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4 Karl Guſtav Meyer: Die Sage vom Otterkönkge mit der goldenen Krone.
ſie und ich fühlte eine warme Thräne auf mei⸗ ner Hand.
Alſo ſie war es, ſie, die ich geliebt. Darum hatten mich ihre Augen ſo bekannt angeſprochen. Aber wie verändert war ſie, dieſe einſt ſo blühende Geſtalt. Wir ſtanden an einem klaren Baſſin. Ich ſah die Bilder von uns beiden auf der ruhigen Waſſerfläche abgezeichnet. Ich war ja auch ein Greis geworden.
Jetzt, da Jahre über unſerer Trennung la⸗ gen, konnte ich ruhiger denken und ſprechen, und ich bekannte ihr offen die Qual, die ich damals empfunden und wie ſchwer mir das Scheiden war, und daß ein Knopf mein Geſtändniß zurückgehalten.
Sie ſchwieg lange und Thräne rann auf Thräne teber ihre bleichen Wangen. Dann geſtand ſie mir, daß ſie mich geliebt, warm und innig ge⸗ liebt, daß ihr mein Scheiden das Herz gebrochen, daß ſie in eine lange Krankheit verfiel und daß ſie nach ihrer Geneſung dem Wunſche ihrer Mutter, welche die Tochter verſorgt wiſſen wollte, nicht wi⸗ derſtehen durfte. Sie hatte einen Kaufmann gehei⸗ ratet, ihre Ehe war nicht geſegnet, ſie mußte vie⸗ les, vieles leiden, ſie wurde Witwe, hatte keine Kinder, die ſie für manchen Schmerz hätten ent⸗ ſchädigen können.
Wie mir war, als ich dieſes hörte, kann ich nicht beſchreiben. Der Knopf, der Knopf oder viel mehr meine Unentſchloſſenheit, mein alberner Aber glaube hatten uns beide um unſer Lebensglück betrogen.
Die Sage vom Otterkönige mit der goldenen Krone.
Erzählt von Karl Guſtav Meyer.
n der niederen Stube einer abgelegenen Wald⸗ hütte des Erzgebirges ſaß vor gar langer Zeit Marget, die alte Witwe eines ſchon vor Jahren verſtorbenen Holzhauers, hinter ihrem - Spinnrade und warf von Zeit zu Zeit ſpähend den matten Blick durch die trüben Fenſter⸗ ſcheiben, als ob ſie Jemanden erwartete.
Es war in den letzten Tagen des Spätſom⸗ mers, dieſer für die Gebirgsbewohner ſo genuß⸗ reichen Zeit, wo die durch die Sonne ausgebrann⸗ ten Haideſtrecken ſich wieder mit friſchem Grün bekleiden, Maßliebchen und Waldglocken und alle die buntfärbigen Blumen auf's Neue ſproſſen und blühen, der Schlehdorn und die Hagebutte ſich mit ihren Früchten ſchmücken und die Bäume des Wal⸗ des den würzigſten Duft, aushauchen.
Es mochte der Nachmittag ſchon weit vorge⸗ rückt ſein; die Schatten der hie und da vereinzelt auf der Haide ſtehenden Bäume dehnten ſich zu
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Rieſengeſtalten, die in grotesken Formen über das üppig und ſchwellend aufgeſproßte Gras hin und her wogten, da ein leiſer Wind über die Haide ſtrich. Von dem klaren Bache, der ſich durch die niederen Gebüſche ſchlängelte, erglänzte ſtellenweiſe das ſcheideude Sonnenbild in zuckenden Strahlen wieder. Am nahen Hügel, gebildet aus taubem
Geſteine und lockerem Gerölle des nahen Eiſenſtein⸗ ſchachtes, ſonnten ſich noch die grünlich ſchillernde
Eidechſe und die braungefleckte Haſelotter, welche
aber furchtſam ziſchend in die nahen Geklüfte hin⸗ einſchlüpften, als Menſchentritte hörbar wurden und vom nahen Walde her ein junger Mann kam, deſſen Geſchäft man auf den erſten Blick an der über die breiten Schultern hängenden Säge und der ſcharfen Axt in der ſehnigen Rechten erkannte. Es war ein Holzhauer, der eben von ſeiner mühe⸗ vollen Arbeit heimkehren mochte.
Der junge Mann mußte die Haſelotter bemerkt haben, denn als er dem Gerölle näher gekommen, blieb er lauſchend ſtehen, neugierig ob das Gethier
etwa wieder hervorkriechen möchte; als er jedoch längere Zeit geſtanden, ohne daß ſeine Erwartung
befriedigt wurde, ſchritt er langſam der Hütte zu, aus deren Thüre eben das alte Mütterchen trat. Sie ſetzte auf den runden Steintiſch vor derſelben einen mächtigen Milchnapf und begrüßte den An⸗ kommenden freundlich mit den Worten: „Du biſt heute länger geblieben als gewöhn⸗ lich, Joſef; die Röſe war ſchon hier und hat nach Dir gefragt.“ Bei der Mittheilung der letzten Worte ſchien ein Strahl der Freude über das Geſicht des jun⸗ gen Mannes zu fliegen, denn mit ſichtbarem Ver⸗ gnügen reichte er der Mutter die ſchwielige Hand, (legte das mitgebrachte Werkzeug ab und ſetzte ſich auf die zunächſt des Steintiſches gerückte Bank, indem er lächelnd erwiederte: „Ja, ja, Mutter, Röſe iſt doch ein gutes Kind, und ich hahe ſie auch recht lieb, und gewiß! längſt würden wir ſchon ein Paar geworden ſein, wenn wir Beide nur nicht gar ſo arm wären; aber ſo—“ fuhr Joſef wieder düſterer werdend fort—„ſo wird es wohl noch einige Zeit dauern, ehe dieß geſchehen kann, außer— ich habe einmal das Glück den Otterkönig zu treffen und ſeine Goldkrone zu finden. Nun, hiezu kann doch Rath werden, da ich den Ort jetzt weiß, wo ſich der Otterkönig aufhält. Ich habe heute ſchon mehrere ſeiner Diener geſehen,— und wo dieſe ſind, da iſt der König auch, oder wenigſtens nicht weit.“ „Und Du meinſt,“ fiel Marget ein,„das werde ſo leicht gehen, wie Du Dir es einbildeſt? Siehe Joſef, ich bin alt geworden hier in der Hütte, und auch Dein Vater, Gott habe ihn ſelig! aber weder wir noch Einer unſerer Bekannten ha⸗ ben den Otterkönig getroffen, wenn er ſeine Gold⸗ krone abgelegt und ſich mit ſeinen Genoſſen im falben Mondſcheine erluſtiget hat. Wohl hat Deine


