Heft 
(1859) 5 05
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Feuilleton.

manten für falſch. Die Gräfin, ihre Freundin, hatte ihr falſche Diamanten geliehen, und ſich echte zurückerſtatten laſſen! Sie eilt zur Gräfin, wirft das Kollier der Dame zu Füßen, und ruft:Ich habe Ihre Diamanten wiedergefunden, Madame. Sie ſind falſch! Ich bitte mir die meinigen zurückzuerſtatten, die echt ſind. Die Gräfin gab der Marcheſa ſogleich ihren Schmuck zurück. Dieſe mußte bald die Ueberzeugung

gewinnen, daß ihre Freundin unſchuldig ſei. Sie war⸗

von der Echtheit ihrer Edelſteine überzeugt. Und den⸗ noch war es unmöglich daran zu zweifeln, daß dieſes Kollier falſch ſei, ebenſo unmöglich aber auch die An⸗ nahme, der Graf habe in den Hochzeitskorb ſeiner Braut damals falſche Diamanten gelegt. Cramer ſelbſt hatte erklärt, daß ſie bei ihm gekauft wurden. Die Löſung des Räthſels iſt einfach. Der Graf hatte bei dem letz⸗ ten Frühlingsrennen 70,000 Fr. verloren. Er rechnete auf die Sommerzeit, wo die Damen ihren Schmuck nicht bedürfen und hatte insgeheim das falſche Kollier an die Stelle des echten gelegt. Bis zur Winterszeit konnte er ja längſt wieder alles in den frühern Stand zurück⸗ verſetzt haben. Das echte Kollier war verpfändet. Der Graf entſchloß ſich, der Marcheſa den wahren Sachver⸗ halt mitzutheilen. Die Marcheſa bat die Gräfin, den von ihr gekauften Schmuck als Zeichen der Verſöhnung zu behalten. Bis zu dieſem Momente hat noch nicht das Zartgefühl der einen Dame über das der andern den Sieg errungen.

In Solz bei Meiningen ſtarb kürzlich ein alter Mann, der eine Lieblingskatze hatte. Dieß Thier konnte nur mit Gewalt von dem Todten entfernt werden. Am Tage der Beerdigung, nachdem der Leichnam in den Sarg gelegt und der Sarg mit dem Deckel geſchloſſen war, fehlt die Katze. Man ſucht, öffnet noch einmal den Sarg und findet in ihm die Katze zu den Füßen ihres todten Herrn gelagert. Man entfernt ſie und der Alte wird beerdigt. Von dieſer Zeit an nahm das Thier keine Nahrung zu ſich, mochte man ihm Speck, Wurſt oder Milch vorſetzen, es ließ alles unberührt und kre⸗ pirte nach zwei Tagen. Iſt das die ſprichwörtlich gewordene Falſchheit der Katze?

Der Pantomimiſt Anders Lehmann wurde nach einer Vorſtellung im Hamburger Bazar vom Publikum herausgerufen, ſtolperte über ſeinen Hut, fiel nieder und iſt in Folge dieſes Falles in den letzten Tagen verſtor⸗ ben. Lehmann war ein Preuße von Geburt und hat ein ungemein bewegtes Leben geführt, ſich als Pierrot nicht nur in Deutſchland, ſonderu in den entfernteſten Ländern, in Oſtindien und Amerika, in der Havannah und bei den Kirgiſen einen Ruf erworben. In Kopen⸗ hagen hatte Lehmann ein eigenes kleines Théater und auch ein hübſches Beſitzthum gekauft, doch zeigte ſich dieß bald als eine verfehlte Spekulation. Er reiſte dann wieder als Pierrot und als ſolcher hat er ſich ein be⸗ deutendes Vermögen erworben, ſo daß ſeine hinterlaſ⸗ ſene Witwe ſehr gut von den Intereſſen leben kann. Lehmann war in einigen Stücken ganz beſonders aber⸗ gläubiſch. Das Merkwürdigſte war ſeine Anhänglichkeit an ſeinen alten Filzhut. Er beſaß denſelben ſeit dem Anfaug ſeiner Laufbahn als Pierrot, circa 40 Jahre lang. Der Hut war mit ihm alt geworden, doch konnte man ihn nie dazu bewegen, ſich einen neuen anzuſchaf⸗ fen, denn er behauptete ſteif und feſt, nur mit dieſem Hut habe er Glück, mit dieſem Hut wolle er einſt be⸗ graben werden. Eigenthümlicher Weiſe iſt eben dieſer Filzhut, der ihm vor die Füße fiel und ihn zum Stol⸗ pern brachte, die Urſache ſeines Todes geworden.

Der Schachſpieler Morphy aus Amerika, der ſeinen Wettkampf gegen den berühmten breslauer Schachſpieler Anderſſen in Paris gewann, wird im März nech Berlin kommen, um ſich mit den dortigen Spielern

zu meſſen, wobei er wieder gleichzeitig acht Partien mit verbundenen Augen ſpielen wird.

Die Kometen gelten für Propheten: daß dieſer Glaube nicht ganz unbegründet iſt, meint man aus nachfolgender Zuſammenſtellung von Kometenerſcheinun⸗ gen und bedeutungsvollen Ereigniſſen nachweiſen zu können. Vor Chriſtus 440 Schlacht von Salamis, 431 peloponeſiſcher Krieg, 331 Schlacht von Arbela, 43 Tod Cäſars. Chriſtliches Zeitalter: 1 Geburt Chriſti, 62 Erdbeben in Achaia, 70 Zerſtörung von Jeruſalem, 79 Ausbruch des Veſuv und Zerſtörung von Hereulanum, 332 Tod Konſtantin's, 400 Einfall Alarich's in Ita⸗ lien, 813 Tod Karl des Großen, 877 Tod Karl des Kahlen, 999 die großen Ereigniſſe des Jahres 1000, 1066 Eroberung von England durch die Normanen, 1253 Tod Philipp Auguſt's, 1254 Tod Urban IV., 1265 Tod Manfred's, Königs von Neapel, 1273 Thron⸗ beſteigung Rudolf's von Habsburg, 1454 Einnahme von Konſtantinopel, 1500 Einfall der Tartaren in Polen, Hunger in Schwaben, 1516 Johann von Leyden in Münſter, Peſt in England, Ueberſchwemmung in Hol⸗ land, Erdbeben in Portugal, 1556 Abdankung Karl's V., 1560 Tod Franz II., 1572 Blutbad in der St. Bar⸗ tholomäusnacht, 1580 Epidemie in Italien und Frank⸗ reich, 1793 Hinrichtung Ludwig's XVI., 1804 Kaiſerreich, 1811 Geburt des Königs von Rom, 1820 Napoleon betrachtete dieſen Kometen als ein Zeichen, daß ſein Tod nahe ſei, 1858 2

Anekdoten.

Das weiße Roß. Der Wirth zum weißen Roß in Tr., genannt der Hallerwenz, pflegte des Vormittags unter dem Laubengange vor ſeinem Gaſt⸗ hauſe zu ſtehen und die vorüberziehende Welt zu mu⸗ ſtern, währen er ganz gemüthlich die Daumen in den Armlöchern ſeiner rothen Sammttweſte auf und ab zu ſchieben pflegte. Da trat ihn eines Tages ein reiſender Berliner an, und fragte:Lieber, juter Herr! könnten Sie mir man nich' ſagen, wo hier das weeße Roß is? wölla wißa, entgegnete ſchnell der Haller⸗ wenz,wo's weiße Roß is? Bitte, das bin ich ſalber!

Der in Hamburg⸗-Altona erſcheinendenNorddeut⸗ ſchen Theater⸗Zeitung, von Frau Chriſtiany heraus⸗ gegeben, iſt es gelungen, ſich durch einen äußerſt ko⸗ miſchen Druckfehler auszuzeichnen. Sie berichtet in einer ihrer letzten Nummern wörtlich:Frau Boni⸗ war wirklich großartig im Spiel ꝛc und erinnerte uns an die ſchönſte Brütezeit der unvergeßlichen Schröder⸗ Devrient.

Aber, lieber Mann, ich möchte doch wiſſen, woher unſer Sohn all' dieſe ſchlechten Launen hat! Doch gewiß nicht von mir?Nein, fürwahr, Emilie, denn Du haſt noch keine einzige von den Deinigen ver⸗ loren! verſetzte der Ehemann. 8

Auf einem preußiſchen Kaſſenſcheine fand

man jüngſt folgende Variante eines Schiller'ſchen Verſes

Sollt'ſt auch du dich fruchtlos von mir wenden, Ich habe keinen zweiten zu verſenden!

Buchſchau.

Es iſt immerhin eine erfreuliche Erſcheinung, daß Böhmen ſeit einigen Jahrzehnten eine ſo reiche literariſche Thätigkeit in deutſcher Sprache entfaltet. Die Geſchichte der deutſchen Lite⸗ ratur hat bereits mehrere nicht unbedeutende Namen zu ver⸗