Heft 
(1859) 5 05
Seite
158
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erfolgt, das verſchriebene Papier aber

Erinnerungen.

Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.

Berlin iſt die Stadt der originellen Prozeſſe. So ſchwebt gegenwärtig ein Prozeß, deſſen Objekt nicht mehr und nicht weniger als ein Silbergroſchen iſt. Es hatte nämlich eine Berliner Handlung ihre kauf⸗ männiſchen Offerte unfrankirt verſandt. Der Empfänger eines der Briefe, der von den Offerten keinen Gebrauch machen wollte, hielt ſich in ſeinem Vermögen durch die ihm veranlaßte Portoauslage von 1 Sgr. beſchädigt und hat auf Erſatz geklagt. Der Verklagte weigert den⸗ ſelben, weil der Kläger den Brief angenommen und er⸗ brochen hat. Die richterliche Entſcheidung iſt noch nicht

hat ſchon lange den Werth des Klageobjektes überſchritten, und die Pro⸗ zeßkoſten werden es noch mehr thun. So unweſentlich indeſſen der Gegenſtand der Klage iſt, ſo wichtig dürfte das richterliche Urtheil in ſeiner prinzipiellen Bedeu⸗ tung erſcheinen.

Kurioſa.

In Hamburg, dem Eldorado der Stabilität, kam kürzlich der komiſche Fall vor, daß ein im Staatsdienſte proviſoriſch Angeſtellter ſein 50jähriges Jubiläum als ſolcher feierte.

Ein Abonnement aufewige Zeit. Ein dieſer Tage verſtorbener Tiroler Schullehrer, ein eifri⸗ ger Zeitungsleſer, hat ſeine Heimat Pfunders mit einer Stiftung bedacht, vermöge welcher Pfunders aufewige Zeiten dieSchützenzeitung und denTiroler Boten zu beziehen hat!

In Newyork verkauft ein origineller Spekulant gegen zwanzig Dollars bar Liſten, auf denen eine Menge reicher Mädchen oder Witwen verzeichnet ſind, die viel⸗ leicht zu verheiraten ſein würden. Sie enthalten nicht nur die Namen der unfreiwilligen Heiratskandidaten, ſondern auch die detaillirteſten Angaben über deren Ver⸗ mögens⸗ und Familienverhältniſſe, eine faſt ſteckbrief⸗ liche Beſchreibung ihrer Perſon, eine detaillirte Ausein⸗ anderſetzung ihrer phyſiſchen und moraliſchen Eigenſchaf⸗ ten, die Angabe des Alters, kurz Alles, was einem Bewerber nur wiſſenswerth erſcheinen kann. Jedem, der eine ſolche Liſte kauft, ſteht es frei, ſich nach Belieben Körbe zu holen.

Im Dorfe Salza bei Nordhauſen iſt der Fall vorgekommen, daß man über den bei Leichenbegängniſſen üblichen Imbiß vergaß, den zu Beſtattenden in den Sarg zu legen und ſo der leere Sarg unter den herkömmli⸗ chen Geſängen und Gebeten beſtattet wurde. Erſt drei Wochen nach dem Leichenbegängniß entdeckte man die Leiche in dem Stalle, wo ſie auf Stroh niedergelegt worden war. Natürlich allgemeine Verwunderung über die aus dem Grabe zurückgekehrte Leiche, Unterſuchung des leeren Sarges und nochmaliger Imbiß mit feierli⸗ cher Beſtattung dieß Mal aber mit der Leiche.

Nachdem in Berlin Niemand mehr im Zweifel darüber iſt, daß Miß Ella, die kühne und graziöſe Reiterin, thatſächlich dem ſtärkern Geſchlechte der Menſch⸗ heit angehöre und daß die Berliner ſich durch ſie haben dupiren laſſen, bringt dieOſtpreuß. Ztg. folgende Nachricht, von der wir einfach Notiz nehmen, ohne na⸗ ſtürlich ihre Wahrheit zu garantiren:Ueber die des Ovid würdige Metamorphoſe der Miß Ella in einen Mann theilt uns ein ſoeben aus London anlangender junger Gentleman mit, daß alle über die intereſſante Dame durch die Blätter verbreiteten Nachrichten in das Gebiet des Puffs gehören. Er hat Miß Ella in Da⸗ mentouilette im London Circus reiten geſehen, ſie ſelbſt geſprochen und ſich von ihrer eigenen Verwunderung über die ausgeſprochenen Albernheiten überzeugt. In London gilt die Dame für eine Tochter des Direktor Stokes, und keinem Menſchen iſt es eingefallen, an ihrer Weiblichkeit zu zweifeln.

Iſak Slocum, ein amerikaniſcher Poſtmeiſter, hatte ſich lange ſchon durch ſeine große Zerſtreuung ausgezeichnet und hat neulich das Meiſterſtück in dieſer ſeiner Kunſt gemacht. Ein Mal hielt er ein Ei in der Hand und kochte ſeine Uhr fünf Minuten lang. In einer Nacht, ſo erzählt eine amerikaniſche Zeitung und die amerikaniſchen Zeitungen lügen bekanntlich nie begab er ſich in ſein Schlafzimmer, kleidete ſich aus, legte die Beinkleider ſorgfältig in das Bett und hing ſich dann über die Stuhllehne, in welcher Stellung er die Nacht über blieb.

Feſtgedicht. DieVoſſiſche Ztg. bringt unter vielen anderen auch folgendes Gedicht an den neuge⸗ bornen Prinzen in Preußen:

Es heißt Dich heut, als

kleinen Fritz, Willkommen Hoch und Niedrich; Gelangſt Du einſt zum Herrſcherſitz, Werd' uns ein

großer Friedrich!

Ein ſchon 65 Lebensjahre zählender Inſaſſe zu Csongrad nahm ſich im verfloſſenen Jahre ein zwei⸗ tes junges Weibchen zur Frau und erlebte die Freude, von derſelben am 17. v. M. mit vier Kindern auf einmal beſchenkt zu werden, wovon eines zwar bald nach der Geburt ſtarb, die andeng drei aber friſch und munter ſind.

Im Jahre 1810 ließ man zu Stuttgart in einem Saale ein von Kork gearbeitetes Modell der Stadt Paris für Geld ſehen. Ehe der Beſitzer dieſes Kunſtwerks ge⸗ dachte Reſidenz verließ, ließ er noch folgende Bekannt⸗ machung ergehen:Da ſich die Stadt Paris nur noch kurze Zeit in Stuttgart aufhält, iſt das Entreegeld von 30 auf 10 Kreuzer herabgeſetzt.

Verſchiedenes.

Die Marcheſa von Alta.. war vor einigen Wochen von Madrid in Paris angekommen, um einer Hochzeit beizuwohnen. Sie hatte ihre Diamanten ver⸗ geſſen. Einige Tage vor der Hochzeit theilte ſie einer Gräfin v.... dieſen Vorfall mit; die Gräfin verſichert ihr, daß eine Dame ihres Ranges ohne Diamanten einer Hochzeitstafel nicht gut beiwohnen könne, und dringt ihr ein Brillanten⸗Kollier auf, das die Gräfin zu ihrer Vermälung erhalten und das damals 45,000 Fr. gekoſtet. Am Tage des Feſtes ſchmückt ſich die ſchöne Spanierin mit den Diamanten der Gräfin. Als ſie Abends zurückkehrt, legt ſie das Kollier in eine Schub⸗ lade. Am nächſten Tage ſoll ſie bei ihrer Freundin, der Gräfin, ſpeiſen, ſie will ihr die Diamanten zurück⸗ bringen, ſie öffnet die Lade, ſie ſucht und findet.... nichts. Umgeben von Dienſtleuten des Hotels, ihr alle unbekannt, zweifelt ſie nicht, daß man ſie beſtohlen hat. Sie verabſcheut aber jeden Skandal, und beſchließt, der Gräfin ein ebenſo koſtbares Kollier wiederzuerſtatten, als das verſchwundene war. Sie eilt zu Cramer. Cramer hatte den Diamantenſchmuck der Gräfin verfertigt, er kennt das Kollier und zeigt der Marcheſa ein anderes, das dem verſchwundenen vollkommen ähnlich iſt und nur um 10,000 Fr. mehr koſtet. Die Gräfin iſt zwar anfangs untröſtlich, nicht ihr Kollier wiederzuerhalten, ſogar über den Gedanken der Marcheſa verſtimmt; allein zuletzt ſtellt ſich das gute Einvernehmen wieder her, die Gräfin behält den neuen Schmuck. Tags darauf durch⸗ ſuchte die Marcheſa von neuem alle Räume ihres Schranks und entdeckte endlich in der Schublade un⸗ terhalb jener, in die ſie an jenem Abend die Dia⸗ manten gelegt, das koſtbare Kollier. Sie eilt zu dem Juwelier. Da ſie einen Schmuck zu Madrid beſitzt, ſo will ſie dieſes Kollier, deſſen ſie nicht benöthigt, dem Juwelier zurückſtellen. Der Juwelier erklärt die Dia⸗