T. R. Eſpe: Eine Skizze vom Geltſchberge. 141
Reichte man dem Geltſchnaz einmal ſtatt als er ihm angeboten wurde, keines Blickes und des Brodes ein Geldſtück, ſo wies er es mit kur- ſagte nur, jetzt hätte er ihn nicht nöthig, man ſolle zen barſchen Worten zurück:„Behalt's ock ſalber, ihn nur aufheben, im Winter werde er ihn brau⸗ 7s Gald is rare,“ d. i. Behaltet es nur ſelber,'s chen. Ich weiß nicht, ob er ihn geholt oder auf Geld iſt rar! ihn verzichtet hat, weil vielleicht die alte treue s ein Bett⸗ Mütze immer noch gut genug war. Neuerungen waren dem Manne im Grunde der Seele verhaßt. Der Geltſchnaz trug ſein eigenes Speiſe⸗ geräthe mit ſich herum. Es beſtand aus einem kleinen Topfe, in den er ſich die Speiſe ſchütten ließ, und einem Topffragmente, einer Scherbe, die ihm ſtatt des Löffels diente— ſo mahnte er leb⸗ haft an den alten griechiſchen Philoſophen Dioge⸗ ſchaft“ nach ſeinen Kräften nützlich ſein; er fragte eeh von dem ähnliche Geſchichten erzählt werden. dann und wann:„Wullt'r epper Sand hon, ich Er zeigte aber in dieſer Gewohnheit nicht nur, wie warſ'n breng?“(Wollt Ihr etwa Sand haben, ich einfach er zu leben verſtand, ſondern 3 erklärte ſie werde welchen bringen.) Hatte man ſeinen freund⸗ ſelbſt derart, daß er meinte, die Leute würden ſich lichen Antrag angenommen, ſo kam der Geltſch— ſcheuen, mit ihm Ben demſelben Teller. oder aus naz in kurzer Friſt wieder und trug vom Berge derſelben Schüſſel zu eſſen; er kannte ſich nur zu herunter einen mächtigen Sandblock auf der Schul⸗ V gut und ia vft genug erlebt haben, daß furcht⸗ ter; da ſah er aus, wie ſie den Rieſen Atlas mit ſame Kinder vor han. garſtigen Vaitln davonliefen der Erdkugel abbilden. Es war aber meiſt ein Müd. Dis ſchmucken Mädchen mit Abſcheu zur Seite grober, ſchlechter Sand, den man wohl im Gar⸗ biie wenn er nei Vedin rrüherind, ten, nicht aber zum Scheuern der Stube brauchen G lich Zeit dei Kireheiöſsſee bihte demn mochte,— er gab, was er hatte. Ge t Pnaz 1 dAlen Deſenn. viele ſtille Freuden. So zog er weit herum im Gebiete des Geltſch⸗ 1. Mic Er die duſtene Kirhen Linſanntelid vinde berges; er kannte die Fußſteige zwiſchen den Fel⸗ ſeitene Koſt, die, er iit. weſſemi Bedachtr zu geuid⸗ Vei b. dier eenae vPtade 6 lde d mied ßen wußte. Einſt wollte er ſich den hübſchen Vor⸗ dern hin, die einſamen Piade im Walde uud unen rath von Kuchen für alle Fälle recht im Geheimen auch nicht die breiten offenen Straßen, auf denen aufbewahren und band ihn auf einer Tanne an;
Hat euch das, liebe Leſer, jemal ler geſagt? Das konnte einzig und allein der Geltſchnaz thun, der erbarmungswürdige Bett⸗ ler, der den erbärmlichen Bettel Geld verachtete. „s Geld iſt rar!’ verſteht es wohl Jemand, mit einem geringeren Aufwand rhetoriſcher Mittel die ſchwere Noth der Zeit ſo treffend zu bezeichnen 2
Der Geltſchnaz mochte gern in der„Wirth⸗
8 ſich ſo behaglich einherbummelt. 4 dort oben ſollte Niemand die guten Biſſen wittern. Einſt traf er unverhoffter Weiſe mit einem V Er hatte ſich vor ſeinen Feinden— auch der Gendarmen zuſammen, der ihn anhielt und einen Geltſchnaz mußte Feinde haben!— ſichern wol⸗
len; da kamen die Raben, an welche er nicht ge⸗ dacht hatte, und fraßen dem vorſichtigen Bettler die beſten Biſſen weg. Der meinte, der ſchlimme „Galtſchjager“, der Geltſchförſter, müſſe ihm den Streich geſpielt haben.
So brachte der Geltſchnaz, die ehrliche
Heimatſchein von ihm verlangte. Das kam dem ehrlichen„Stromer“(Vagabunden) nicht wenig ſon⸗ derbar vor, er ergriff ſeinen Mann vertraulich am Arme und meinte:„Nee, Vetter Standdorm,*) nee, ſu wos is bei uns ni Moude!“(Nein, Vetter
Gendarm, ſo etwas iſt bei uns nicht in der Mode.) Wenn ſich der Geltſchnaz wirklich um einen Seele, ſein armes Leben hin; als der Tod ihn Heimatſchein gekümmert hätte, in den Geltſchhäu- mahnte, kroch der Bettler auf den Backofen, wo er ſern konnte ihn Niemand ausſtellen und vom Rich- zu ſchlafen pflegte, und da ſtarb er.
ter der Kataſtralgemeinde, zu welcher die Berghüt⸗ Das weiß ich von ihm zu erzählen; ich habe
ten gehören, ſoll er geſagt haben:„Dar brett kenn“ mir nicht die Mühe genommen, die einfachen Le⸗ (er trifft keinen), was wir unparteiiſch unentſchie⸗ benszüge des Mannes nach weltlicher Eitelkeit zu⸗ den laſſen. zuſchneiden und auszuſtaffiren, weil es des Mannes
Es war ein abgedienter, aber immer noch unwürdig wäre, an deſſen innerem Werthe kein wohl konſervirter Filzhut im Hauſe. Der konnte V zußeres Flitterwerk haftete. Hätte ich auf das dem Geltſchnaz beſſere Dienſte leiſten, als die ſchmuckloſe wahre Bild falſche bunte Farben aufge⸗ ſchlechte, zerriſſene Mütze. Er würdigte ihn aber, tragen, ſo würde im Sinne des Geltſchnaz dieſe Skizze nichts anderes ſein, als„olbers Gelotſche“
lalbernes Geſchwätz).
*) Fremdwörter müſſen ſich's gefallen laſſen, vom Volke ſo In dem weiten Gebiete, das er durchſtreifte,
r z Of t auf dieſe Art 4. oder ſo verdeutſcht zu werden. Oft kommt auf dieſe ft des armen, ehrlichen Waldes⸗
ein köſtlicher Humor in ſolche Umbildungen. Aus einem wird man noch 5 Mn, 4 Melancholiker macht der phlegmatiſche Baier einen Maul⸗ ſohnes denken. In allen Dörfern weiß man be⸗
henkoliker, aus einem Aktuarius wird ein Aktenverwah⸗ ſondere Geſchichten von dem ſo rauhen und doch Aſus⸗ uns nafſitee gi eeſattirde is ned Shi ſo grundguten Bettelmanne zu erzählen. Wer an⸗ vilverdienſtorden ein Zuvielverdienſtorden u.. w. Das⸗ 1e Fſſifſch e d9
böhmiſche Landvolk machte aus Gendarme ztandar— dere Data ſeines klaſſiſch kinfachen ebena keunt, warum, das weiß man nicht. als die ich hieher geſetzt habe, der wird wohl daran


