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Der Hüter
der Hausehre.
treuherzigen blauen Augen unbefangen den verwun⸗ derten Blicken der ſonderbar zuſammengewürfelten Geſellſchaft, und da ex ſich gewiſſermaßen gedrängt fühlte, ſich auf eine ausführlichere, beſtimmtere Art einzuführen, ſprach er leiſe, aber feſten Tones:„Das Alter theilt ſich gerne mit, es iſt geſchwätzig, wie das Sprichwort ſagt. Wenn es dießmal, in mei⸗ nem Falle nämlich, Recht hat, ſo mag es darum ſein, denn es handelt ſich um einen guten Zweck, um die Wahrung der Ehre dieſes Hauſes! Kann ich reden, wie ich will, Herr Bachelor, und darf ich mich hier ausſprechen?“
„Gewiß! es ſind war die Antwort.
„Nun denn,“ begann der Gouverneur,„ſo hö⸗ ret.— Der Herr Vicomte iſt ein für immer rui nirter, heimatloſer Mann, wie es heute deren zu Tauſenden ſeiner Standesgenoſſen gibt, die, zerſtreut in aller Herren Länder, das bittere Brod des Mit leids und d. Verbannung eſſe n. Er lernte Euren Herrn in Koblenz kennen und nahm deſſen Erbie⸗ ten, ihm hier ein Aſyl zu gewähren, dankbar und mit Freuden an.“
Der alte Chamlores begegnete mit ſeinen erzig 2
nur ſichere Leute hier!“
Er hielt eine Weile inne, als ſei er mit ſich uneinig, wie und ob überhaupt das mitzutheilen wäre, was nun kommen mußte.
„Nur weiter,“ ermunterte ihn der alte Ba⸗ ſchelor,„macht es kurz, man kann ja mit wenig Worten viel ſagen.“
Der Gouverneur fuhr fort:„Er mochte wohl 8 beſten u Willens voll und dankbaren Herzens her⸗ kommen ſein, damals: die auffallende körperliche Verkommenheit des kränklichen Gutsherrn, die ihn auf dieß Aſyl könne auf eine oder die andere Art ſein Eigenth hum— und der heimatloſe Flüchtling hier Herr werden: dieß iſt es, was ihn beſchäf⸗ tigt, Tag und Nacht—— ich kann dieß ſagen; denn er hat es mir verrathen— im Schlafe— im Traume.“
Die Geſellſchaft hörte geſpannt und faſt athem⸗ los zu.
„Was ſoll ich weiter ſagen?“ fuhr der Alte fort;„hr wißt es, wie ich, daß die Spanne Zeit, ſeit wir hier weilen, dem ſchlauen Franzmanne ge⸗ nügte, ſich dem Herrn unentbehrlich zu machen und Ihr wißt vielleicht auch, daß heute Pfauenhof— Dank dem Unterrichte des ſchlauen Franzoſen, der Schauplatz nächtlicher O des Rheins wohl unbekannt geweſen,
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hier gewiß
in dieſem ſtillen Waldwinkel— und zwar von Orgien, die den kränklichen Gutsherrn aufreiben müſſen— und ſollen. Ob es mehr dem Gat⸗
ten gilt, als dem Vater, oder nur dem Gutsbe⸗ ſitzer, weiß ich nicht zu entſcheiden. Bis zur Stunde wenigſtens noch nicht.— Gott vergebe mir, wenn ich eine Verleumdung ausſpreche.“—
heute iſt es anders. Iſt
die Idee brachte,
Der alte Mann hielt erſchöpft inne und er⸗ wartete den Erfolg ſeiner Mittheilung.
„Ihr habt Alles ge eſagt, wenn auch nicht ausgeſprochen, 8 amleres!“ erwiederte der Ba⸗ chelor nach einer langen, gedankenvollen Pauſe darauf;„der ſchlaue Franzoſe rechnet gut und ver⸗ läßlich: ein verſchlafener Morgen, ein üppiger Mit⸗ tag, ein mit hitzigem Jagen erſchlagener Nachmit⸗ tag und eine unter Orgien durchwachte Nacht tref⸗ fen ſo ſchnell und ſicher, wie eine meuchleriſche Ku⸗ gel, beſonders wo es an widerſtandsfähiger Kraft und Geſundheit fehlt! Was wird es heute wieder abſetzen, ſie ſind noch nicht daheim?“
„Ich denke, ſie kommen!“ meinte der Binder, „ich höre Pf erdege trappel!“
V Ein wildes, heiſeres Rufen erſcholl im ſelben Momente von dem Schloſſe her;— unwillkürlich ſtand der Bachelor raſch vom Sitze auf und horchte ſcharf nach der Schloßgegend hin:„Ruft V man nicht nach mir?“ 4
„Herr Bachelor! Herr Bachelor!l“ er
ſcholl es jetzt ganz vernehmlich draußen. Der alte Mann ſchritt raſch durch den Stall. An der Thüre ſtürzte ihm eine Magd athemlos entgegen: Um Gotteswillen, Herr Vater, kommen Sie herauf in's Schloß, es iſt etwas Entſetliches , 4 T
geſchehen!“ 8* „Was denn? was iſt geſchehen 3 durcheinander. „Der gnä' Herr hat ſich V en, d
iſt mit ihm geſtürzt!“ kreiſchte di N J Mit einem Rufe des Entſetz zens ſtürzt die
Geſellſchaft der Stallthüre zu und auf den Sch hloß⸗ platz hinaus.
„Die Saat geht auf!“ ſeufzte der alte Cham⸗ leéres kummervoll, Pndenn er langſam nachging— „ich ahnte es, ſie mußte eine böſe werden!“
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bung!“— Der Mann, der dieß ſprach, und zwar V in einem Tone, der keinen Widerſpruch litt, war der Vicomte.
aus drei Perſonen, die das Schickſal Schmerzenlager vereint, obgleich ihre Intentionen ziemlich auseinandergehende waren: die Gutsfrau nämlich, der alte Bachelor und Hedwig—
durch einen jener Witze,
Niemand fand für gut, dieſe Behauptung des Vicomte zu beſtätigen oder anzufechten; Alies herur mit fieberhaft geſpannter Erwartung. des erſten l au⸗ ten Athemzuges des bisher noch immer wie leblo
Kundgebungen, die Furcht oder Hoffnung auf ihr richtiges Maß zurückführen mußten.
glückliche regte ſich nicht.
Braun
„Ich verſichere Ihnen, es iſt nur eine Betäu⸗
8* 2„* ℳ Das Publikum, zu dem er es ſprach, beſtand
ſo häufig zu machen liebt, an dieſem.
im Auge nblicke eine weiße Roſe, umſtanden dasſelbe. drgien iſt, die ſonſt dieß ſeits
8 5 Daliegenden und hiernach dinse jener pſychiſchenn
och Minute auf Minute verrann— der Un⸗


