Blos auf eine Perſon ſchien die Feier dieſes Tages keinen Einfluß zu haben: wie ſonſt ange than mit dem langen grünen Pelzrocke, der ſo alt wie er ſelber ſchien, und ſtill und ruhig ſinnend wie gewöhnlich, ſaß der Bachelor, der Braut vater, an ſeinem gewöhnlichen Platze auf der Veranda in ſeinem hohen Schlaſſeſſel.
Die Frage: ob er mitfährt, der Alte? die im Saale oben mit Ja und Nein abgehandelt wurde, war in dieſem Augenblicke auch Gegenſtand einer ernſten Beſprechung zwiſchen den Brautleuten.
„Ich werde es verſuchen, aber ich weiß, es iſt nutzlos, da Deine Bitten nichts fruchteten——“ ſprach endlich der Vicomte unmuthig.
„Gehe nur und bezwinge Dich zum Bitten! es iſt der Leute wegen!“ ſprach die Frau ſchmei chelnd und ſah dem verdrießlich über die Treppe Steigenden zärtlich nach.
Was war das für ein räthſelhafter Schauer, der ihre Glieder durchrieſelte, als ſie die ſchlanke Geſtalt um die Treppenecke biegen und verſchwin den ſah?
Sie ſtand eine Weile gedankenvoll und war es weibliche Neugierde, die ſie bewog, lang ſam und lauſchend die Stiege niederzuſteigen, oder war es eine Ahnung, die ſie niederzog— ſie hörte den Vicomte ſprechen, bittend, eifrig und ein dringlich und plötzlich einen Schuß, einen wil den, kreiſchenden Schrei und einen ſchweren Fall.
Mit einem Satze war ſie in der Vorhalle ein erſchütternder Wehruf durchdrang die Hausflur und aus allen Thüren ſtürzten Dienerſchaft und Gäſte hervor,
Ein entſetzliches Schauſpiel bot ſich ihren Bli⸗ cken: der Vicomte lag mit zerſchmettertem Haupte auf dem Pflaſter der Veranda, über ihm lehnte ohnmächtig die lebloſe Geſtalt der Gutsfrau und dieſer traurigen Gruppe gegenüber in dem hohen Großvaterſtuhle ſaß wie ſonſt bleich und regungs los der alte Bachelor, weit zurückgelehnt in die weichen Lederkiſſen todt.
Seine ſtarre magere Hand hielt noch feſt das Piſtol umſchloſſen, das er gegen den Flüchtling ab gefeuert, und auf ſeinen ſtarren Zügen lag neben⸗ der Ruhe des Todes der Ausdruck tiefer Zufrie „denheit.
Er war geſtorben, wie er gelebt— Hüter der Hausehre.
ein treuer
Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Der Knopf.
Novellette von f. M. Winternitz.
or vierzig Jahren! Ich war damals Student! Sie werden es ei nem alten Manne nicht verargen, wenn er in Ver zückung geräth. bei der Erinne rung an ſeine Ju gendzeit. Iſt es doch eine bekannte⸗ Wahr⸗ heit, daß der Menſch erſt X‿ dann ein Gut zu ſchätzen HNweiß, wenn er es nicht —mehr hat, und die Jugend ‚Piſt doch ſo ſchön! Mir iſt, als hätte die Welt . ſeitdem eine andere Farbe angenommen. Die Wieſen grünten und blühten damals anders, heller, duf tiger; der Vogelſang in den Zweigen ſchallte lau ter und freudiger; die Erde ſchien größer und reicher, und ſelbſt“ die Sonne deucht mir jetzt abgenützt und kalt gegen jene Sonne, deren Auf gang ich oft mit meinen Liedern begrüßte. Und ich war Student. Das galt etwas zu jener Zeit. Ein Student war der freieſte und glücklichſte Menſch auf der lieben Gotteserde. Sein Schritt war ſicher und feſt, als wäre der Boden, den er trat, ſein Erb⸗ und Eigenthum, ſein Blick war kühn und leuchtend, die Mode der Gläſer hatte ihn noch nicht getrübt und verwäſſert. Was ſind die Stu denten jetzt? Sie ſchreiten langſam und gravitä tiſch einher, den Cylinder auf's Haupt gethüymt, Brillen auf der Naſe, ſteife Vatermörder um den Hals, Glaceehandſchuhe an den Händen. Man meint, ſie gingen mit der Miene eines Cato censorius auf einen Hofball oder jeder von ihnen wäre be⸗ reits Doktor, noch bevor er ſeine Naſe in ein collegium logicum geſteckt hat.— Halt! Ich glaube, ich laſſe mich von meiner Gewohnheit zu räſonni ren wieder fortreißen. Am Ende will ich die Ju⸗ gend tadeln, weil ich alt geworden bin. Mir ſcheint, zu meiner Zeit haben die Alten auch über uns geklagt und ſo mag's fortgegangen ſein bis auf Adams Zeiten. Nun, ich will der jetzigen Genera tion nicht unrecht thun und man wird mir's nicht anrechnen, wenn ich meine Zeit für die beſſere halte, weil— ich damals jung war. Nun iſt mein Haar grau, die Laſt der Jahre


