Heft 
(1859) 6 04
Seite
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Volkstrachten in Oeſterreich.

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Volkstrachten in Oeſterreich. 1.

Tracht des Egerländers. Von einem Egerländer. Pnſer Egerländer trägt eine blaue, grüne r oder braune Tuchjacke, die eben ſo nett als

S kurz iſt, ſchwarze bocklederne, weite Pump⸗

2 hoſen, die knapp bis unter die Achſeln hin⸗ aufreichen und mittelſt eines ſtarken, ſchwarz⸗ ledernen, meiſt mit reicher Stickerei gezier⸗ ten Hoſenträgers, der an einem gro⸗ ßen vergoldeten Meſſingknopfe v. 2 bis 2 ½ Zoll Durchmeſſer und an zwei kleineren von circa 1 bis 1 ½ Zoll Durch⸗ meſſer haftet, feſt⸗ gehalten werden. Unter dem Trä⸗ ger befindet ſich ein kurzes Leib⸗ chen meiſtens von ſchwarzer Farbe. Um den Hals ſchlingt ſich ein ſchweres ſchwar⸗ zes Seidentuch, das dort gebun⸗ den iſt, wo unſern Ahnen einſt der Haarzopf hing. Auf dem Kopfe trägt der Eger⸗ länder einen run⸗ den Filzhut, auf dem derHolz⸗ ſtoß ein Ge⸗ hefte von handbreiten ſchwarzen Seidenbändern angebracht iſt. Auf den Hüten der alten Junggeſellen erblicken wir noch hie und da ein ſchmales rothes Band. Im Winter trägt der Bauer ſtatt des Hutes eine Pelzmütze von grünem Sammt mit Fiſchotter⸗ Ausſchlag. Im Sommer und Winter ſehen wir den⸗ ſelben in einen grünen oder braunen Kragenmantel von 89 Ellen feinen Tuches gehüllt. Die Füße bekleidet er mit ziegenledernen Stiefeln, welche ſo knapp anpaſſen, daß man oft nicht weiß, ob man mehr die Geſchicklichkeit der Erzeuger oder des An⸗ ziehers bewundern ſoll. Ueber der Thüre eines Wirthshauſes las man

Erinnerungen, 1859.

vor nicht langer Zeit unter Glas und Rahmen folgenden Vers:

Nach Neuerungen ſtreben

Fall' keinem von uns ein;

Hübſch feſt am Alten kleben

Soll unſer Wahlſpruch ſein!

Aber es ſcheint, daß wenig Gäſte in die zur Fer⸗ tigung in dieſem Sinne auf der braunen Geſchirr⸗ bank aufliegenden Liſte ihre Namen zeichneten, denn dieſe eigenthümliche kleidſame Nationaltracht iſt im⸗ mer mehr im Verſchwinden, obſchon für deren Beibehaltung von Vorgeſetzten das Möglichſte ge⸗ than wurde. Auch Seine Eminenz, der hochwürdigſte

Herr Kardinal⸗ Fürſt⸗Erzbiſchof von Schwar⸗

zenberg, for⸗ derte vor mehre⸗ ren Jahren bei der Ankunft im Egerländchen zur Beibehaltung der Volkstracht auf, als 50 Egerlän⸗ der zu Pferd im Nationalkoſtume Se. Eminenz bei der Bezirksgrenze nächſt dem Dorfe Gaßnitz empfin⸗ gen. Es läßt ſich profezeihen, daß dieſe Tracht in wenig Jahren nur noch ein Schau⸗ ſtück alter oder armer Großväter ſein wird, da jetzt ſelbſt Männer mit grauen Haaren noch aufangen, die Moden der Städ⸗ ter nachzuahmen.

Die Egerländerinen tragen meiſt dunkle Kopf⸗ tücher, welche ſo um den Kopf gebunden werden, daß kein Haar vorſieht. Das ausgeſchnittene Mieder iſt mit goldenen oder ſilbernen Stickereien geziert; die Jacke mit dem gefältelten Kragen ſchließt ſich eng an; der faltenreiche Rock fällt bis auf die Knöchel herab, und wird zum größeren Theile von der breiten und langen faltenloſen Schürze bedeckt.

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