Heft 
(1859) 3 03
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Feuilleton. 93

Stück Schmiedeeiſen im Werthe von 10 fl., verarbeitet zu Hufeiſen auf 20 fl., zu Meſſerkfingen auf 360 fl., zu Nähnadeln auf 710 fl., zu Federmeſſer klingen auf 6570 fl., zu Stahlknöpfen und Schnallen auf 8670 fl. und zu Uhr⸗ federn auf 500.000 fl. Ein Stück Gußeiſen, im Werthe von 10 fl., verarbeitet zu gewöhnlichen Gegenſtänden, ſteigt auf 40 fl., zu Schmuckſachen auf 450 fl., zu Schnal⸗ len und den ſogenannten Berliner Artikeln auf 6000 fl., zu Halsketten auf 13,800 fl. und zu Hemdknöpfen auf 58,000 fl.

Der Berliner Porträtmaler und Photograf C. Braſch hat im Verein mit ſeinem Aſſiſtenten, dem Techniker und Photografen D. Di etrich, die Erfin⸗ dung gemacht, poſitive Lichtbilder unmittelbar auf nack⸗ ten Holzſchnittplatten in der größten Schärfe herzuſtel⸗ lin, ſo daß es nur der geſchickten Hand des Xylografen bedarf, um die von der Natur vorgezeichneten Bilder in Drucktypen umzuwandeln. Wie für bildliche Gegen⸗ ſtände, kann die neue Vervielfältigungs⸗Art gleichfalls für alte Handſchriften in Anwendung kommen, und die Gelehrten wie die Bibliotheken haben Ausſicht, Kopien ſolcher künftig und zwar um einen verhältnißmäßig ge⸗ ringen Preis, zu beſitzen.

Steinkohlenfeuerung für Backöfen iſt in England ſchon längſt im Gebrauch. In neuerer Zeit hat man auch in Preußen und Hannover Verſuche damit gemacht, die geglückt ſind. In der Stadt Hannover ſind vor einigen Tagen drei neue Steinkohlenöfen in Betrieb geſetzt worden. Die Herſtellung eines ſolchen iſt koſtſpie⸗ iger, als die eines Holzofens(ca. 250 Thlr. gegen 80 Thlr.), an Heizmaterial wird aber ungleich mehr geſpart.

Die Elektricität als Geldkaſſenbeſchütze⸗ rin. Ein Mechaniker in Verona wendet zum Schutz der von ihm fabricirten Geldkaſſen gegen unberechtigtes Eröffnen die Elektrieität an. Der Gedanke iſt nicht neu, aber wie die veroneſer Blätter verſichern von dem ſinnreichen Mechaniker in ſehr zweckentſprechender Weiſe ausgeführt. Der Kaſſier kann mit Leichtigkeit den elektriſchen Strom unterbrechen und ſo, ohne Stöße und Erſchütterungen zu befürchten, ſeine Geſchäfte an der Kaſſe verſehen, während jeder von einem in das Geheimniß nicht Eingeweihten gegen die Kaſſe gemachte Verſuch augenblicklich eine hochgradige Wirkſamkeit des elektriſchen Apparats erzeugt und ein weiteres Vorgehen verhindert.

Die Fiſchjagd ſoll Pulver und Blei erhalten. Der Büchſenmacher Devisme hat auf Beſtellung zweier Rheder in Havre einen Wallfiſchfänger mit den von ihm erfundenen neuen Büchſen und den dazu gehörigen Platzkugeln ausgerüſtet. Dieſes Geſchoß wurde von dem Löwentödter Gerard mit vielem Erfolge gegen den Kö⸗ nig der Thiere verwandt. Man will nun auch Verſuche an den Ungethümen des Ozeans machen, welche natür⸗ lich Geſchoße von ſtarkem Kaliber erfordern.

Ein neues Geſchütz, erfunden und ausgeführt von den Herren Armſtrong in Neweaſtle, iſt vor einer Regierungs⸗Kommiſſion mehreren Proben unterworfen worden und ſoll, was Tragweite anbelangt, alle bisher gebrauchten Geſchütze weit hinter ſich laſſen. Bei einer Elevation von 30 Graden ſchoß man aus demſelben eine 32 pfündige Kugel auf eine Entfernung von 9600 Durds d. i. über eine deutſche Meile weit. Dieſelbe

iſtanz wurde durch einen 16 Zentner ſchweren Neun⸗ pfünder von gleicher Bauart erzielt. 3

Für Haus und Hof.

Zur hühnerologiſchen Kultur lieferte jüngſt eine große Ausſtellung in den Räumen des Breslauer Wintergartens intereſſante Beiträge. In einer langen

Reihe von Käfigen, ſchreibt man derW. Z. hierüber, ſtanden die gefiederten Schönen aus allen Zonen und eine lange Reihe ungefiederter Schönheiten wogte in eleganten Toiletten an ihnen vorüber. Franzoſen und Cochinchineſen trotz aller Zeitungsberichte in friedlicher Eintracht, ſchwarze Tſcherkeſſen mit rothem Kamme, jene ſeltſamen créve-coeurs mit dem ſchwarz⸗weißen, geſträubten Gefieder, das auf einen ſehr polemiſchen Charakter zu deuten ſcheint, bilden die bunte Bevölke⸗ rung der Käfige, welche ihre Bewunderung des elegan⸗ ten Publikums in den verſchiedenſten unverſtändlichen Idiomen herausgackerte. Das Ganze war indeß mehr Sklavenmarkt als Harem! Bald hier, bald dort wurde eine unglückliche Schöne beim Schopf genommen und in einen Tragkorb eingeſperrt die Lotterie hatte über ihr künftiges Loos entſchieden. Jedenfalls ſteht in Schle⸗ ſien, beſonders in Görlitz und Breslau, die Hühnerzucht in Blüthe und die Vereinshennen fangen bereits an, gol⸗ dene Eier zu legen. Wie Göthe eineWeltliteratur an⸗ ſtrebte, ſo unſere Zeit eineWeltkultur. Völker und Zonen greifen ineinander Betrachtungen, die ſich dem aufmerkſamen Beobachter ſelbſt vor dieſen kosmopoliti⸗ ſchen Hühnerſtällen aufdrängen. Die geografiſchen Kennt⸗ niſſe der deutſchen Hausfrauen werden durch dieſe Orien⸗ talinen, die jetzt ihrer Pflege anvertraut ſind, außer⸗ ordentlich vermehrt. Und welche exotiſche Eierkuchen werden bald unſere Gourmands erquicken.

Geräuchertes Stroh als Futter für Kühe. Ein Herr Goodiff theilt inAgric. Gaz. die intereſ⸗ ſante Erfahrung mit, daß ſeine Kühe mit größter Be⸗ gierde geräuchertes Stroh verzehren, zu welchem Behufe er alles ſchlechte Stroh verwendet. Zur Räucherung des Strohs wurde der Rauch durch Verbrennen von Torf erzeugt. Welche Wirkungen ſich bei dieſer Fütte⸗ rung hinſichtlich der Milch⸗ und Fleiſchproduction ge⸗ zeigt haben, iſt nicht mitgetheilt, die Idee aber jeden⸗ falls in Zeiten von Wichtigkeit, wo ſchlechtes Stroh zu verfüttern eine Nothwendigkeit iſt, um die Thiere nur zu erhalten.

Todtenſchau.

Ihre kaiſerliche Hoheit die durchlauchtigſte Frau Erzherzogin Maria Anna, Tante Sr. Majeſtät des Kaiſers, iſt am 26. Dezember v. J., nach kurzer Krank⸗ heit und Empfang der heiligen Sterbeſakramente zu Baden bei Wien verſchieden.

Reichsgraf Waldſtein⸗Wartemberg. Am 24. Dez. v. J. ſtarb in Prag der bisherige Chef eines der erlauchteſten und berühmteſten Adelsgeſchlechter Böh⸗ mens: Se. Excellenz Herr Chriſtian Reichsgraf von Waldſtein⸗Wartemberg, k. k. geheimer Rath, Oberſterb⸗ landvorſchneider in Böhmen, Großkreuz des k. k. Leo⸗ pold⸗Ordens, Beſitzer des Armee⸗ und des königlich böhmiſchen Gardekreuzes, Ehrenritter des Maltheſer⸗Or⸗ dens, Präſident des böhmiſchen Muſeums und des böh⸗ miſchen Forſtvereins dc. Der Dahingeſchiedene war am 2. Jänner 1794 geboren, hätte ſomit in wenigen Tagen ſein 65. Lebensjahr vollendet. Aus ſeiner Ehe mit Grä⸗ fin Maria von Thun⸗Hohenſtein(vermält 14. Mai 1817) leben zwei Söhne und vier Töchter. Der älteſte Sohn

und jetzige Chef des Hauſes, Graf Ernſt, ſeit 1851 in

zweiter Ehe mit Prinzeſſin Maria von Schwarzenberg, Palaſtdame Ihrer Majeſtät der Kaiſerin, vermält, iſt k. k. Kämmerer und Rittmeiſter in der Armee, der zweite, Graf Joſef Ernſt, Maltheſer⸗Ordensritter, Major im Adjutanten⸗Korps und Flügel⸗Adjutant Sr. Majeſtät des Kaiſers. Von den Töchtern iſt Komteſſe Gabriele mit Sr. Durchlaucht Fürſten Arthur von Rohan⸗Gue⸗ menèé vermält. Graf Chriſtian Waldſtein ſtarb an Entkräftung in Folge innerer Blutung.