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„Ich habe in dieſer Beziehung mehr Erfahrungen,“ warf er ein, „dann auch gilt meine Drohung mehr, der Wucherer weiß, daß—
„Jakob Herz wird nicht auf die Perſon des Anklägers, ſondern auf die Beweiſe ſehen,“ unterbrach Bertram Schenk ihn ruhig, ver weiß, daß ich der berechtigte Erbe, alſo auch der Betrogene bin, ich ſehe nicht ein, weshalb ich meine Anſprüche nicht ſelbſt vertreten ſoll!“
„Das heißt mit dürren Worten, Du vertrauſt mir nicht,“ fuhr Heinrich erbittert auf.
„Ereifere Dich nicht deshalb; ich weiß, daß, wenn das Geld in Deine Hände kommt, ich einſtweilen keinen rothen Heller davon erhalte.“
„Iſt es vielleicht nicht ſicher bei mir aufgehoben?“
Der alte Mann zuckte die Achſeln.
„Ehrlich geſtanden hege ich in dieſem Punkte einige ſehr ernſte Bedenken,“ erwiderte er gemeſſen.„Einem Spekulanten vertraue ich nicht gerne eine Summe an, man weiß, wie die Herren das Geld verſchleudern können.“
„So ſag' doch die Wahrheit,“ fuhr Heinrich mit wachſender Gereiztheit fort,„in Deiner Abſicht liegt es, daß Otto das Geld erhalten ſoll.“
„Nicht mehr, wie ihm zu kommt.“
„Alſo der dritte Theil?“
„Ja und wenn ich an Deiner Stelle wäre, ſo würde ich auf meinen Antheil zu ſeinen Gunſten verzichten, er kann's gebrauchen und—“
„Sieh da, wie großmüthig!“ ſpottete Heinrich.„Vierzigtauſend Thaler ſoll ich meinem Bruder ſchenken, damit er von ſeinen Zinſen leben kann, als penſionirter Schloſſergeſelle! Ich weiß, weshalb man immer auf mir reiten will! Wenn ich reich geworden bin, ſo bin ich's durch meine Kenntniſſe, meinen Fleiß geworden, geſtohlen habe ich das Geld nicht.“
Bertram Schenk ſchwieg, aber ſein Blick ruhte ſo feſt, ſo durchdringend auf dem Antlitz des Sohnes, daß dieſer unwillkürlich die Wimpern ſenkte.
„Du ſollſt nicht zu kurz kommen,“ ſagte er ernſt,„beruhige Dich deshalb, aber Deinetwegen werde ich mich nicht eher ausziehen, bis ich zu Bett gehe. Ueber Deinen Reichthum mag ich nicht mit Dir reden, dieſes Kapitel hat mir ſchon manche Sorge, manchen Aerger bereitet, gebe Gott, daß——— wir wollen darüber ſchweigen. Uebrigens freut es mich, Dir mittheilen zu können, daß Dein Bruder im Begriff ſteht, ein großes Etabliſſement zu kaufen, Du haſt alſo nicht mehr nöthig, Dich des Schloſſergeſellen zu ſchämen.— Guten Morgen.“


