Heft 
(1859) 3 03
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lückwunſch deswerth jahren, daß zaben.

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fTFtuilleton.

Der Faſching.

Die heiligen drei König ſind kommen allhier; Es ſind ihrer drei, und ſind nicht ihrer vier, Und wenn zu den dreien der vierte wär',

So wär' ein heil'ger Drei⸗König mehr.

Alſo ſingt Göthe in ſeinemEpiphaniasfeſt. Je⸗ ner Regent, welcher in unſerer Feſt⸗ und Zeitrechnung unmittelbar nach den heiligen drei Königen kommt, ver⸗ dient nichts weniger, als das Epithetonheilig, er iſt vielmehr ſeinem Urſprunge nach ein alter Heide und ſeiner Herrſchaft nach einFürſt von Thoren.

Wir wollen hiemit keineswegs einen Stein auf den Faſching geworfen haben, denn wir halten Horazens Dulce est desipere in loco(Süß iſt es, zur Zeit etwas närriſch zu ſein) für ein gar liebes und wahres Wort und die Saturnalien, in denen man den Ur⸗ ſprung des Faſchings erblickt, für die ſchönſten und hei⸗ terſten Feſttage der alten Römer. Kaum hatte man an dieſen Tagen dem Gott Saturn die wollenen Fußbin⸗ den gelöſt, ſo ſchien das goldene Zeitalter, dem gr einſt vorſtand, wieder auf Erden einzukehren. Die allgenrkine Freude, die ſich oft in zügelloſer Freiheit äußerte, hob

jeden Rangunterſchied auf; die Sklaven lagerten ſich

mit ihren Gebietern um denſelben Tiſch, ja ſie wurden wohl gar von den letzteren bei den Gelagen bedient. Auch fehlte es nicht an fröhlichem Treiben auf der Gaſſe und an Maskenſcherz aller Art.

Derſelbe klaſſiſche Boden, welcher die Feier der Saturnalien ſah, blieb auch im Mittelalter der Haupt⸗ ſchauplatz des Karnevals. Dieſe Feſtzeit, welche mit Bezug auf die darauffolgenden Feſte als der Abſchied vom Fleiſche carne vale bezeichnet wurde, war namentlich in Venedig und Rom eine Zeit der ausge⸗ laſſenſten Freude und des bunteſten Treibens, das übri⸗ gens ſeine beſtimmten Regeln und ſein Feſtprogramm

Erinnerungen, 1859,

hatte. In Rom, deſſen Karnevalsfeier im 18. Jahrhunderte alles überbot, waren die letzten acht Tage vor Aſcher⸗ mittwoch für den Maskenſcherz feſtgeſetzt, alle Stände nahmen daran Theil und Fremde ſtrömten ſchaarenweis zu. Da drängte ſich Harlekin, Scaramuz und Pantalon, da wimmelten zu Hunderten die neckenden Pulcinells, die bärbeißigen Capitanos, die tänzelnden altfranzöſi⸗ ſchen Stutzer und Dominos von allen Farben. Witz und Laune hatte in Tracht und⸗Worten freie Hand und die Satyre konnte ungeſtraft ihr Ziel ſich wählen; nur geiſtliche Masken waren verboten. Noch heute bietet der Corſo die längſte und breiteſte Gaſſe einer italieni⸗ ſchen Stadt an den letzten Faſchingstagen ein leb⸗ haftes Bild allgemeiner allegria. Den mittleren Raum der Gaſſe nehmen zwei Wagenreihen ein, die in unun⸗ terbrochenem Zuge langſam ſich fortbewegen, während zu beiden Seiten auf den Trottoirs unter verworrenem Geſchrei die Fußgänger ſich tummeln und die dichtge⸗ drängten Masken in den Wagen mit den weißen Con⸗ fetti bewerfen und ihrerſeits wieder von den Angegrif⸗ fenen mit gleichen Geſchoßen überſchüttet werden. Nach dem Wettrennen, das um die Zeit der Dämmerung ſtattfindet, werden die Moccoli, kleine Wachskerzen, an⸗ gezündet und nun beginnen die wechſelſeitigen Verſuche, einander die Lichtchen auszublaſen.

In Paris hält der feſtlich geſchmückte boeuf gras, ein auserleſener fetter Ochs mit vergoldeten Hörnern, ſeinen Triumphzug zur Schlachtbank, in Deutſchland, das vom 13. bis in's 17. Jahrhundert ſeine Faſtnachts⸗ ſpiele hatte, wird der Faſching jetzt nur noch in einzel⸗ nen Städten, namentlich in Köln, als eine Art Volks⸗ feſt gefeiert. Die Redouten und Maskenbälle von heute erinnern meiſt an das Urtheil, das der Fuchs in der Fabel über die Larve fällte.

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