Feuilleton. 127
ordnung des biſchöflichen Ordinariats von Regensburg und der Regierung in Niederbaiern wurde dieſelbe aus dem Pfarrhofe unter dem Widerſtand der beiden Geiſt⸗ lichen durch Anwendung von Zwang entfernt und zur Unterſuchung in das Eliſabethinerinenkloſter nach Strau⸗ bing gebracht, wo es ſich herausſtellte, daß ſie eine Be⸗ trügerin war. Gegen die Ausführung dieſer Maßregel hatte der Pfarrer in einem an das Landgericht Rotten⸗ burg gerichteten Schreiben proteſtirt, das höchſt unehr⸗ erbietige Ausdrücke gegen das königliche Regierungs⸗ präſidium enthielt und beim Zwangsvollzug nebſt ſei⸗ nem Bruder ſich gegen Landrichter Schütz und Gerichts⸗ arzt A. Müller ſehr injuriöſer Ausdrücke bedient. Der Strafantrag des Staatsanwaltes lautete für Pfarrer Karl Schumm auf 12 Monate, für deſſen Bruder Ig⸗ naz Schumm auf 10 Monate Gefängniß. Das Bezirks⸗ gericht verurtheilte den Erſteren zu 10 Monaten Fe⸗ ſtungsarreſt. Die weitere Verhandlung gegen Prieſter Ignaz Schumm, welcher bei der Verhandlung nicht zugegen war, wurde vertagt.
Vor dem Polizeigericht in Speyer wurde un⸗ längſt ein Fall verhandelt, der ſeines Gleichen in den Jahrbüchern der Gerichtspflege ſuchen dürfte. Ein Lein⸗ weber von Speyer, der ſich immer rühmte,„ein aus⸗ gezeichneter Schütze zu ſein,“ ſuchte endlich ſeiner Mei⸗ ſterſchaft die Krone aufzuſetzen und ſchoß wirklich ſei⸗ nem zwölf Jahre alten Buben in der Entfernung von fünfzehn Schritten eine Kartoffel vom Kopfe. Weil je⸗ doch ſeine Nachbarn den Meiſterſchuß bezweifelten,
hier af angeſtellten Nachforſchungen wurde ermittelt, daß dieß Individuum mehrere Frauen geheiratet hatte, die Polizei ſpürte ihm nach und er wurde nach lan⸗ gem Suchen durch den Polizeiinſpektor Leonors und den Conſtabler Green verhaftet und zwar in der Woh⸗
nung ſeiner zweiten Frau; dieſe beſuchte er am häu⸗ figſten, weil ſie die bemitteltſte unter ſeinen Gattinnen
wiederholte er noch an demſelben Abend den Schuß (der Knabe mußte der Dunkelheit wegen eine Laterne
halten), und abermals flog die Kartoffel vom Kopfe des Kindes. Die Nachbarn gingen in Verwunderung darü⸗ ber nach Hauſe. Inzwiſchen wurde die Sache in wei⸗ teren Kreiſen ruchbar und der neue Tell gerichtlich be⸗ langt. Auf die Frage, ob er ein Narr ſei, gab er ein kurzes„Bisweilen“ zur Antwort. Er wurde zu einer Geldſtrafe und fünf Tagen Gefängniß verurtheilt.
In England iſt kürzlich ein Mann verhaftet worden, der zur Zeit ſechs Frauen hat, vielleicht hat er deren noch mehr, denn eine ſiebente Ehe desſelben iſt ſchon zur Anzeige gebracht. Das iſt denn doch unerhört— in Deutſchland kommt höchſtens das Verbrechen der Doppelehe vor. Die Sache wurde dadurch entdeckt, daß zuerſt zwei Frauen gleichzeitig bei der Behörde Anzeige über das Verſchwinden ihres Gatten machten. Dieſer Don Juan heißt Glouceſter Gale, iſt zur Zeit angeb⸗ lich 33 Jahre alt und nichts weniger als ſchön; er iſt von kleiner Geſtalt und trägt einen ſtarken Backenbart und kleinen Schnurrbart. Er hat ſich ſeinen ſechs Frauen gegenüber ſtets für einen Schiffskapitän, der weite Seereiſen machen müſſe, ausgegeben. Deshalb wunderten ſich denn die Frauen nicht, wenn er auf kürzere oder längere Zeit verreiſte; zu einigen derſelben kehrte er häufig, zu einer gar nicht zurück. Mr. Gale wurde in Egham verhaftet und zunächſt dem dortigen Richter vorgeführt, der ſich für inkompetent erklärte und die Unterſuchung der Sache dem Richter überwies, zu deſſen Bezirk Islington gehört, in deſſen Kirche die zweite Trauung des Gale— alſo das erſte Verbrechen desſelben— ſtattgefunden hatte.. 3.
Ueber die Vorunterſuchung berichtet die„Gazette des Tribunaux“ nach engliſchen Blättern: Der Ange⸗ ſchuldigte erklärt, er heiße Glouceſter Gale, ſei 33 Jahre alt und wohnhaft in Hommermith. Die Verfolgung iſt angeregt und wird geleitet durch Mr. Cattlin im Na⸗ men des Vereins zum Schutze der Frauen(ein ſolcher Verein ſcheint in England wirklich nöthig zu ſein!) Mr. Cattlin erklärt: Die Sache wurde zuerſt in Folge einer Anzeige von zwei Frauen, die ſich nach ihrem verſchwundenen Mann, einem Schiffskapitän, erkundig⸗ ten, zur Kenntniß des Lord⸗Mayor gebracht. Durch die
war. Die Frau war bei ſeiner Verhaftung gerade in der Kirche, er ließ ein Billet an ſie zurück, welches die Worte enthielt:„meine Sünden ſind endlich entdeckt, ich bitte Dich, ein gutes Wort für mich einzulegen.“ Es werden hierauf 4 ſeiner Frauen vernommen, die letzte(die ſechſte) erklärte, daß er bei ihr nur einen Tag geblieben ſei. Cattlin fährt fort: Wir haben eine Brieſtaſche, die bei Gale gefunden worden iſt, durchge⸗ leſen, es ſind darin alle Specialitäten über die von ihm abgeſchloſſenen Ehen verzeichnet. Es ergiebt ſich daraus, daß der Angeſchuldigte an einem Tage Briefe an vier ſeiner Frauen geſchrieben hat und daß er an einem andern Tage mit dreien derſelben an Orten, wo ſie ihn erwarteten, eine Zuſammenkunft hatte.
Der Angeſchuldigte Gale bekennt ſich ſchuldig und behält ſich vor, ſich vor dem Schwurgericht zu verthei⸗ digen. Er erklärt, daß er ſeinen Frauen mehrere Sa⸗ chen, die ihr Eigenthum ſeien, zurückgeben wolle und deshalb mit ſeiner Frau ſprechen müſſe.
Der Richter. Mit welcher?(allgemeines Ge⸗ lächter.)
Mr. Gale. Mit welcher? Nun, mit meiner erſten Frau, die meine rechtmäßige Frau iſt.
Mr. Cattin. So eben erfahre ich, daß der An⸗ geſchuldigte vor zwei Jahren noch eine ſiebente Ehe
abgeſchloſſen hat.
Der Angſchuldigte wird in das Gefängniß(New⸗ gate) zurückgeführt und wird in Kurzem vor dem Schwur⸗
gericht erſcheinen.
Der Gaſtfreund. Ein ehrbarer Bürger und Meiſter hatte einen guten Jahresabſchluß gemacht, die Jahresrechnungen gingen nach Wunſch ein und er war fröhlich und guter Dinge. Nun wollte es der Zu⸗ fall, daß er vor einigen Abenden mit Freunden in der Bierſtube zuſammentraf, die gleich ihm keine Urſache hatten, in das alte Klagelied über die ſchlechten Zei⸗ ten mit einzuſtimmen, und im traulichen Geſpräche die gewöhnliche Stunde der Heimkehr verpaßten. Auf den erſten Schritt aus dem gewöhnlichen Geleiſe folgte der zweite. Die rechte Zeit war verſäumt, die Laune war eine fröhliche und der Stoff zur Unterhaltung wollte kein Ende nehmen; da entſchloß man ſich kurz, aus⸗ nahmsweiſe ein anderes Lokal zu beſuchen, wo die Gäſte länger zu verweilen pflegen und mit einem ge⸗ müthlichen Weißen ſich nicht begnügen. Auch hier ver⸗ ging die Zeit ſchneller, als man dachte und wünſchte, und endlich mußte man ſich dennoch trennen. Jeder Einzelne ſchlug den Weg nach ſeiner Wohnung ein. Allein des Schwärmens ungewohnt, wandelte unſeren Meiſter ein unheimliches Gefühl an; da fiel ſein Blick auf eine Konditorei, und mit einem Male wurde es ihm klar, daß ihm nichts weiter, als eine Taſſe Kaffee fehle, und wohlgemuth trat er, ohne zu ahnen, in welche Geſellſchaft er ſich miſche, in eine unſerer nächtlichen Konditoreien ein. Freilich war es ihm auffallend, bei ſo ſpäter Stunde in ſolchem Lokale ſo viele Gäſte an⸗ weſend zu finden; allein er wollte eine Taſſe Kaffee trinken, was kümmerten ihn die vielen Gäſte, kümmer⸗ ten dieſe ſich doch nicht um ihn!— Einer unter den Gäſten ſchien indeß ein gleiches Schickſal mit ihm zu theilen, gleich ihm ſich einſam in der zahlreichen Geſell⸗ ſchaft zu fühlen. Er näherte ſich ihm, und nicht lange, ſo waren ſie in ein tiefes Geſpräch verwickelt. Der neue Bekannte, ein Menſch von vielem Gemüthe, hatte das Herz auf der Zunge, und bevor er die Taſſe Kaffee, die ungeachtet ſeines Appetits nach dieſem Getränke


