A. Wiechovsky: Die Taubſtummen. 143
—
die eifrigſte Bemühung der löblichen Oberdirektion der Anſtalt und des Herrn Direktors Froſt, ein Auskunftsmittel zu finden. lende komme.
Der Taubſtumme, welcher gar keine Bildung Um die äußeren Angelegenheiten des Inſti⸗ genoſſen hat, iſt für die Geſellſchaft eine große Laſt, tuts zu leiten und in jeder Beziehung demſelben und ihr oft ſogar gefährlich; es wäre mithin ſchon zu helfen, hat ſich eine Anzahl von Menſchen⸗ viel gethan, wenn man wenigſtens nur ſo weit dieſe freundelr vereiniget. An der Spitze derſelben ſteht Armen bildete, daß ſie aus ihrem halbthieriſchen als Oberdirektor Se. Exzellenz Leopold Otto⸗ Zuſtande heraus kämen und die wichtigſten Kennt⸗ mar Freiherr von Hennet, Präſident des k. k. niſſe der Religion und des gewöhnlichen Lebens böhm. Ober⸗Landesgerichtes. Durch die Vermitt⸗ erlangten. Dieſes iſt nach der Methode des Dir. lung dieſer Männer und durch die menſchenfreund⸗ Froſt in einem Kurſus von zwei Jahren möglich. lichen Beiträge vieler Bewohner Böhmens, durch
Man wendete ſich an die hohe Regierung, die Intereſſen der Kapitalien des Inſtitutes, durch um von ihr die nothwendigen Hilfsmittel zu er⸗ die Stiftungen, durch die Zahlungen hoher Gönner langen, und das hohe k. k. Miniſterium des Innern für Freiplätze und durch die von dem hohen Mi⸗ bewilligte mit dem Erlaſſe von 20. Juli 1857 niſterium des Innern bewilligten Zuſchüſſe in den aus dem böhm. Landesfonde für 30 Zöglinge einen letzten zwei Jahren war es möglich die Auslagen jährlichen Verpflegungsbetrag von 4200 fl., vor der des Inſtitutes zu decken.
Hand auf zwei Jahre. Dieſe Wohlthat wurde nun Alle bildungsfähigen Kinder, welche keine jenen Taubſtummen vornehmlich zu Theil, welche Mutterpflege mehr bedürfen, werden aufgenommen, ſchon etwas älter waren, da ſie in den früheren natürlich, ſo weit die Mittel es erlauben. Eine Jahren immer zurückgewieſen werden mußten. größere Anzahl der Zöglinge zahlt entweder den
Vermögen nicht im Verhältniſſe ſteht, ſo drängt ſich uns unwillkürlich die Frage auf, woher das Feh⸗
Mit dem Oktober 1857 traten ſie ein und ganzen Verpflegungsbetrag, oder einen Theil des⸗ befinden ſich jetzt in einem ſehr erfreulichen Zuſtande. ſelben.
Mit Ablauf dieſes Schuljahres werden ſie nicht nur Die Tagesordnung iſt folgende: Da die Kin⸗ ſo weit ſein, daß ſie die heil. Sakramente im richtigen der ſehr regſam ſind, ſo gab es auch bis zur letzten Geiſte empfangen können, ſondern auch die aller-⸗ Zeit kein Geſetz für das Auſſtehen; doch weil ſie nothwendigſten Schulkenntniſſe beſitzen. zu zeitig ihre Betten verließen, was beſonders im Aber das Jahr 1857 iſt auch inſofern für Winter mancherlei Unangenehmes hat, wurde 6 die Anſtalt wichtig, als in demſelben der Neubau Uhr feſtgeſett. Darauf wiederholen ſie im Arbeits⸗ derſelben vollendet und bezogen wurde. Er machte ſaale bis 7 Uhr. Um dieſe Zeit genießen ſie eine einen Koſtenaufwand von beiläuſig 30,000 fl. Die Suppe. Nach dem Frühſtück wird von den Zög⸗ hohen Stände des Königreiches Böhmen bewilligten lingen die eigene Kleidung und auch das ganze unter Genehmigung eines hohen Miniſteriums des Inſtitut gereiniget. Von 8 bis 9 ½ ll. iſt Unterricht Innern menſchenfreundlich 20,000 fl. aus dem Do⸗ meiſtentheils in der Lautſprache. Dann haben ſie minikalfonde zu dem Baue. Es erlitt auch das eine halbe Stunde zu ihrer Erholung, während wel⸗ alte Gebäude namhafte Veränderungen, welche die cher ſie ein Stückchen Brod eſſen. Von 10 bis Nebindung mit dem neuen erheiſchten. Und ſo iſt 12 U. iſt wieder Unterricht und zwar von 11 bis ſtitut jetzt ein ſchönes Ganze. 12 immer allgemeiner ddeiegirnsn diru den der Die Einrichtung iſt eine ausgezeichnete; jeder Direktor den geſammten verſammel Zöglingen nſcheyfreund, der hier eintritt, muß hoch er⸗ ertheilt. Nach 12 Uhr ißt man zu Mittag. rreut ſein uber das, was Menſchenliebe daſelbſt Die fähigeren Zöglinge haben Nachmittags von für die unglücklichen Mitbrüder gethan hat. Net⸗ 2 bis 4 U. wieder Unterricht, die minder Befähigten, keit und Ordnung herrſcht in demſelben wie nur beſonders die Mehrzahl von den 30, die blos einen un wenigen Inſtituten, trotdem, daß es eine ſo be⸗ zweijährigen Kurſus durchmachen, arbeiten körper⸗ deutende Anzahl von Zöglingen beherbergt. lich, die Knaben in der Schuſter⸗ und Schneider⸗ 1858 waren 121 Zöglinge: 76 Knaben, 45 werlſſtatt, die Mädchen in der Nähſtube, wo ſie vesden und 16 Schüler. Am Schluſſe des J. 1857 verſchiedene weibliche Arbeiten lernen.
Anſtalt ein Vermögen von 111,465 fl. Es gehört zu den ſehnlichen Wünſchen des Heol ſind 115 Zöglinge: 75 Knaben, 40 Mäd⸗ Inſtitutes, daß es bald in die Lage geſetzt werden chen und 20 Schüler. möge, noch andere Werkſtätten einrichten und ſo
Nebſt den Zöglingen wohnen im Inſtitute: die Kinder allſeitiger und zweckmäßiger in den freien der Direktor, ſämmtliche Lehrer(7), der Offizial, Stunden beſchäftigen zu können.. die Hausmutter, der Hausverwalter, zwei Lehrerin⸗ Zwei Nachmittage in der Woche turnen die nen und ein Schneider, der zugleich Hausmeiſter iſt. Zöglinge und zweimal üben ſie
Da die Verpflegung der Zöglinge(ſie erhal⸗. ten auch Kleidung), die Gehalte und der Lohn der nur halbweg erlaubt, ein kleiner Spaziergang ge⸗ dienenden Perſonen eine jährliche Ausgabe verur⸗ macht, die übrige Zeit bis zum Nachtmahle ver⸗ ſachen, die jedenfalls mit dem vorhin angegebenen wenden ſie zur Wiederholung.. 2₰
1


