Prager Sprechſtübchen.
Am 3. Februar ſeierte der Cäcilienv erein in Prag, gelegenheitlich ſeines dritten Abonnementkonzertes,
entriſſene Tondichter Felix Mendelsſohn⸗Bar⸗ tholdy vor fünfzig Jahren geboren wurde. Da ſonſt von keiner anderen Kunſtkorporation unſerer im Auslande noch immier geachteten Muſikmetropole dieſes bedeutungsvollen
Momentes äußerlich gedacht wurde, ſo hat ſich der gedachte
Verein um ſo mehr die hier ſo zahlreichen Verehrer des liebenswürdigſten aller neueren Komponiſten zu Danke verpflichtet, und auch dem Nimbus unſeres Kunſtlebens einen großen Dienſt erwieſen. Mendels⸗ ſohns in objektiver Beziehung ſo vielſeitige und ſtets auch geniale Produktivität bei dieſer Gelegenheit nach Zulaß der Kräfte und des Konzertſaales möglichſt zu manifeſtiren, war die Aufgabe dieſes Tages, an wel⸗ chem, dieſer Tendenz gemäß, ſich auch das Programm eben ſo reichhaltig als intereſſant geſtalten mußte. Letz⸗ teres erhielt demnach nur Werke dieſes Meiſters. Auf die Klavierkompoſition und Kammermuſik konnte bei dem Or⸗ ganismus des Vereins eben ſo wenig, wie auf des Kom⸗ poniſten Sphäre in der Oper, in welcher nebſt der Jugendarbeit„Die Heimkehr aus der Fremde“, dem Fragment„Loreley“, noch die vollſtändige Oper:„Die Hochzeit des Camacho“ aufzuzählen iſt, ſelbſtverſtändlich reflektirt werden. Doch blieb noch immer ein überrei⸗ cher Stoff zur Auswahl übrig. Der feurige, impoſante Hochzeitsmarſch aus dem„Sommernachtstraum“ eröff⸗ nete die Feier. Dieſem folgte ein von unſerem geiſtrei⸗ chen Aeſthetiker Herrn Joſef Bayer gedichteter Prolog, deſſen ſchwungvolle Sprache und treffende, zeitgemön Beziehungen allgemein gewürdigt wurden. Nebſtbei ent⸗
hielt die erſte Abtheilung den„Feſtgeſang der Künſtler“,
dann die hochintereſſanten Fragmente des Oratoriums „Chriſtus“, und die erſte Symphonie; letzteres Werk
Erinnerungen. 1859.
Feuilleion.
gebührt nicht nur für die pietätvolle
ſtammt aus des Meiſters Jünglingsjahren, und läßt, obwohl im ganzen Bau geſtützt an ältere Muſter, doch in der Ueppigkeit und Friſche der Ideen und deren
Durchführung den nachherigen Tonmeiſter deutlich er⸗
den Jahrestag, an welchem der leider ſo früh der Kunſt kennen. Die zweite Abtheilung brachte zuerſt das herr⸗
liche, längſt bei allen Liedertafeln und Singvereinen ein⸗ gebürgerte Männerquartett:„Der Jäger Abſchied“ nebſt dem„Wanderlied“, ferner das erhebende Gebet für Chor und Orcheſter„Verleih' uns Frieden“. Hierauf folgten die herrlichen, ſelten gehörten Volkslieder von Heine, für Sopran, Alt, Tenor und Baß, welche ſo
gefielen, daß ſie wiederholt werden mußten. Der groß⸗
artige 114. Pſalm für achtſtimmigen Chor und Orche⸗
ſter, Op. 57, gab dem Konzerte den würdigſten Ab⸗
ſchluß. Dem unermüdet thätigen Direktor Herrn Apt Vorbereitung die⸗ ſes Konzertes, ſondern auch für das mühſame Einſtu⸗ dieren ſämmtlicher Pieceu, die trefflich vorgetragen wur⸗ den, die lauteſte Anerkennung. Auch ſei in Dankbarkeit der gefälligen Mitwirkung aller hiebei Betheiligten gedacht.—
Als Vorbote jenes Theiles unſerer Konzertſaiſon, der nach Ablauf des Karnevals noch bevorſteht, erſchien dießmal das anmuthige Schweſternpaar Ferni. Nach den bedeutenden Erfolgen, die dieſe jugendlichen Violin⸗ virtuoſinnen in der Reſidenz und in einigen Hauptſtäd⸗ ten der Monarchie errungen, war es erklärlich, daß auch Prag auf ihre Kunſterſcheinung ſehr geſpannt war. Sie ſind Schülerinnen von Beriot und Alard, und ver⸗ treten auch ihre Meiſter in der einen Richtung, näm⸗
lich als Virtuoſinnen, die es zumeiſt auf den äußerlichen
Glanz der Schauſtellung techniſcher Fertigkeit abgeſehen haben. Immerhin bleibt aber letztere, wenn⸗ ſie im Ver⸗ ein mit einer jugendlich reizenden Perſönlichkeit ſich be⸗ merkbar macht, einer beſondern Beachtung ſehr werth. Beide Fräulein beſitzen eine vollendete techniſche Aus⸗ bildung, und führen alle Schwierigkeiten auf ihrem
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