fahren.“
„Dieſer Grund ſcheint mir ledern,“ entgegnete Emilius.„Es iſt eine Schmach, wenn wir wort⸗ brüchig werden, und wer vermag ſie abzuwaſchen? nicht einmal der heutige Regen, der mir der furcht⸗ barſte ſeit der Sündfluth zu ſein dünkt.“ Der Sprecher ſchloß mit einem tiefen Seufzer.
„Zum Kukuk! Sie ſind doch nicht verliebt?“ bemerkte der Poſtmeiſter, ſeinen Marſch durch das Zimmer unterbrechend.
„Je nun— vor Ihrer Perſon brauche ich kein Geheimniß daraus zu machen; die liebenswür⸗ dige Anna hat mein Herz mit dem allbeſeligenden Gefühle zarter Liebe erfüllt; ſie muß mein werden, und ſollte ich ſie aus Aetna's Krater während der Eruption holen!“
„Daß Sie ſich nur nicht die Finger dabei verbrennen,“ lachte der Poſtmeiſter aus vollem Halſe.„Hüten Sie ſich, Freundchen, Sie ſtehen am Ran tes Abgrundes.“
„Bitte, Herr Peter!“ replizirte Emilius — von ſeinem Llaſtiſchen Sitze ſich raſch erhebend, „glauben Sie etwa, meine Liebe iſt eine— Enten⸗
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„Ha Freundchen, viel beſſer wahrhaftig nicht!“ begutachtete der immer noch lachende Poſtmeiſter.
„Nun denn, werther Jagdgenoſſe,“ entgegnete
Emilius,„wie wäre es, wenn Sie mir jetzt benſo in dieſen Abgrund nachſprängen, wie ich
Ihnen dazumal in jenen? Babettchen würde eine gar ſtattliche Poſtmeiſterin abgeben.“
„Paperlapap!“ rief der Poſtmeiſter abwehrend, „ſo lange noch ein nobles Herz unter meinem wei⸗ ßen Gilet ſchlägt, wird nicht einmal eine unſerer Städterinen in dasſelbe einziehen, geſchweige denn eine Nymphe vom Lande.“
Gerieth der Poſtmeiſter einmal in üble Laune, ſo wurde er der abſolute Widerſpruch. Er konnte in ſolchen Augenblicken ſeinen eigenſten Wünſchen entgegenhandeln, wenn ſie ein Zweiter befürwortete. Emilius wußte das und ſo begnügte er ſich, kurz zu erwiedern:
„So laſſen Sie es bleiben. Erlauben Sie nur, daß der Wagen vorfahren darf, damit wir baldigſt zu den Kirmeßfreuden gelangen.“
„Nicht doch! gedulden Sie ſich, bis das Re⸗ genwetter etwas nachgelaſſen,“ replizirte der Poſt⸗ meiſter.„Am beſten wäre es wohl, wenn wir erſt Abends uns dahin verfügten; denn da gibt es einen luſtigen Tanz, den ich allenfalls aus Geſundheits⸗ rückſichten mitzumachen pflege; für die rieſigen Freu⸗ den einer ländlichen Kirmeßtafel ſind wir ohnehin nicht geſchaffen. Unterdeſſen brechen wir einigen Fläſch⸗ chen den Hals, bis uns Freund Hesperus von dieſer halsbrecheriſchen Beſchäftigung abruft.“
Emilius fügte ſich in ſein Schickſal.
Freundchen Poſtmeiſter langte nach einem Re⸗ genſchirm, und Emilius unter ſeinen Schutz neh⸗ mend, trabte er, ein Liedchen trällernd, hinaus. Als die Beiden auf der Gaſſe fürbaß ſchritten, ſahen ihnen die Leute laut lachend nach, wie ſich unter dem Schirme der Eine duckte, der Andere aber in die Höhe dehnte. Sie verſchwanden in der Weinhandlung„zur Traube“.
Die Ehrenmänner.
Juch! welche flotte Zeit, Juch! welche tolle Freud', Kirmeß iſt heut!
In dem Dörfchen, wo Tante Ju ſtine bereits ſeit mehreren Tagen ſchöne Kirm'skuchen gebacken hatte, ging's äußerſt luſtig zu. 8.
Da wurde gekocht und gebraten, daß den qual⸗ menden Feuereſſen die Köpfe wackelten; dabei ſchien hier die Sonne mit ihrem milden Herbſtlichte un⸗ getrübt hernieder auf das muntere Treiben, dem ſich Alt und Jung mit froher Laune ergab.
Es war hoher Mittag.
Die kirmeßſtolzen Bauern ſchritten, die Hände in den Hoſentaſchen, gravitätiſch ihren Wohnungen zu, darin die geſchäftigten Hausfrauen mächtige Schüſſeln und rieſige Bratpfannen zur Tafel tru⸗ gen. Auch unſer Tantchen wollte derlei, ach ſo gut zubereitete Schüſſelchen auftragen, und hatte ſchon zum wiederholtenmale hinausgelugt, um die Per⸗
ſonen zu empfangen, die ihre bewährte Kochkunſt
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