Heft 
(1859) 6 04
Seite
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Geh' hin und ſündige hinfort nicht mehr.*)

Dieß Weib, es ward auf off'ner That betroffen, Als es dem Gatten ſchnöd die Treue brach; Sag,, welche Strafe trifft die arge Schmach? Darf dieſe Sünderin Verzeihung hoffen?

So frug der Heuchler Schaar. In Strömen troffen Des Weibes Zähren, das zuſammenbrach.

Ernſt blickt der Herr. Das Herz deß, der ſo ſprach, Der Sünd'rin Herz ſie liegen beid' ihm offen.

Er ſpricht voll Ruh':Bei Gott iſt das Vergeben, Wer rein iſt, ſoll den Stein auf ſie erheben. Bald war die Halle von den Heuchlern leer.

Wo ſind ſie, die zu richten ſich vermeſſen? Du haſt bereut, die Schuld iſt Dir vergeſſen, Geh' hin und ſündige hinfort nicht mehr.

Dolce ſar niente. Ein volkswirthſchaftliches Apergu

von Dr. Cheophil Pisling.

AADas5: A 2 1. G& üßer Müßiggang! Welcher Zauber liegt in (Mieſem Worte! Wie Manchem mag es als Ss letztes Ziel ſeiner Hoffnungen, als das Ideal S einer beſſern ſchönern Zukunft erſcheinen! Ar⸗ es beiten wir nicht alle, um dann müßiggehen zu können? Erſcheint dieſer Hang zum Mü⸗ ßiggang, mit dem wir auf die Welt kommen, durch⸗ aus als kein verwerflicher? Die Natur iſt uns mit ihrem Beiſpiele vorangegangen, und beinahe alle Geſetzgeber haben dieſem Hange Konzeſſionen gemacht; und dennoch iſt es nicht blos das Sprich⸗ wort, ſondern auch die Erfahrung, die uns lehrt, Müßiggang aller Laſter Anfang, und Rouſ⸗ eau behält ewig Recht, wenn er behauptet:Riche u pauvre, puissant ou faible: tout citoyen isif est un fripon.(Reich oder arm, mächtig oder chwach jeder müßige Bürger iſt ein Schelm.) Das ſehen auch alle Vernünftigen ein, und dennoch verden von ihnen neunundneunzig unter hundert on dem paradieſiſchen Zuſtande des Nichtsthuns räumen, von jenem Eldorado der goldenen Aepfel, die ſo tief herabhängen, daß man nur die Hand auszuſtrecken braucht, oder gar von den gebratenen Tauben, die in den Mund fliegen, wobei man ſo⸗ gar die Hände im Schoße liegen laſſen kann. Aber die Volkswirthſchaftslehre bewegt ſich glücklicherweiſe

*) Zu der Bilder⸗Beilage dieſes Heftes. Das Original zu unſerer Pylografie, ein Aquarellgemälde von E. Cor⸗ bauld, befindet ſich in der k. Sammlung zu Osborn. Prinz Albert hat voll Anerkennung des Talentes, das ſich in dieſem Gemälde ausſpricht, den Maler zum Zei⸗ chenlehrer der k. Hoheiten, Seiner Kinder, erwählt.

Dr. Theophil Pisling: Dolce far niente. 175

auf einem reelleren Boden als dem der goldenen Aepfel und gebratenen Tauben, und darum dürfte es ihr am früheſten gelingen, den Schlüſſel zu die⸗ ſem Räthſel zu finden und den Widerſpruch zwi⸗ ſchen einem Geſetze der Natur und des Verſtandes aufzuklären.

Vor allem gibt es keinen abſoluten Müßig gang, denn eben ſo wenig als Zeit und Natur ſteht die Thätigkeit des Menſchen einen Augenblick ſtill. Stillſtand der Thätigkeit iſt gleichbedeutend mit Tod. So lange der Menſch lebt, treibt ihn der Drang der Selbſterhaltung zur Thätigkeit, nur iſt der Prozeß derſelben eben nicht immer ſichtbar und vollbringt ſich oft, wie die große Thätigkeit der Natur, in geheimen Werkſtätten. Weſentlich unterſchieden von der bloßen Thätigkeit, die ebenſo konſumirend als produzirend ſein kann, iſt die Arbeit. Zur Arbeit wird die Thätigkeit erſt durch die Intention des Schaffens, durch ein Ziel, das ihr geſetzt wird und welches wir gewöhnlich Produkt nennen. Um dieſes Ziel zu erreichen, muß ſich die Thätigkeit mit der Anſtrengung ver⸗

binden; dieſe Verbindung von Thätigkeit und Mühe

bildet das Weſen der Arbeit. Das Maß der Thä⸗ tigkeit beſtimmt die quantitative, das der Mühe die qualitative Größe des Produktes. Das Streben der Intelligenz iſt, die Qualität des Produktes zu

verbeſſern und die Mühe zu vereinfachen. Die Na⸗

tur der Mühe, nicht aber die der Thätigkeit, be⸗ ſtimmt auch den Charakter der Arbeit; die Thä⸗ tigkeit iſt ſtets mehr eine phyſiſche, die Mühe mehr eine geiſtige. Jemehr letztere überwiegt, deſto edler iſt die Arbeit. So iſt z. B. bei der geiſtigen Arbeit die Mühe der Konzeption, des Denkens der über⸗ wiegende Faktor, die Thätigkeit des Niederſchreibens der ſekundäre. Iſt ohne Thätigkeit keine Exiſtenz möglich, ſo wird ſie durch Arbeit erleichtert. Der Philoſoph Hobbes ſagt:Gott hat die Mittel zur Nahrungund Erhaltung rings umher um uns niedergelegt, aber es bedarf der Arbeit und des Gewerbefleißes, um ſie in Empfang zu nehmen; der Wohlſtand eines Volkes hängt von ſeiner Ar⸗ beit und ſeinem Fleiße ab. Sein berühmter Geg⸗ ner Locke ſtimmt mit ihm hierin überein:Wenn wir die Dinge, ſagt er,welche wir gebrauchen, näher betrachten und unterſcheiden, was die ur ſprüngliche Natur, was die Arbeit für ſie gethan hat, ſo werden wir bei den meiſten finden, daß neunundneunzig Hundertſtel davon ganz auf Rech nung der Arbeit zu ſtehen kommen. Der Menſch erhält Eicheln, Waſſer, Thierfelle und Blätter aus der unmittelbaren Hand der Natur, aber der Unter⸗ ſchied, welcher zwiſchen Eicheln und Brod, Waſſer und Wein, Fellen und Blättern und Tuch und Seide herrſcht, iſt einzig und allein der Erfolg der Arbeit.

Das was wir im gewöhnlichen Leben Müßig⸗ gang nennen, iſt daher nicht Unthätigkeit, denn eine ſolche gibt es nicht, ſondern Mangel an Ar⸗ beit. Entſteht dieſer Müßiggang durch das Fehlen