Heft 
(1859) 6 04
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bof aber Vicomte, uut ge⸗ ſch Ales

Der Hüte

r der Hausehre. 167

werde, die nur durch die offene die bendun des Vicomte mit der Witwe oder Tochter ihrer öffent⸗ lichen Beſtätigung bedurfte.

Wenn aber dieſe Frage ſchon die Umwohner Pfauenhofs beſchäftigte, wie mußte ſie dieß die Be⸗

wohner 11 Schloſſes und namentl lc die Bethei⸗

ligten?

Während aber Frau und Tochter ihre kleinen, hierauf bezüglichen Geheimniſſe tief und ſorgfältig verbargen, wurde der Gegenſtand derſelben Tag für Tag oder beſſer Nacht für Nacht an einem Orte ſorgſam und umſtändl ich in Erwägung und Berathung gezogen, wohin er ſeiner Natur nach wohl am wenigſten gehörte: in dem Stalle

Jede Bewegung des Franzoſen, jede Aeuße⸗ rung desſelben kam allnächtlich vor das geheime Forum der modernen Vehnne auf Pfauenhof, und je weniger ſich mit der Zeit die Ueberzeugung feſt⸗ ſtellte, daß von einemVerlaſſen auf die weibli⸗ chen Bethei iligten eine Rede ſein könne, deſto befe⸗ ſtigter ward die Anſicht der Verbündeten, daß nur durch ihr inniges Zuſammenhalten einem Ereig⸗ niſſe vorgebeugt werden könne, das aus dem Flücht⸗ ling das wirklich machen konnte, was er ſchien: den Herrn.

Wie und wo ſich der gewandte Franzoſe die ſeinem Nationalcharakter ſonſt ſo fremden ökonomi⸗ ſchen Eigenſchaften angeeignet, die nach und nach hervortraten, zum allgemeinen Erſtaunen der verblüfften Verbün⸗ deten nahm der ariſtokratiſche Flüchtling, von Nie⸗ manden beanſtändet, die Zügel der kleinen Regie⸗ rung mit ſo viel Feſtigkeit und einer ſolchen auf⸗ fallenden Kenntniß der Umſtände in die Hand, daß der moraliſche Widerſtand der kleinen Leute, der anfangs ein unbeſiegbarer geſchienen, nach und nach auf jenes Nichts zuſammenſchrumpfte, das man mit

wußte Niemand zu errathen, aber ſein konnte, Herrn

zu bringen.

Tag für Tag trat der Einfluß des Vicomte auf dieHerrſchaft offener hervor und Tag für Tag legte er einen Stein zu dem Baue ſeiner Pläne aber Nacht für Nacht führte nim⸗ mermüde die Schaar der Verſchworenen unter Lei⸗ tung des alten Bachelor ihre Gegenbaue auf, und ſo unerſchütterlich war das werirälen zu der Umſicht des Alten, daß, als von allen Seiten her Kunde auf Kunde kam, wie des Fremden Einfluß rieſig anwachſe und wie es nur eines Kleinen mehr bedürfe, um ihn offen zumHerrn zu machen, wie er es in der That im Geheim war, der Gleich⸗ muth der Verbündeten nicht im Mindeſten erſchüt⸗ tert wurde: ſie ſahen dem Ausgange getroſt ent⸗ gegen; ſie wußten ja den Altenauf der Wacht.

Der Winter war vergangen, der Schnee der Berge geſchmolzen und in mieeſbe Well engeſtalt hinab in's Land den Bächen, Flüſſen und dem Meere zugezogen.

Es war an einem Frühlingstage, zeitl ich frühe, als zur höchlichen Verwunderung von männiglich der bereits wachen und beſchäftigten Schloßbewoh⸗ nerſchaft ein Mann in einem ſo ſchnellen Gange durch die Lindenallee dem Schl oſſe Pfauenhof zu⸗ ſchritt, daß unwillkürlich Jeder in der Arbeit ein⸗ hielt und ſich die Frage, ſtellte was wohl im Stande Gſangel ſo vollſtändig aus ſei⸗ nem gewöhnlichen, Reſpekt erheiſchenden Amtsſchritte Denn dieß war beſagter Mann. Doch der Herr Verwalter ſchien weder die

verwunderten Blicke, die ihm allſeitig nachfolgten, noch

der BenennungRäſonniren genügend bezeichnet.

Dieß war jedoch bei einer Perſon nicht der Fall, von deren Alter man wohl die wenigſte Wierſiandſihiateit verhofft hätte, bei dem Ba⸗ chelor nämlich.

Still aber unermüdet beobachtete er ein vorſichtiger, kluger Feldherr von ſeinem Schlaf

ſtuhle aus das Schlachtfeld, das zu behaupten er geſchworen, und ſeinem ſcheinbar ſchläfrigen, aber deſto wachſameren, ſcharfen Auge entging nichts, kein Blick, kein Wort und keine, ſelbſt nicht die vorſichtigſte, leiſeſte Bewegung des Feindes.

88 verging Tag um Tag.

Es iſt eben die Trauerzeit eine ungeeignete für d That, aber die angemeſſenſte für den Ge⸗ danken, die Mutter derſelben.

Welcher Art jene des Vicomte ſein mochten, war unſchwer zu errathen, indem ſie offenbar dar⸗ auf ausgingen, das hier gefundene herrenloſe Aſyl zu ſeinem Eigenthume zu machen und hier im Walde Erſatz für das zu finden, deſſen ihn jenſeits des Rheins dasVolk beraubt.

die reſpektvollen Grüße zu beachten, mit denen er auf jedem arit beehrt wurde: wie eine ab⸗ geſchoſſene Kugel, pfeilſchnell und gerade ging er dem Hofe entlang dem Stalle zu und verſchwand unter deſſen offen gähnender F lugel thüre.

Nach einer kleinen Weile kam aus derſelben ein junger, höchſt mangelhaft gewaſchener und be⸗ kleideter Burſche heraus, der auf das Herrenhaus zuging und in deſſen oberes Stockwerk hinaufſtieg, obgleich nicht anzunehmen war, daß ſein Beſuch der Herrſchaft gelten konnte. Er ſchlich auch an deren

Zimmern leiſe und auf den Zehen vorüber und klopfte

an die

Thüre des Zimmerchens an, in das ſich ſeit

Jahren der alte Bachelor zurückgezogen hatte.

Bald darauf kam der Burſche eilig wieder zu⸗ rückgeſprungen und, vermuthlich in Folge einer von demſelben überbrachten Botſchaft, ſah man unmittel⸗ bar darnach Gſangel dem Schloſſe zuſchreiten und in dem Gange verſchwinden.

Es mochte eine gute Stunde vergangen ſein, als der Verwalter wieder herabkam und wieder den Heimweg nach Watendorf einſchlug.

Wer den würdigen Herrn bei ſeiner Ankunft und jetzt bei ſeinem Abgange genau beobachtet hätte, dem wäre der völlig geänderte Ausdruck ſeines gan⸗