Erinnerungen. Illuſtrirte Blätter für Ernſt und Humor.
Inſtrumente mit einer überraſchenden Ruhe, Sicherheit(Stoffſammler, wie gewiegte Pariſer Autoren ſie ſich zu
und Grazie aus. Dabei iſt ihr Spiel von jeder Affek tation und larmoyanter Süßlichkeit frei, die Bogenfüh rung iſt decidirt und kräftig, der Ton, wenn auch nicht groß, doch voll und weich, das Zuſammenſpiel unver gleichlich präeis. Ihr Vortrag hat wohl hie und da Innigkeit, doch ſcheint dieſe Nüance weniger aus der unmittelbaren Empfindung, als aus einem äußerlichen Studium zu kommen, welches letztere bei Frl. Karoline Ferni in der Bravour prävalirt. Mehr Wärme im Vortrage zeigt Frl. Virginia Ferni. Beide Schweſtern erzielten auch hier, wo ſie im Theater konzertirten, einen. ſehr günſtigen Erfolg. Ihr Programm enthielt zumeiſt Kompoſitionen modernen, jedes inneren Kernes baren Genres. M.
Miszellen.
Literatur und Kunſt.
Eine beſondere Thätigkeit herrſcht gegenwärtig auf dem Gebiete der vaterländiſchen Kulturge ſchichte. Scherr'’s„Deutſche Kultur⸗ und Sittenge ſchichte“ erlebte eine zweite Auflage, während Bieder mann, der Begründer des kulturgeſchichtlichen⸗Vereins
zu Weimar, einen zweiten Band von„Deutſchland im
18. Jahrhundert“ erſcheinen ließ. Eine ganz beſondere Pflegeſtätte hat die junge Wiſſenſchaft in Nürnberg bei dem germaniſchen Muſeum gefunden. Außer der gehalt
reichen„Zeitſchrift für Kulturgeſchichte“, welche daſelbſt
ſeit 1856 von Johannes Falle und Joh. Müller herausgegeben wird, veröffeutlichte erſterer mit A. v. Eye das Sammelwerk„Kunſt und Leben der Vorzeit“ bis zum 35 Hefte und letzterer begann ein anderes unter dem Titel:„Deutſchland vor dreihundert Jahren in Le⸗ ben und Kunſt“, welches auf 25 Lfgn. berechnet iſt. Jakob Falle, Bibliothekar des Fürſten von Liech⸗ tenſtein zu Wien, hat in ſeiner„Geſchichte der deut ſchen Trachten⸗ und Modenwelt“ eine höchſt gelungene Verarbeitung des weit zerſplitterten Materials gegeben, während Johannes Falke, Konſervator am geyma niſchen Muſeum, mit einer„Geſchichte des deutſchen Hau⸗
dels“ hervorgetreten iſt. Andere ſchätzenswerthe Beiträge
zur Kenntniß des deutſchen Lebeus bieten die„Geſchichte des deutſchen Studententhums“ von Dolch „Geſchichte des jenaiſchen Studentenlebens“ der Gebrü⸗ der Keil; ferner Pröhle's„Kirchliche Sitten“ und Avèl⸗Lallemant's Arbeit über„Das deutſche Gau nerthum“, deren dritter Band die deutſche Gaunerſprache behandeln wird. Nicht zu übergehen ſind Schäfer's „Deutſche Städtewahrzeichen“, deren erſter Band im Laufe des vergangenen Jahres erſchien. Unter den kul turhiſtoriſchen Arbeiten über einzelne Gegenden und Orte Deutſchlands dürften die bereits vielfach beſpro chenen Schriften von Riehl und von Becker über die Pfalz, von Fecht über den ſüdweſtlichen Schwarzwald, von Genth über die Stadt Schwalbach hervorzuhe⸗ ben ſein. Die benachbarte Schweiz betreffen Wolf's „Biografien zur Kulturgeſchichte der Schweiz“, deren Erſcheinen 1858 begonnen hat.
Wandlungen. Wer kennt nicht das thränenreiche Drama„Zurückſetzung“, welches Dr. C. Töpfer ſ. Z. nach Ancelot’s„préference d'une mére“ als Original luſtſpiel brachte? Das franzöſiſche Stück war in Frank⸗ reich längſt verſchollen, als ein deutſcher Lumpen⸗ oder
und die
halten pflegen, dem Kompagniegeſchäft von Barrère und Capendu die alte„Zurückſetzung“ vorlegte. Das Stück wurde bearbeitet, die Kaiſerin weinte ein Paar Thränen darin ſein Erfolg iſt geſichert und ſiehe da: bereits hat ein deutſcher Freibenter„le nouvelle Cendrillon“ zu⸗ rücküberſetzt und bietet ſie vertrauensvoll den Bühnen⸗ vorſtänden als Novität.
Elmar's„Teufels Brautfahrt“ naht ſich im Thea⸗ ter an der Wien der hundertſten Aufführung.— In den Bouffes Pariſiens erlebte in dieſen Tagen Offenbach's zweiaktige Zauberoper:„Orpheus“ die hundertſte Wie derholung. Berg's Lebensbild:„Ein Wiener Dienſt bot“ iſt nun auch in Philadelphia ein Kaſſaſtück geworden.
Göthe wird der Lieblingsdichter des Auslandes: nachdem ihm Amerika durch Lewes eine ſo glänzende Huldigung dargebracht, erhalten wir jetzt eben wieder eine vortreffliche Ueberſetzung der Gedichte von zwei Engländern: W. E. Aytoun und Th. Martin, Poëms and Ballads of Göthe, Edinburgh, Blackwood.
Richard Wagner, der ſeine Textbücher, wie man weiß, ſelbſt ſchreibt, was für ihn abſolute Nothwendig keit, da ſeinem Prinzip nach beide ſich das Gleichgewicht halten müſſen, Poeſie und Muſik hat ſeinen neueſten Operntext:„Triſtan und Iſolde“ bei Breitkopf in Leip zig erſcheinen laſſen und gibt der Kritik Gelegenheit, ſchon jetzt das Meſſer zu wetzen.
Der Virtuoſe M. Hauſer, der mit ſeiner Geige die Erde umſegelte, und am Hofe der Pomare als erſter Konzertgeber erſchien, wird nächſter Tage in Wien ein tveffen. Herr Hauſer hat während ſeiner zehnjährigen Abweſenheit ganz Nordamerika, Weſtindien, Kanada, Ka⸗ lifornien, Südamerika, Otaheiti, alle Richtungen Auſtra⸗ liens und einen Theil Aſiens und Amerikas durchzogen und nahe an 1200 Konzerte gegeben.
Man ſchreibt aus Paris, daß ein gegenwärtig dort weilender, aus Baja in Ungarn gebürtiger Knabe von 10 Jahren, der Pianiſt Henri Ketten, in den muſit kaliſchen Kreiſen großes Aufſehen erregt. Seinem erſten Konzerte wohnte die Elite der Pariſer Muſikwelt bei. Halevy und Meyerbeer ertheilten dem Knaben Lob ſprüche, Roger, der in dem Konzerte mitwirkte, des gleichen.
Am 23. Mai wird im Haag eine Kunſtausſtel lung von Werken lebender Meiſter aller Na tionen eröffnet, die bis zum 4. Juli dauert. Die Re⸗ gierung hat ſechs goldene Reichsmedaillen ausgeſetzt, um ſie drei inländiſchen und drei ausländiſchen Künſtlern zu ertheilen, deren ausgeſtellte Werke als beſonders hervorragend dafür würdig erachtet werden; ferner hat die Gemeinde⸗Verwaltung der Reſidenz zehn goldene Medaillen zur Vertheilung an ſieben Inländer und drei Ausländer beſtimmt.
Die Verbindung der„Junggermanen“ hat mit Herausgabe ihres Jahrbuches„Teut“ einen neuen Beitrag zur Erheiterung des Publikums gegeben. Das Haupt der Geſellſchaft bringt nämlich in einem mit Fremdwörtern reichlich durchflochtenen Aufſatz die Verbannung ſämmtlicher Fremdwörter„zur Wiederher⸗ ſtellung der deutſchen Nationalgeſchichte in ihrer Echt⸗ heit und Urſprünglichkeit“ in Anregung und will den Gebrauch dieſer Auswüchſe durch Mitglieder der Schule mit Geldſtrafen belegt wiſſen. Der neue Reformator gibt alsdann eine Art Lexikon, worin u. A. die Worte
figuriren: Genirv— Nervenſyſtem, Glitzmache— Elek triſirmaſchine, Pruf Kritik, Pläſter— bildender Künſtler, Schlachttone— Trompete, Waltung— Staats⸗


